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Schach statt Eishockey: Das Spiel der Flyers gegen Tampa Bay sorgt für Wirbel © getty

Seit einer Partie "Eis-Schach" tobt in der NHL eine hitzige Diskussion. Beteiligte befürchten sogar den Tod des Eishockeys.

München/Tampa - Wie ein kleines Kind vor dem noch nicht freigegebenen Gabentisch kreuzte Martin St. Louis vor dem gegnerischen Drittel.

Jenseits der blauen Linie lockten die Verteidiger der Philadelphia Flyers mit dem Puck.

Nur wenige Meter war das Objekt der Begierde vom Stürmer der Tampa Bay Lightning entfernt, es ruhte scheinbar unbeachtet am Schläger von Philadelphias Braydon Coburn. Aber St. Louis hielt eisern seine Position. Er griff nicht an.

Die gegnerischen Verteidiger bewegten sich allerdings auch nicht - allesamt setzten sie sich gegenseitig matt.

Wie viel Taktik verträgt die NHL?

Es war ein denkwürdiges Spiel in der NHL , der besten Eishockey-Liga der Welt: Wo sonst die Hartgummischeibe und gerne auch mal Fäuste fliegen, ging nichts mehr.

Kein Spektakel, keine Show - Stillstand auf dem Eis. Vielen Nordamerikanern blieb da der obligatorische Hotdog im Halse stecken, und seitdem fragen sich alle: Wie viel Taktik verträgt die NHL? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

"Würden Sie Geld bezahlen, um das zu sehen? Ich nicht. Und das war auch noch ein Live-Spiel im Fernsehen, da soll das Produkt präsentiert werden", polterte Philadelphias Kapitän Chris Pronger nach der 1:2-Niederlage nach Verlängerung in Tampa.

"Ich glaube zwar nicht, dass wir das täglich sehen werden, aber wenn doch, wäre es ein Problem. Wir sind im Unterhaltungsgeschäft", ergänzte Brian Burke, Geschäftsführer der Toronto Maple Leafs.

Flyers und Tampa treiben Taktik-Spielchen auf die Spitze

Auslöser von "Trap Gate" war das, was im ersten Drittel der Partie in Tampa passierte, genauer gesagt: nicht passierte.

Während sich Tampa getreu seines defensiven 1-3-1-Spielsystems nach Scheibenverlusten immer wieder ins neutrale Drittel zurückzog und auf Konter lauerte, entschieden die Flyers, die Sache auszusitzen und nicht in Tampas Falle (englisch "Trap") zu tappen.

Das Ergebnis waren gleich mehrere Pattsituationen. Die Flyers-Verteidiger schoben sich stumpfsinnig den Puck vor dem eigenen Tor hin und her, irgendwann stellten sie auch das ein.

Und Tampa? Schaute nur zu. Dem ungewöhnlichen Treiben setzten schließlich die Schiedsrichter ein Ende, sie entschieden wegen Philadelphias (!) Spielverzögerung auf Bully im Drittel der Flyers.

"Todesfalle für das Eishockey"

"Todesfalle für das Eishockey", nannte die kanadische Tageszeitung "The Globe and Mail" Tampas "Nonsense".

Der schwedische Stürmer Henrik Zetterberg von den Detroit Red Wings fand Philadelphias Zögern "urkomisch", warnte aber: "So haben wir in Schweden vor, ich glaube, zehn Jahren gespielt. Wir haben uns strikt an das 1-3-1 gehalten, und das Spiel wurde richtig, richtig langweilig."

Tampas destruktive Spielweise ist keinesfalls neu - wohl aber die konsequente Verweigerungshaltung eines Gegners. "Tampa sitzt da rum und ruft dem Gegner zu: Kommt rüber, kommt rüber", kritisierte Ex-NHL-Trainer Mark Crawford Tampas Treiben im kanadischen TV-Sender "TSN":

"Das ist eine Sache, die dem Eishockey richtig wehtun könnte. Die Fans wollen ein solches System, in dem nichts passiert, nicht sehen. Das muss die Liga unbedingt ansprechen."

"Ich werde bezahlt, um zu gewinnen"

Das tat die NHL auch, mehr aber nicht. Man wolle die Sache "beobachten, daran arbeiten und im März weiter darüber reden", teilte Colin Campbell, Spielausschussvorsitzender der NHL, in dieser Woche mit.

Tampas Verantwortlichen ist das alles ziemlich egal. Erlaubt ist, was Siege bringt.

Durch den 2:1-Erfolg über Titelanwärter Philadelphia um den tschechischen Altstar Jaromir Jagr fühlte sich der Vorjahres-Halbfinalist mehr als bestätigt.

"Es ist mir völlig wurscht, was die Leute sagen. Ich werde bezahlt, um zu gewinnen. Und unser Stadion ist voll", stellte Lightning-Trainer Guy Boucher unmissverständlich klar: "Wir spielen genauso wie im Vorjahr, und wir werden auch weiterhin so spielen."

Die Taktik geht allerdings nicht immer auf. In den beiden Spielen nach dem Eis-Schach setzte es zwei Klatschen (0:3 und 2:5) für Tampa.

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