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Goali Tim Thomas ist seit 2002 bei den Boston Bruins unter Vertrag © getty

Das Finale zwischen Vancouver und Boston entwickelt sich auch zum Duell zwischen den Goalies Roberto Luongo und Tim Thomas.

München - Tim Thomas kann auf 37 Jahre Lebenserfahrung zurückblicken, doch am Samstag sah der NHL-Profi der Boston Bruins ganz schön alt aus.

Auf dem Videowürfel in der Rogers Arena in Vancouver lief noch die Pausen-Animation, da sprintete Canucks-Flügelstürmer Alex Burrows zu Beginn der Verlängerung plötzlich überfallartig auf das gegnerische Gehäuse los.

Überhastet jagte Thomas aus seinem Tor heraus, um den Gegner abzufangen, doch das erwies sich als fatale Fehlentscheidung.

Mit Bauerntrick getäuscht

Burrows nahm die Einladung an, setzte zur Körpertäuschung an und schickte Thomas ins Leere.

Noch während der Goalie verzweifelt versuchte sich aufzurappeln, musste er auf dem Bauch liegend mitansehen, wie der Puck im Netz einschlug. Bauerntrick, 3:2-Siegtreffer für Vancouver. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Thomas, einer der besten Eishockey-Torhüter der Welt, übertölpelt von einem der ältesten Tricks der Welt.

Eine "Schönheit, die sich praktisch den Gesetzen der Physik widersetzte", nannten US-Medien das Tor anerkennend. Thomas brachte es eher hässliche Kritik ein.

Zu agressiv, zu unüberlegt lautete der Vorwurf nach seiner Aktion, die Boston mit dem deutschen Nationalspieler Dennis Seidenberg in der Finalserie um den Stanley Cup mit 0:2 (Bericht) in Rücktand geraten ließ.

Thomas wehrt sich

"Ich habe eine ziemlich gute Vorstellung davon, wie man als Torwart spielen muss", wehrte sich der NHL-Routinier am Tag nach der bitteren Pleite mit einem kalten Lächeln gegen die aufkommende Kritik:

"Ich werde zu diesem Zeitpunkt keine Vor- oder Ratschläge annehmen. Ich mache einfach so weiter wie bisher." (Jetzt mitspielen: Werden Sie SPORT1 Tipp-König!)

Mit seiner Spielweise ist Bostons Schlussmann das genaue Gegenteil seines Gegenübers Roberto Luongo, der bei den Canucks Teamkollege von Christian Ehrhoff ist.

Wie Sedin-Zwillinge

Sowohl Thomas als auch Luongo gehören zu den absoluten Top-Torhütern der NHL, beide spielen eine herausragende Saison, beide sind nominiert für die Vezina Trophy, die jährlich an den besten Goalie vergeben wird.

"Statistisch gesehen scheinen sie genauso identisch zu sein wie die Sedin-Zwillinge (schwedisches Brüderpaar der Vancouver Canucks, d. Red.)", kommentierte die kanadische Tageszeitung "Vancouver Sun". (Machen Sie es wie SPORT1 und Marcel Goc: Unterstützen Sie München 2018)

Doch während der Amerikaner Thomas als einer der aggressivsten und aktivsten Goalies der NHL gilt, der an die 75 Prozent seiner Paraden außerhalb seines Torraums zeigt, steht der im kanadischen Montreal geborene Luongo für eine eher passive, konservative Spielweise.

Luongo hat Respekt

"Tim ist ein Kämpfer", sagte der 32 Jahre alte Luongo über seinen Rivalen: "Er gibt niemals auf. Um einen Schuss abzuwehren, tut er, was immer es kostet - ganz egal, mit welchem Körperteil. So jemanden muss man einfach respektieren."

Anders als Luongo aber, der bereits 1997 in die NHL kam und mit Kanada bei den Winter-Heimspielen im vergangenen Jahr gegen die USA (mit Ersatzgoalie Thomas) Gold holte, pendelte Thomas lange zwischen Farmteams, Europa und NHL hin und her.

Erst im Alter von 31 Jahren konnte er sich in der besten Eishockey-Liga der Welt durchsetzen. Dafür aber gewann er 2009 schon einmal die Vezina Trophy.

Torhüter-Schlacht - Teil 3

"Hinter dem Wahnsinn steckt Methode", sagt Thomas über seine Spielweise:

"Dadurch, dass ich den weiten Weg in die NHL nehmen musste, genieße ich die Gelegenheit, jetzt im Finale zu stehen, ganz besonders. Hier will jeder Eishockeyspieler sein, und wir wollen den Pokal nach Hause bringen."

In Spiel drei der Finalserie findet die Torhüter-Schlacht - dieses Mal in Boston (ab 2 Uhr LIVESCORES) - in der Nacht zu Dienstag ihre Fortsetzung.

Beide werden wieder unter Beschuss stehen, gewinnen wird aber nur einer.

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