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Dennis Seidenberg spielt seit 2002 in der National Hockey League © imago

Nach dem Finalsieg hofft das deutsche Eishockey auf einen Effekt auf die Sportart hierzulande. Doch realistisch ist das nicht.

München - Von Dennis Seidenbergs Triumph in der National Hockey League will kurzfristig auch das deutsche Eishockey profitieren.

An einen Boom glauben aber nicht einmal die größten Optimisten.

"Natürlich wollen wir jetzt auch ein wenig am süßen Honig saugen. Aber der allein wird uns wohl nicht satt machen", sagt Uwe Harnos, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB).

Ein langfristig spürbarer Effekt dürfte ein frommer Wunsch bleiben, dafür ist Seidenberg im Gegensatz zu Basketball-Superstar Dirk Nowitzki keine Lichtgestalt und das Marketing-Potenzial der Wintersportart hierzulande begrenzt.

Keine langfristigen Auswirkungen

"Ich würde mir einen Boom wünschen. Aber es ist natürlich schwer, wenn man sieht, wie es in Deutschland läuft. Da gibt es Fußball und dann lange nichts", sagte Seidenberg.

Auch die Verantwortlichen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sind eher skeptisch.

"An eine langfristige Auswirkung glaube ich nicht. Wichtiger ist, dass die deutsche Nationalmannschaft an ihre Erfolge anknüpft", sagt Karsten Mende, Manager der Iserlohn Roosters.

Hannover Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth meint: "Für Dennis ist das eine tolle Sache, aber die dürfen wir uns nicht an die Fahnen heften. Wir müssen unsere eigenen Baustellen bearbeiten, damit es im deutschen Eishockey weiter voran geht."

"Die ganze Eishockey-Nation stolz machen"

Stichnoth meint die stockenden und immer wieder mit Zoff begleiteten Verhandlungen zwischen DEB und DEL über einen neuen Kooperationsvertrag.

Der künftige Bundestrainer Jakob Kölliker hofft, dass sich durch Seidenbergs Triumph mit den Boston Bruins gegen Nationalmannschafts-Kollege Christian Ehrhoff und die Vancouver Canucks die verhärteten Fronten ein wenig aufweichen (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

"Ein NHL-Finale mit zwei deutschen Spielern sollte die ganze Eishockey-Nation stolz machen. Es ist eine gute Möglichkeit, sich einander wieder anzunähern", sagt der Schweizer, der ab dem 1. Juli die Nachfolge von Uwe Krupp, dem zuvor einzigen deutschen Stanley-Cup-Sieger, antreten wird.

"Eishockey produziert keine Superstars"

Fakt ist: Das deutsche Eishockey schreibt mit Seidenbergs Finalsieg positive Schlagzeilen, die aber hierzulande wesentlich kleiner ausfallen als nach dem NBA-Triumph von Nowitzki.

"Dirk hat es verstanden, immer wieder den deutschen Basketball in seine Erfolge zu integrieren", erklärt Stichnoth diese Diskrepanz.

[kaltura id="0_j68iuei0" class="full_size" title="Kölliker folgt auf Krupp"]

Zudem sei es im Eishockey schwieriger, die Sportart über Einzelpersonen zu vermarkten: "Das Eishockey produziert keine Superstars. Wo waren denn Alexander Owetschkin und Sidney Crosby, als es im Finale um den Titel ging?"

Kaum im TV zu sehen

Die TV-Situation kommt erschwerend hinzu.

Die Stars der DEL sind fast nur eingefleischten Eishockey-Fans bekannt, viele Sportinteressierte gucken angesichts des DEL-Fernsehvertrages mit dem Pay-TV-Sender "Sky" in die Röhre, auch weil andere Sender die Zweitverwertungsrechte kaum nutzen.

"Die DEL hat anders als viele andere Ligen einen TV-Vertrag, der Geld bringt. Doch der Rattenschwanz ist, dass die Bilder am breiten Publikum vorbeigehen und dadurch das Marketingpotenzial begrenzt ist", erklärt Simon Papendorf von Sport+Markt.

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