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Marco Sturm spielte in der NHL für die San Jose Sharks, Boston Bruins, Los Angeles Kings und Washington Capitals © imago

Statt drohendem NHL-Aus beste Titelaussichten: Für Sturm und Sulzer endet die Phase als Free Agent mit einem Traumergebnis.

Von Rainer Nachtwey

München/Vancouver - "Die Canucks sind immer noch das beste Team der Liga": Aus Marco Sturm spricht nicht allein die Euphorie nach der Vertragsunterschrift, als er dies sagt.

Marco Sturm muss es wissen. Schließlich hat er fünf Jahre in Boston verbracht, beim aktuellen Champion.

Nur die letzte Saison spielte er bei den Bruins nicht zu Ende, verpasste so den Stanley-Cup-Triumph. Boston kristallisierte sich als bestes Team der Saison 2010/11 heraus, nur Sturm sieht das anders (419891DIASHOW: Bostons heiße Meisterfeier).

Vielmehr ist der Dingolfinger überzeugt, nun beim Maß der NHL-Dinge gelandet zu sein, auch wenn es in der abgelaufenen Spielzeit knapp nicht zum Titelgewinn reichte.

Fünfter Klub im 13. NHL-Jahr

"Für mich gab es kein Überlegen", sagt der neue Stürmer der Vancouver Canucks zum Vertragsangebot seines neuen Arbeitgebers.

Mit diesem Enthusiasmus will der 32 Jahre alte Flügelstürmer alle Zweifel beseitigen, die ihm bei seiner fünften NHL-Station im 13. Jahr entgegengebracht werden.

Denn der Aufschrei in der Eishockey-verrückten Olympiastadt von 2010 war groß, als die Canucks den Deal bekanntgaben, der Sturm 2,25 Millionen Dollar im nächsten Jahr einbringt. (BERICHT: Empfangen wie ein griechisches Wertpapier)

Zu frühe Rückkehr aufs Eis

Zu alt, zu verletzungsanfällig, nicht mehr der Sturm vor seinen zwei Kreuzbandrissen - die Kritik war vielfältig und allein auf die Statistiken der letzten Saison bezogen auch berechtigt.

Fünf Tore in 37 Spielen sind von einem siebenmaligen 20-Tore-Stürmer nicht die erhoffte Ausbeute.

"Ich bin ein bisschen zu früh zurückgekehrt. Ich habe das an meinem Speed gemerkt. Mir hat es noch an Kraft gefehlt", begründet Sturm sein schwaches Abschneiden.

An alte Stärke anknüpfen

Nun will er im Südwesten Kanadas einen Neuanfang starten und seine Kritiker widerlegen, die ihm nach dem verletzungsbedingten Scheitern in Los Angeles und Washington kein neues Engagement in der NHL zugetraut hatten.

"Es waren zwei harte Jahre. Jetzt möchte ich mir selbst und allen anderen beweisen, dass ich wieder spielen kann."

Allen anderen, damit dürfte Sturm insbesondere die Canucks-Fans meinen. Ihnen will er beweisen, dass er seinen Torriecher-Instinkt nicht eingebüßt hat. "Solange ich gesund bin, bin ich überzeugt, dass ich der Mannschaft helfen und jede Menge Tore schießen kann."

Profiteur von verletztem Mitspieler

Nicht nur Sturm selbst, auch die Verantwortlichen im Klub glauben an ihn. "Jetzt müsste er sich von der Verletzung komplett erholt haben. Bereits zum Ende der Saison hat er sich verbessert gezeigt", sagt Manager Mike Gillis. "Er spielt direkt, geht dorthin, wo es wehtut."

Attribute, die in Vancouver ankommen und ihm nach dem verletzungsbedingten Fehlen von Mason Raymond voraussichtlich zu Saisonstart einen Platz in der zweiten Angriffsformation einbringt.

Sturm wird sich dort wiederfinden, wo er sich sieht: "Mein Knie fühlt sich gut an, wenn es dabei bleibt, gehöre ich immer noch zu den Top Sechs."

Gillis baut auf Sulzer

In die Top Sechs - allerdings der Verteidiger - will auch Alexander Sulzer aufrücken. Sturms neuer Teamkollege, der sich den Canucks ebenfalls für ein Jahr anschloss, findet trotz des Abgangs von Christian Ehrhoff viel Konkurrenz vor.

"Wir sind froh, dass sich Alex für uns entschieden hat", sagt Gillis. "Mit ihm sind wir in der Verteidigung noch breiter aufgestellt. Er hat gute Aussichten, den Sprung ins Team zu schaffen."

Von den Panthers verschmäht

Allerdings unterschrieb Sulzer einen Zwei-Wege-Vertrag, mit dem ihn die Canucks zu deutlich abgeschwächten Konditionen (105.000 statt 700.000 Dollar Jahresgehalt) ins Farmteam zu den Chicago Wolves schicken können.

Wie bei Sturm stand auch beim 27 Jahre alten Verteidiger ein Fragezeichen hinter einem weiteren Engagement in der besten Eishockeyliga der Welt, nachdem die Florida Panthers von einer Weiterverpflichtung absahen, um sich ihr Siebtrunden-Draftrecht zu sparen, das im Fall der Fälle nach Nashville gegangen wäre.

Greiss bliebt Sharks treu

Ebenfalls recht überraschend war die Vertragsverlängerung von Thomas Greiss in San Jose. Nachdem der Keeper vor Saisonbeginn zwischenzeitlich als neue Nummer eins und Nachfolger von Jewgeni Nabokow gehandelt worden war, hatten die Sharks ihm Antti Niemi und Antero Niittymäki vor die Nase gesetzt.

Nach einigen Unstimmigkeiten und der Abschiebung nach Schweden zu Byrnäs IF erhielt der 25 Jahre alte Füssener nun einen neuen Kontrakt über zwei Jahre.

Im ersten Jahr drohen der Nummer drei der Sharks wie Sulzer Einsätze im Farmteam in Worcester.

Trade-Gerüchte um San Joses Nummer zwei

In Greiss' Kontrakt ist für die Saison 2011/12 eine Zwei-Wege-Klausel verankert, die ihm in der AHL 105.000 Dollar Gehalt anstelle von 550.000 Dollar beschert, und Niittymäkis Vertrag endet erst mit Ablauf der Saison.

Allerdings halten sich um die etatmäßige Nummer zwei und sein Zwei-Millionen-Dollar-Gehalt Wechsel-Gerüchte, ein Neuanfang in Kalifornien nach seinem Schweden-Abstecher könnte sogar mit einer Beförderung zur Nummer zwei einhergehen.

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