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Trevor Gillies ist seit 2009 bei den New York Islanders unter Vertrag © getty

Nach neun Spielen Sperre fliegt der "Vollstrecker" Gillies in der NHL erneut vom Eis. Dabei will er nur der große Bruder sein.

New York/München - Wie ein Jäger auf seine erlegte Beute, so blickte Trevor Gillies auf Eric Tangradi herab. Verächtlich, zufrieden, gnadenlos.

Mit einem Ellbogencheck gegen den Schädel hatte der "Vollstrecker" der New York Islanders seinen Kontrahenten ins Wanken gebracht, eine präzise Links-Rechts-Kombination erledigte den Rest.

Tangradi ging zu Boden, Gillies flog vom Eis. Der Startschuss zu einer Massenschlägerei. 349435(DIASHOW: Prügel-Irrsinn reloaded)

346 Strafminuten hagelte es beim Exzess in der NHL zwischen den New York Islanders und den Pittsburgh Penguins. Und 21 Spielausschlüsse.

Gillies muss vom Eis

Auch Gillies musste runter. Aufhalten konnte das den Eishockey-Profi aber nicht.

Noch während Tangradi auf dem Eis behandelt wurde, lauerte Gillies am Spielfeldrand und beleidigte sein Opfer von dort aus lautstark.

"Geh zurück in deinen Käfig", brüllte TV-Moderator Paul Steigerwald erbost in Richtung Gillies.

Kampfmaschine hört nicht auf

Der hatte im direkten Zweikampf Mann gegen Mann gesiegt, Lorbeeren gab es dafür keine.

Im Gegenteil. Für neun Spiele verbannte die NHL den Wiederholungstäter vom Eis.

Offenbar nicht lange genug, denn gleich nach Absitzen seiner Sperre schlug Gillies wieder zu.

Nach einer Attacke von Minnesotas Cal Clutterbuck gegen Islanders-Rookie Justin DiBenedetto nahm Gillies Rache. Von der Seite donnerte die 1,91 Meter große und 103 Kilogramm schwere Kampfmaschine in den ahnungslosen Clutterbuck hinein.

Vertragsverlängerung fraglich

"Es gibt über 700 Spieler in der NHL und nur einen Dummkopf - das ist Trevor Gillies", sagte Ex-NHL-Profi und TV-Experte Keith Jones im Fernsehsender Versus.

Auf die erneute Entgleisung des Kufencracks reagierte die NHL mit einer Zehn-Spiele-Sperre.

Als "Killer von Cambridge" und "Gangster" wurde Gillies in einigen US-Medien bezeichnet.

Für den NHL-Experten Scott Burnside ist der 32-Jährige, dessen Vertrag beim Tabellenletzten der Atlantic Division am Saisonende ausläuft, schlicht ein Eishockeyprofi, der "momentan die gleichen Karriereaussichten wie ein Vollidiot hat".

Kanadier sieht NHL als Privileg

Gillies selbst, der sich mehr als zehn Jahre lang in unterklassigen Ligen durchschlug, sieht sich als Prügelknabe.

"Es war nicht meine Absicht, Clutterbuck zu verletzen. Ich glaube nicht, dass irgendjemand, der mich getroffen hat, etwas Schlechtes über mich sagen kann", meinte der Kanadier. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Seit seinem fünften oder sechsten Lebensjahr habe er davon geträumt, in der NHL zu spielen: "Das ist ein Privileg, eine Ehre, und ich möchte nicht, dass man mir das wegnimmt."

Letztes Jahr kam der Durchbruch

2005 feierte Gillies sein Debüt in der besten Eishockey-Liga der Welt. 160 Sekunden Eiszeit im Trikot der Anaheim Ducks standen nicht weniger als 21 Strafminuten gegenüber.

Dem Paukenschlag bei der Premiere folgte der Karriere-Knick. Erst im Januar 2010 nahmen ihn die Islanders unter Vertrag.

Beim viermaligen Stanley-Cup-Champion gelang Gillies in seiner Rolle als Enforcer der Durchbruch.

1 Tor und 220 Strafminuten

Abschreckung und Vergeltung lautet der Auftrag des im kanadischen Cambridge (Ontario) geborenen Flügelstürmers.

In bislang 48 Einsätzen in der NHL schaffte Gillies erst ein Tor und eine Vorlage. Dafür langte er bei den Strafminuten ordentlich hin, 220 sind es bis dato.

"Ich mache nicht viele Tore", sagte Gillies: "Aber ich bin stolz darauf, ein guter Mannschaftskamerad zu sein, gewissermaßen ein großer Bruder für die jüngeren Spieler."

"Schmeißt ihn aus der Liga"

Wie lange er seine Rolle bei den Islanders noch ausfüllen darf, ist derzeit völlig ungewiss.

Wenn Gillies nach Ablauf seiner Sperre am 26. März zurückkehrt, bleiben ihm noch sieben reguläre Saisonspiele, um sich für einen neuen Vertrag zu empfehlen.

Geht es nach Mike Milbury, sollte es die NHL allerdings gar nicht so weit kommen lassen.

"Dieser Typ ist kein Eishockey-Spieler", sagte der ehemalige Geschäftsführer der Islanders und frühere Verteidiger der Boston Bruins: "Schmeißt ihn so schnell wie möglich aus der Liga."

Für eine Fortsetzung seiner Karriere braucht Gillies sicher mehr als nur schlagende Argumente.

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