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Dennis Seidenberg wechselte während der letzten Saison von Florida nach Boston © getty

Bei SPORT1 spricht Dennis Seidenberg über das Playoff-Aus in der vergangenen Saison, seine Ziele und die Sport-Stadt Boston.

Von Rainer Nachtwey

München/Prag - Fünf Monate ist es her: Dennis Seidenberg saß auf der Tribüne und musste die bittere Stunde tatenlos mit ansehen.

Ohne den Verteidiger, der mit einer Handgelenksverletzung zum Zusehen verdammt war, verlor sein neuer Klub Boston Bruins die entscheidende siebte Begegnung der Eastern Conference Halbfinals gegen die Philadelphia Flyers noch mit 3:4.

Trotz einer 3:0-Führung in der Serie und einem 3:0-Vorsprung im Entscheidungsspiel.

Doch der deutsche Nationalspieler nimmt aus der Niederlage das Positive mit in die anstehende Spielzeit. "Für uns ist das die Motivation für die neue Saison", sagt Seidenberg bei SPORT1 vor dem NHL-Auftakt der Bruins.

Für die kommende Spielzeit rechnet sich Seidenberg große Chancen auf den Stanley Cup aus. Der Auftakt ging allerdings daneben. In Prag unterlagen die Bruins den Phoenix Coyotes mit 2:5.

Im Interview mit SPORT1 spricht der 29-Jährige über die Vorbereitung, die Neuzugänge, Marco Sturm und NBA-Superstar Shaquille O'Neal.

SPORT1: Herr Seidenberg, Sie mussten die letzte Saison wegen einer Handgelenksverletzung vorzeitig beenden. Wie geht es Ihnen jetzt?

Dennis Seidenberg: Wenn wir gegen Philadelphia weitergekommen wären, hätte ich wieder spielen können. Da war die Reha bereits abgeschlossen, und jetzt habe ich keine Probleme mehr mit dem Handgelenk. Es ist jetzt wieder, wie es vorher war: Ich fühle mich sehr gut und denke, dass ich mit 100 Prozent in die Saison starten kann.

SPORT1: Demnach konnten Sie erst ein wenig entspannen, ehe Sie die Vorbereitung in Angriff genommen haben?

Seidenberg: Ich habe nach der Saison ein oder zwei Wochen pausiert. Dann ging es ganz normal wieder mit dem Sommertraining wieder los.

SPORT1: Nach der Vorbereitung in den USA, ging es jetzt nach Europa zum Saisonstart in Prag. Bedeuten diese Reisen zusätzlichen Stress?

Seidenberg: Ein wenig schon. Aber wir sind bereits am 28. September nach Belfast geflogen und haben dort ein erstes Testspiel bestritten. Seit dem 3. Oktober sind wir jetzt in Prag. Deswegen haben wir genug Zeit gehabt, um uns zu akklimatisieren und uns vorzubereiten.

SPORT1: Das Ausscheiden gegen Philadelphia war sehr bitter. Sind Sie als Team schon darüber hinweg?

Seidenberg: Jeder von uns denkt natürlich noch daran. Es ist jetzt vor allem eine große Motivation für die neue Saison. Denn wir wollen in dieser Saison einen Schritt weiterkommen.

SPORT1: Redet die Mannschaft untereinander noch über diesen Moment, oder ist es mittlerweile ein Tabu?

Seidenberg: Es wird eher in Interviews thematisiert. Aber wir haben kein Problem damit Unser Ziel ist es, ein solches Ausscheiden in Zukunft zu verhindern.

SPORT1: Es gab bei den Bruins relativ wenige Veränderungen im Sommer: Dennis Wideman wurde abgegeben, dafür Nathan Horton geholt. Wie sehen Sie die Mannschaft?

Seidenberg: Das Team ist sehr gut besetzt. Wir haben eine gute Mischung zwischen jung und alt. Mit der Verpflichtung von Nathan Horton haben wir jemanden dazubekommen, der viele Tore machen kann.

SPORT1: Außerdem ist Tyler Seguin hinzugekommen, die Nummer zwei Draftpick. Was ist er für ein Typ?

Seidenberg: Er ist ein sehr netter, angenehmer Mensch. Auf dem Eis ist er natürlich sehr talentiert. Er ist sehr schnell, aber noch sehr jung und muss sich erst mal an die Liga gewöhnen. Die Erwartungen an ihn sind sehr hoch, aber man muss ihm einfach Zeit geben, sich zu entwickeln und Erfahrungen zu sammeln.

SPORT1: Sie haben einen neuen Vertrag über vier Jahre und 13 Millionen Dollar unterzeichnet. Passt alles, fühlen Sie sich in Boston wohl?

Seidenberg: Auf jeden Fall. Ich hatte in den letzten Jahren schon auf einen längerfristigen Kontrakt gehofft. Umso schöner ist es, dass es jetzt in Boston geklappt hat. Es ist eine sehr schöne Stadt, eine echte Sport-Stadt, das hat einfach sehr gut gepasst.

SPORT1: Wen sehen Sie als Hauptkonkurrenten im Osten? Pittsburgh und Washington?

Seidenberg: Das kann man so sehen. Dazu noch Philadelphia. Aber wir haben hoffentlich auch ein Wörtchen mitzureden. Man braucht natürlich das nötige Quäntchen Glück, und in den Playoffs kann immer alles passieren.

SPORT1: Sie spielen mit Marco Sturm zusammen. Allerdings haben Sie sich auf die Saison vorbereitet, während er nach seinem Kreuzbandriss ein Reha-Programm absolviert...

Seidenberg: Im Sommer haben wir telefoniert und stehen eigentlich regelmäßig in Kontakt. Er macht in der Reha gute Fortschritte und wird hoffentlich bald wieder fit sein. Er meinte, dass er Ende November oder Dezember wieder auf dem Eis steht.

SPORT1: Wie sieht es mit den anderen deutschen Spielern aus? Stehen Sie mit Ihnen in Kontakt?

Seidenberg: Eher weniger. Ab und zu telefoniere ich mit Marcel Goc oder Christian Ehrhoff. Wenn man gegeneinander spielt, trifft man sich einen Tag vorher und isst etwas zusammen.

SPORT1: Sie spielen in der gleichen Halle wie die Boston Celtics. Sind Sie schon dem einen oder anderen Spieler begegnet?

Seidenberg: Auch eher weniger. Die Termine sind ja so gelegt, dass wir auswärts spielen, wenn sie im Garden spielen und umgekehrt. Man läuft sich eher zufällig mal über den Weg.

SPORT1: Das "Shaq-Fieber" in Boston haben Sie aber mitbekommen?

Seidenberg: Ja, natürlich. Es ist schon sehr interessant und auch ständig in den Nachrichten. Er ist bestimmt sehr witzig, und wie man hört, erzählt er auch immer interessante Geschichten. Ich würde ihn schon gern mal treffen.

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