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Marcel Goc (l.) spielte 2001/2002 gemeinsam mit Robert Müller bei den Adler Mannheim © getty

Im Interview mit Sport1.de schildert Marcel Goc, wie er die Nachricht von Robert Müllers unheilbarer Erkrankung aufgenommen hat.

Von Julian Ignatowitsch

München/San Jose - Besser konnte die Saison kaum laufen für Marcel Gocs San Jose Sharks.

Das Team des deutschen NHL-Profis hat mit 16 Siegen und nur vier Niederlage in 20 Spielen einen Traumstart in die aktuelle Spielzeit hingelegt.

Das nährt die Hoffnungen, dass die Kalifornier endlich das große Ziel erreichen können, an dem sie in den Jahren zuvor immer vorzeitig gescheitert sind: den Einzug in die Stanley-Cup-Finals.

Im Interview mit Sport1.de spricht Marcel Goc über den Lauf seiner Mannschaft, seine Ziele und wie er die schreckliche Nachricht von Robert Müllers unheilbarer Erkrankung aufgenommen hat.

Sport1.de: Herr Goc, die San Jose Sharks haben einen gelungenen Saisonstart hingelegt (Spielplan der Sharks). Was sind die Ziele in dieser Spielzeit?

Marcel Goc: Die Erwartungen sind ziemlich hoch. Wir wollen seit drei Jahren ins Stanley-Cup-Finale, sind aber immer schon in der zweiten Runde der Playoffs ausgeschieden. Vor dieser Saison gab es jetzt einige Änderungen in Bezug auf die Mannschaft und den Trainerstab. Unser Ziel - und das sieht jeder einzelne Spieler so - bleibt unverändert.

Sport1.de: Wie haben sich die neuen Spieler wie Rob Blake oder Dan Boyle in die Mannschaft integriert?

Goc: Sehr gut. Das sind alles sehr nette Kerle mit viel Erfahrung. Blake und Boyle haben den Stanley Cup ja schon mal gewonnen und wissen, wie es geht. Sie sind eine große Bereicherung für die Mannschaft.

Sport1.de: Was hat der Trainerwechsel bewirkt? Was macht Todd McLellan anders als sein Vorgänger Ron Wilson?

Goc: Er geht mehr auf die Spieler zu. Außerdem spielen wir unter ihm ein leicht verändertes System. Bisher läuft es einfach optimal. Ich komme sehr gut mit ihm zurecht.

Sport1.de: Die Heimbilanz der Sharks ist mit zehn Siegen aus elf Spielen überragend. Woran liegt's?

Goc: Ich weiß es auch nicht. Im letzten Jahr waren wir die beste Auswärtsmannschaft, jetzt landen wir plötzlich zu Hause Sieg um Sieg. Natürlich spielt man immer lieber daheim: Du kannst in deinem eigenen Bett schlafen, bist bei deiner Familie. Aber so eine Leistungsexplosion ist nicht planbar.

Sport1.de: Dennoch versuchen die Sharks jetzt auch bei den Auswärtsspielen eine familiäre Atmosphäre zu schaffen?

Goc: Ja, das stimmt. Bei den beiden Auswärtsspielen in Chicago und Nashville waren die Väter, bei manchen auch die Brüder, mit an Bord. Der Verein hat alle eingeladen, damit sie mal sehen, wie das bei uns so abläuft. Mein Vater ist extra aus Deutschland rübergeflogen.(Sharks gewinnen in Chicago)

Sport1.de: Erzählen Sie mal. Wie sieht so ein vier-, fünftägiger Auswärtstrip ungefähr aus?

Goc: Das ist alles exakt durchgeplant. Jeder Spieler erhält einen genauen Ablaufplan, wann wir wo zu sein haben. In der Regel fliegen wir zwei Tage vor dem Spiel ab. Am Abend findet meistens ein gemeinsames Mannschaftsessen statt und am Tag vor dem Spiel wird mittags noch mal trainiert. Es bleibt auch hin und wieder etwas Zeit, um in die City zu gehen. In Chicago bin ich mit meinem Vater durch die Einkaufsstraße gebummelt. Nach dem Spiel geht es dann meistens wieder direkt zum Flughafen.

Sport1.de: Ein enormes Pensum, das sich manch ein jammernder Fußballer mal ansehen sollte...

Goc: Manchmal ist es schon stressig, gerade wenn man zwei Auswärtsspiele in zwei Tagen hat. Oft kommt ja noch die Zeitverschiebung hinzu. Zwischen San Jose und New York liegen immerhin vier Stunden. Das kann einen schon mal aus dem Rhythmus bringen. Aber letztlich ist alles halb so schlimm - es macht ja Spaß.

Sport1.de: Finden sie da überhaupt noch Zeit, auch mal einen Blick in die DEL zu werfen?

Goc: Über den Kontakt zu meinen Brüdern Sascha und Nikolai bin ich gut informiert. Beide erzählen mir regelmäßig von ihren Spielen. Ansonsten halte ich mich über das Internet auf dem Laufenden.

Sport1.de: Wie haben sie auf die Schreckensnachricht über den unheilbaren Tumor bei Robert Müller reagiert?

Goc: Ich konnte es nicht fassen. Ich habe lange mit Robert zusammen in Mannheim gespielt. Wir sehen uns immer wieder bei der Nationalelf. Zuletzt hatten alle gedacht, er hat seine Krankheit besiegt. Und jetzt dieser Schock. Ich wünsche ihm alles Gute.

Mehr Informationen zu Marcel Goc erhalten Sie unter hier

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