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Christian Ehrhoff wechselte 2009 von den San Jose Sharks zu den Vancouver Canucks © getty

Christian Ehrhoff hat beste Chancen, zweiter deutscher Stanley-Cup-Gewinner zu werden. Bei SPORT1 spricht er über die Aussichten.

Von Rainer Nachtwey

München - Uwe Krupp, der scheidende Bundestrainer, ist bislang der Einzige, der es geschafft hat.

Als deutscher Spieler die Trophäe zu gewinnen, von der jeder Eishockey-Spieler träumt. In dieser Saison aber hat einer seiner Erben beste Chancen, in seine Fußstapfen zu treten.

Eine Woche vor dem Beginn der NHL-Playoffs ist Christian Ehrhoff mit den Vancouver Canucks schon in der bestmöglichen Ausgangslage (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die President's Trophy als bestes Team der regulären Saison haben die Kanadier schon im Sack - und damit den Heimvorteil bis zum Stanley-Cup-Finale.

5:0 gegen Minnesota

Die restlichen Spiele, wie das 5:0 bei den Minnesota Wild in der vergangenen Nacht, können Ehrhoff und Co. da schon als Vorbereitung auf die größere Mission nutzen.

Im Interview mit SPORT1 spricht der 28 Jahre alte Ehrhoff über die Titel-Aussichten, ihre für die Nationalmannschaft unangenehmen Nebenwirkungen und sein Verhältnis zu den Landsmännern in der NHL.

(Auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News im TV )

SPORT1: Herr Ehrhoff, mit den Vancouver Canucks läuft es diese Saison außergewöhnlich gut. Was bedeutet Ihnen der Gewinn der President's Trophy?

Christian Ehrhoff: Es ist schon schön, den Pokal zu gewinnen und sich damit auch den Heimvorteil in den gesamten Playoffs zu sichern. Aber es bedeutet nicht so viel für uns Spieler. Das ganz klare Ziel Nummer eins ist der Stanley Cup.

SPORT1: Hätten Sie vor der Saison erwartet, dass Sie mit den Canucks so souverän vornweg marschieren würden?

Ehrhoff: Nein, dass wir die President?s Trophy uns schon so frühzeitig sichern, habe ich nicht erwartet. Ich habe schon erwartet, dass wir vorne mitspielen. Wir haben den bestbesetzten Kader.

SPORT1: Sind die Canucks jetzt der Topfavorit auf den Stanley Cup?

Ehrhoff: Wir sind sicherlich einer der Topfavoriten, aber in den Playoffs ist alles möglich. Dafür ist die Liga zu ausgeglichen. Allerdings: Mit dem starken Kader war der Stanley Cup von Beginn an unser Ziel.

SPORT1: Wen sehen Sie als die größten Konkurrenten?

Ehrhoff: Im Westen San Jose, Detroit und im Osten Boston, Philadelphia und zuletzt hat Washington auch sehr stark gespielt.

SPORT1: In der ersten Runde könnten Sie auf Meister Chicago treffen. In den letzten zwei Jahren sind die Canucks jedes Mal in der zweiten Runde an den Blackhawks gescheitert. Brennen Sie auf Revanche? Oder wäre Ihnen ein anderer Gegner in der ersten Runde lieber?

Ehrhoff: Natürlich wollen wir beweisen, dass wir Chicago schlagen können, aber wir können uns es nicht aussuchen. Und wenn wir den Stanley Cup gewinnen wollen, müssen wir denjenigen schlagen, der kommt.

SPORT1: Sie können nach Uwe Krupp der zweite Deutsche werden, der den Stanley Cup gewinnt. Eine verlockende Aussicht?

Ehrhoff: Dazu kann und möchte ich jetzt noch nichts sagen. Noch habe ich nichts gewonnen. Der Uwe ist sicherlich ein Vorbild, schließlich hat er das geschafft, was auch ich schaffen will. Natürlich wäre ich gerne der zweite Deutsche, der den Cup hoch hält.

SPORT1: Sie sind unter den Top Ten der punktbesten Verteidiger, haben bereits Ihre eigene Assists-Bestmarke übertroffen (36), bei den Toren fehlt Ihnen nur ein Treffer zum Rekord. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer eigenen Leistung?

Ehrhoff: Mit der Saison kann ich nur zufrieden sein. Ich habe mich bei den Punkten noch einmal verbessert ? und habe lange Zeit die meiste Eiszeit im Team erhalten. Auch wegen der vielen Verletzten in der Verteidigung.

SPORT1: Wie sieht es denn vor diesem Hintergrund mit Ihren Kraftreserven vor den Playoffs aus?

Ehrhoff: Ich bin noch gut im Saft. Deshalb trainierst im Sommer auch so hart, damit du zu der Zeit noch richtig fit bist.

SPORT1: Uwe Krupp bestreitet seine letzte WM als Bundestrainer. Sind Sie traurig, dass Sie die WM voraussichtlich verpassen werden?

Ehrhoff: Nein, weil das bedeutet, dass ich mit den Canucks in den Playoffs weit komme. Da bleibt dann die WM auf der Strecke. Das ist nun mal so. Und ich habe letztes Jahr die WM bestreiten können im eigenen Land. Das war eines der größten Erlebnisse in meiner Eishockey-Karriere.

SPORT1: Was trauen Sie der Mannschaft in der Slowakei zu?

Ehrhoff: Ich hoffe, dass sie es unter die Top Acht schaffen. Das wäre schon ein großer Erfolg. Dass es wieder so gut läuft wie letztes Jahr, sollte man nicht erwarten. Das wird sehr schwierig.

SPORT1: Wie ist der Kontakt zur Nationalmannschaft, zu den Trainern?

Ehrhoff: In letzter Zeit weniger. Mit Uwe habe ich das letzte Mal nach dem Deutschland Cup Mitte November gesprochen.

SPORT1: Wie sehr verfolgen Sie die Diskussion um Krupps Nachfolge als Bundestrainer?

Ehrhoff: Da bekomme ich zu wenig mit. Natürlich weiß ich, dass er aufhört. Aber mehr erfahre ich da auch nicht.

SPORT1: Wie ist der Kontakt zu den anderen Deutschen in der NHL?

Ehrhoff: Wir versuchen uns zu treffen, wenn wir bei dem jeweiligen anderen spielen. Wenn es doch nicht klappt, dann quatschen wir wenigstens nach dem Spiel. Zu Marcel Goc habe ich viel Kontakt, aber den Marco Sturm habe ich dieses Jahr leider gar nicht gesehen, weil wir nicht gegeneinander gespielt haben.

SPORT1: Gesternabend ging es gegen Minnesota. Nächstes Jahr könnte Dennis Endras bei den Wild im Kasten stehen. Kann er sich in der NHL als Stammtorhüter durchsetzten?

Ehrhoff: Ich denke schon. Er hat letztes Jahr bei der WM bewiesen, dass er auf internationalem Niveau ein Topmann ist. Er hat sich auf jeden Fall eine Chance verdient und ich drücke ihm die Daumen, dass er sie dann nutzen kann.

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