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Evgeni Nabokov spielte von 2000 bis 2010 für die San Jose Sharks © getty

Der Goalie will sich Detroit anschließen, macht die Rechnung aber ohne die New York Islanders. Die Waiver-Liste ist schuld.

München - Das Transfersystem im US-Sport nimmt bisweilen recht skurrile Züge an.

Die sogenannte Waiver-Liste regelt in allen nordamerikanischen Profiligen alle Geschäfte, die jenseits von reinen Trades oder Free-Agent-Vereinbarungen getroffen werden.

In der NHL sorgt derzeit auf Basis eben dieser Liste der Wechsel des russischen Torhüters Jevgeni Nabokov für reichlich Zündstoff.

Das Tauziehen um den 35 Jahre alten NHL-Routinier gewann vor wenigen Tagen der sportlich angeschlagene Klub New York Islanders - dank der Waiver-Liste. (DATENCENTER: Der NHL-Spielplan)

Komplizierte Verwicklung

Nabokov war, als sein Vertrag bei den San Jose Sharks im Sommer nach zehn Jahren nicht verlängert wurde, in seine Heimat zu SKA St. Petersburg zurückgekehrt.

Die Detroit Red Wings wollten den Russen nach der Verletzung von Stammtorhüter Chris Osgood nun zurück in die NHL holen und boten dem Oldie einen mit 550.000 Dollar dotierten Einjahresvertrag an.

Da Nabokov aber die Saison außerhalb der NHL in Russland begonnen hatte, musste er den Umweg über die Waiver-Liste nehmen.

Keine Ablösesummen

Die gilt übrigens auch für Wechsel innerhalb der NHL. Ablösesummen gibt es nicht, die Klubs verschaffen sich durch die Waiver-Liste Platz im Kader oder Gehaltseinsparungen.

Den Regeln nach können dann für 24 Stunden weitere Klubs den jeweils wechselwilligen Spieler auf dem Waiver (vom Englischen to waive = verzichten) verpflichten.

Um die sportliche Ausgeglichenheit der Liga zu gewährleisten, erhält das am schlechtesten platzierte Team automatisch den Zuschlag zu den bereits ausgehandelten Konditionen.

"Habe nichts gegen sie"

Die Islanders, auf der Torhüterposition mit zwei Rookies sportlich unterbesetzt, nutzten die Gunst der Stunde - allerdings gegen den Willen des Russen, der sich bei seinem neuen Klub bislang nicht blicken ließ.

"Ich habe nichts gegen die Islanders", sagte Nabokov, zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere wolle er aber lieber einem ambitionierteren Team helfen.

Nabokov lässt sich verleugnen

Die Red Wings sind Spitzenreiter der Central Division und liegen stramm auf Playoff-Kurs.

Für den so heiß Umworbenen war schon alles vorbereitet, der Flug gebucht, das Trikot beflockt, das Programmheft vor dem Heimspiel gegen die Buffalo Sabres gedruckt. Es fehlte nur noch der Hauptdarsteller.

Der lässt sich inzwischen am Telefon verleugnen und hofft auf einen positiven Ausgang der Personalposse. Die Islanders haben ihn regelgerecht erstmal suspendiert.

Im schlimmsten Fall wäre Nabokov auch noch in der kommenden Saison für kein anderes NHL-Team spielberechtigt.

System wird geprüft

Theoretisch könnten die Islanders das Transfer-Schnäppchen auch wieder loswerden. Dafür müsste Nabokov aber erneut auf die Waiver-Liste.

Dieser mittlerweile äußerst umstrittene Teil des NHL-Transfersystems soll allerdings in Kürze einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Initiatoren sind die St. Louis Blues.

Die hatten nach einem (kosten-)intensiven Scouting Kyle Wellwood und Marek Svatos unter Vertrag genommen und auf die Waiver-Liste gesetzt. Wellwood spielt inzwischen in San Jose, Svatos in Nashville ...

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