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Christian Ehrhoff wurde 2003 mit den Krefeld Pinguinen Deutscher Meister © getty

Nach gescheiterten Verhandlungen ist der Nationalspieler auf der Suche nach einem neuen Klub. Ein Trio kämpft um den NHL-Verbleib.

Von Rainer Nachtwey

München/New York - Müsste Christian Ehrhoff den Weg tatsächlich zurücklegen, würde er wohl gar nicht hinterherkommen.

Innerhalb von 24 Stunden wechselte das Recht, mit ihm zu verhandeln, gleich dreimal den Besitzer.

Und legte metaphorisch gesehen knapp 5500 Kilometer in dieser Zeit von Vancouver nach New York und nun Buffalo zurück.

Er selbst verfolgt seinen Weg von Zuhause in Deutschland aus. Der letzte Deal überraschte ihn im Schlaf, er erfuhr davon laut Agent Richard Curran erst am Morgen.

"Er weiß noch nichts davon", sagte sein Berater, als er nach dem erneuten Wechsel von New York zu den Buffalo Sabres von der "Associted Press" kontaktiert wurde.

Zu hohe Gehaltsvorstellungen

Nach gescheiterten Verhandlungen mit seinem letztjährigen Klub Vancouver Canucks (Bericht) und den Islanders (Bericht) sicherte sich nun also der Jochen-Hecht-Klub das Exklusiv-Recht, einen Kontrakt mit dem deutschen Nationalspieler auszuarbeiten.

Zweimal hatten es die General Manager der Canucks und Islanders versucht - vergeblich. Beides Mal soll es nach Angaben der GMs aufgrund Ehrhoffs Gehaltsvorstellungen zu keiner Einigung gekommen sein.

Ehrhoff zu raffgierig?

Statistisch unter den Top 7

Wohl kaum, wenn man die Summen in Bezug setzt, die Spieler seiner Klasse in der NHL verdienen.

So schlug er laut Angaben von "Newsday" Vancouvers Angebot über fünf Jahre und 23 Millionen Dollar aus, dasselbe, dass die Kanadier Ehrhoffs Teamkollegen Kevin Bieksa unterbreitet hatten.

Bieksa brachte es in der vergangenen Saison in 66 Spielen auf 22 Scorerpunkte, Ehrhoff hingegen setzte mit 50 Zählern in 79 Spielen eine persönliche Bestmarke, belegte unter allen NHL-Verteidigern Platz 7 in der Statistik.

Spieler wie Dan Boyle, Brent Seabrook, Dustin Byfuglien, Shea Weber und Brian Rafalski, die ähnliche Zahlen in der Vorsaison aufwiesen, kassierten zwischen 4,5 (Weber, dessen Vertrag ausläuft) und 6,7 Millionen Dollar (Boyle).

Islanders bieten nur Geld

Das Angebot der Islanders soll sich laut General Manager Garth Snow "weit nördlich" der 23 Millionen befunden haben. "Ohne genaue Zahlen zu nennen - wir haben ihm ein erhebliches Angebot vorgelegt", sagte der ehemalige Torwart.

Bei den Islanders dürfte Ehrhoff statt des Geldes die eher schwachen sportlichen Aussichten abgeschreckt haben - vom Topfavorit auf den Titelgewinn zu einer zwar hoffnungsvollen aber noch weit zurückhängenden Nachwuchstruppe.

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Zahltag in Buffalo?

Die Aussichten, dass Ehrhoff in Buffalo an der Seite von Hecht auflaufen wird, sind durchaus gegeben. Der neue Besitzer Terry Pegula will nach zweimaligem Ausscheiden in der ersten Playoff-Runde in den Kader investieren.

TV-Experte Bob McKenzie sieht die Sabres als "Big Player" , den großen Einkäufer auf dem Free-Agent-Markt.

Demnach ist es durchaus denkbar, dass Ehrhoff bereits vor dem Start der Transferperiode am Freitag 12 Uhr Eastern Time (18 Uhr deutscher Zeit) einen neuen Klub findet.

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Aber nicht nur Ehrhoff, auch vier DEB-Kollegen stehen vor einer ungewissen Zukunft. SPORT1 gibt einen Überblick:

Marcel Goc:

Durch seine schwere Schulter-Verletzung Ende Februar sank Goc' Verhandlungsbasis in den Keller. Coach Barry Trotz lobte den Center während der Saison zwar über den grünen Klee, doch die Predators setzen mit der Vertragsverlängerung von Starverteidiger Shea Weber andere Prioritäten.

Laut Goc' Agent Scott Greenspun soll es mit General Manager David Poile lose Gespräche gegeben haben, aber auch die Chicago Blackhawks zeigen am 27-Jährigen wohl Interesse.

Marco Sturm:

Nach seinem verspäteten Start in die Saison aufgrund einer Knieverletzung kam der Flügelstürmer nie richtig in Tritt. Von Boston führte ihn sein Weg über Los Angeles nach Washington.

Aber auch bei seiner dritten Station der Saison wusste der deutsche Routinier nicht entscheidend zu überzeugen. Coach Bruce Bodreau sprach vor den Playoffs über Sturm zwar von "einem, auf den ich zählen kann", ob er nach der Vertragsverlängerung von Brooks Laich noch ins Gehaltsfüge der Capitals passt, ist fraglich.

Zwar ist die Gehaltsobergrenze im Vergleich zur Vorsaison um fast fünf Millionen Dollar auf 64,1 Millionen Dollar erhöht worden, Sturm wird jedoch Einbußen bei seinem Jahresgehalt von 3,5 Millionen hinnehmen müssen.

Alexander Sulzer:

Einen neuen Arbeitgeber muss sich definitiv Alexander Sulzer suchen. Sein vormaliger Klub Florida Panthers entschied sich seinen Kontrakt nicht zu verlängern. Damit spart sich die Franchise aus Miami ihr Siebtrunden-Draftrecht von 2012.

Thomas Greiss

Ein Verbleib des Keepers in San Jose wäre eine große Überraschung. Bereits in der vergangenen Saison einigten sich die Sharks mit Brynäs IF auf eine Ausleihe in die schwedische erste Liga.

Zwar fehlt San Jose hinter Antti Niemi ein Backup - auch der Vertrag des etatmäßigen Ersatzkeepers Antero Niittymäki läuft aus -, mit Alex Stalock haben die Sharks aber mit einem Torwart von Nummer 3 Status bereits verlängert.

Die Hamburg Freezers bemühten sich bereits um Greiss' Dienste, erhielten aber vor Beginn der Free-Agent-Phase eine Absage.

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