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Dennis Seidenberg wechselte 2002 aus Mannheim in die NHL © getty

Der Verteidiger holt mit Boston im siebten Spiel in Vancouver den Titel und beerbt Krupp. DEB-Kollege Ehrhoff patzt doppelt.

Von Eric Böhm

München/Vancouver - Dennis Seidenberg hat als zweiter Deutscher nach Uwe Krupp den Stanley Cup errungen.

Der Nationalspieler gewann mit den Boston Bruins bei Christian Ehrhoffs Vancouver Canucks das entscheidende siebte NHL-Finale mit 4:0 (1:0,2:0,1:0) und beerbte damit den langjährigen Bundestrainer, der 1996 mit den Colorado Avalanche Meister geworden war.

Seidenberg, der mit fast 28 Minuten die meiste Eiszeit seines Teams bekam, zeigte eine überragende Leistung und steuerte auch noch zwei Vorlagen zu dem souveränen Erfolg bei (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

Recchi macht Schluss

Star-Stürmer Patrice Bergeron hatte Boston vor 18.860 Zuschauern bereits in der 15. Minute in Führung geschossen, als er einen Hauch vor Ehrhoff am Puck war und die Scheibe vom Innenpfosten ins Tor sprang.

"Wir wussten, das erste Tor wäre extrem wichtig für uns. Danach lief es rund. Das ist eines der besten Teams, in denen ich je gespielt habe", sagte Veteran Mark Recchi. Der 43-Jährige trat nach seiner dritten Meisterschaft zurück.

Zum 2:0 durch Brad Marchand (33. Minute) leistete Seidenberg die Vorarbeit, dabei sah Vancouvers Torhüter Roberto Luongo nicht gut aus. Er ließ sich von Marchands Bauerntrick überlisten.

Ehrhoff patzt

Nur fünf Minuten später waren beide DEB-Cracks direkt am 3:0 beteiligt. Der frühere Mannheimer Seidenberg lieferte in Unterzahl seinen zweiten Assist (Machen Sie es wie SPORT1 und Marcel Goc: Unterstützen Sie München 2018).

Ehrhoff verlor den Zweikampf mit Bergeron, der trotz eines Fouls des Canucks-Verteidigers Luongo mit einem Beinschuss überwand.

"Wir sind am Boden zerstört. Nach der harten Arbeit so zu scheitern, ist bitter", so der 32-Jährige, der 16 Monate zuvor an gleicher Stelle mit Kanada Olympiasieger geworden war.

Thomas MVP der Playoffs

Den Rest erledigte für die Bruins Goalie Tim Thomas. Neben seinem vierten Playoff-Shutout holte er sich auch die Conn Smythe Trophy als bester Spieler der gesamten K.o.-Runde.

Der mit 37 Jahren älteste Gewinner dieser Auszeichnung brachte die Canucks erneut zur Verzweiflung. In der stürmischen Anfangsphase der Gastgeber bissen sich vor allem die Sedin-Zwillinge immer wieder die Zähne aus.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich so weit kommen würde. Ich habe versucht, meine Angst und Nervosität so gut es geht zu verbergen. Das ist unbeschreiblich", freute sich der Routinier.

Nur einmal war Thomas machtlos, aber Kapitän Zdeno Chara vereitelte in der 29. Minute die größte Ausgleichschance durch Alexandre Burrows für seinen Keeper.

Canucks müssen weiter warten

Die Canucks verspielten eine 3:2-Führung in der Serie und müssen weiter auf den ersten Cup ihrer 41-jährigen Geschichte warten.

Bereits 1994 scheiterten sie in einem siebten Finale. Damals behielten Mark Messiers New York Rangers die Oberhand. Kanada wartet seit 1993 auf eine Meisterschaft, als die Montreal Canadiens Wayne Gretzky und seine L.A. Kings bezwangen.

Ehrhoff stand 20:42 Minuten auf dem Eis, konnte neben seinen Patzern aber auch in der Offensive keine Akzente setzen.

"Wir haben wirklich alles versucht, aber in diesem einen Spiel waren sie einfach das bessere Team", bilanzierte Vancouvers Trainer Alain Vigneault.

Boston beendet Durststrecke

In "Beantown" können sie dagegen erstmals seit 1972 wieder eine Stanley-Cup-Parade planen.

Marchand sorgte mit seinem Treffer ins leere Netz kurz vor Schluss für das Sahnehäubchen und machte den sechsten Titel des ältesten amerikanischen NHL-Teams perfekt.

"Unsere Fans haben lange darauf gewartet. Ihr wolltet ihn haben, jetzt bringen wird den Cup nach Hause", vergaß Thomas auch die Bruins-Anhänger nicht.

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