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Dennis Seidenberg spielt seit März 2010 für die Boston Bruins © getty

Bostons Nationalspieler gewinnt im deutschen Duell den Stanley Cup und wird von allen Seiten gelobt. Ehrhoffs Zukunft ist offen.

Von Eric Böhm

München/Vancouver - Es waren gerade einmal fünf Minuten gespielt, da zeigte Dennis Seidenberg seinen unschätzbaren Wert für die Boston Bruins.

Auf der größtmöglichen Bühne - im entscheidenden siebten Spiel der Stanley-Cup-Finals - warf sich der Nationalspieler in die Schussbahn von Vancouvers Superstar Henrik Sedin und verhinderte die erste Riesenchance der Partie.

Wenig später bereitete er gleich zwei Treffer vor, und die Bruins fuhren ihren ersten NHL-Titel seit 1972 (Bericht und 415320Bilder) ein.

"Traum ist wahr geworden"

Nach seinem historischen Erfolg fehlten dem zweiten deutschen Stanley-Cup-Sieger - Uwe Krupp schoss 1996 die Colorado Avalanche zum Titel - die Worte.

"Es ist definitiv ein Traum, der wahr geworden ist. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich habe es noch gar nicht realisiert und fühle mich ziemlich leer", sagte der 29-Jährige dem Fernsehsender "CSN".

Im zweifellos größten Spiel seiner Karriere zeigte Seidenberg nicht nur wegen seiner beiden Assists eine großartige Leistung (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

"Die Ausdauer eines Pferdes"

Gemeinsam mit dem hünenhaften Kapitän Zdeno Chara meldete er die hochgelobte Canucks-Offensive um die Sedin-Zwillinge über die gesamte Serie fast vollständig ab (Machen Sie es wie SPORT1 und Marcel Goc: Unterstützen Sie München 2018).

"Er hat die Ausdauer eines Pferdes. In den Playoffs spielt er mehr als jeder andere und scheint nicht müde zu werden", lobte Bostons Manager Peter Chiarelli.

Mit fast 29 Minuten war er auch in Spiel sieben wieder der Marathonmann seines Teams. Zwei Blocks und vier Hits zeugen von seiner körperbetonten Spielweise.

Krupp begeistert

Sein berühmter Vorgänger Krupp war begeistert: "Das war eine Riesenleistung. Er war maßgeblich am Erfolg der Boston Bruins beteiligt und ist derzeit einer der besten Verteidiger der NHL."

Die immense Bedeutung dieses Meilensteins wird Seidenberg wohl erst später bewusst werden.

Der scheidende Bundestrainer hat es am eigenen Leib erfahren: "Das ist ein Karrierehöhepunkt. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Darauf wird er ein Leben lang angesprochen."

Seidenberg lobt Thomas

Neben Seidenberg und Doppeltorschütze Patrice Bergeron war Playoff-MVP Tim Thomas mit seinem vierten Shutout der K.o.-Runde Bostons Matchwinner.

"Ich weiß nicht, wie oft er uns die Haut gerettet hat. Er ist ein Krieger, der niemals aufgibt", schwärmte der frühere Mannheimer.

Boston rehabilitierte sich für das bittere Aus in der letzen Saison, als ein 3:0-Vorsprung in der Viertelfinalserie gegen Philadelphia noch verspielt wurde. Seidenberg musste damals verletzt zuschauen.

"Es hat sicher zu unserem Erfolg beigetragen. Unsere Führungsspieler wie Zdeno oder Mark Recchi haben uns seitdem immer wieder angetrieben", so der Verteidiger.

Ehrhoff enttäuscht

Nationalmannschaftskollege Christian Ehrhoff erlebte dagegen mit zwei folgenschweren Patzern vor Bergerons Treffern einen schwarzen Tag.

"Die Enttäuschung ist im Moment riesengroß. Dennoch sind wir eine tolle Mannschaft. Wir haben die Chance wieder ins Finale zu kommen", bilanzierte der 28-Jährige.

Trotzdem war es für ihn Ehrensache Seidenberg zu beglückwünschen: "Ich habe Dennis beim Shakehands gratuliert."

Nach seiner Schulterverletzung aus dem Halbfinale war dem schussstarken Abwehrspieler anzumerken, dass er nicht hundertprozentig fit war, vor jedem Finale bekam er schmerzstillende Spritzen.

Zukunft noch offen

Im Gegensatz zu Seidenberg, der in Boston noch drei Jahre unter Vertrag steht, ist Ehrhoffs Zukunft noch nicht geklärt.

Sein Vertrag mit den Canucks läuft aus, aber der frühere Krefelder möchte gern in Vancouver bleiben: "Ich hoffe, wir können etwas ausarbeiten, das für beide Seiten Sinn macht."

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