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Marco Sturm begann seine NHL-Karriere 1997 in San Jose © getty

Bei SPORT1 spricht Marco Sturm über sein unfreiwilliges Dasein als Wandervogel und die Auswirkungen des NBA-Lockouts auf die NHL.

Von Rainer Nachtwey

München/Miami - Marco Sturm fällt das Reden etwas schwer.

Allerdings nicht, weil er nach dem vierten Trade innerhalb eines Jahres verstimmt ist. In Florida hat er einen neuen Klub gefunden, bei dem sich der deutsche Nationalstürmer wohlfühlt.

Vielmehr liegt es daran, dass ihm seit Kurzem zwei Zähne fehlen.

"Tut mir leid, dass man mich so schlecht versteht", entschuldigt sich Sturm bei SPORT1, "aber ich habe gegen St. Louis zwei Zähne verloren." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Der Wechsel von Vancouver zu den Florida Panthers scheint viel mehr eine Erlösung gewesen zu sein. "Ich habe gewusst, dass etwas läuft", erinnert sich Sturm an die ungewisse Zeit in Vancouver, als er aus dem Kader genommen und anschließend zu den Panthers transferiert wurde. "Eine Woche später war es dann endlich soweit."

Im Interview mit SPORT1 spricht Marco Sturm über die Situation als Wandervogel, wie sich der NBA-Lockout auf die NHL auswirkt, den Winter in Florida und über das Nationalteam.

SPORT1: Herr Sturm, Sie spielen jetzt seit einem Monat bei den Florida Panthers. Haben Sie sich in Miami schon ein wenig eingelebt?

Marco Sturm: Noch nicht ganz. Wir wohnen noch im Hotel. In den kommenden Tagen beziehen wir unser neues Haus. Dann hoffe ich, dass es für uns in Florida etwas heimischer wird.

SPORT1: Fünf Klubs, vier Wechsel innerhalb eines Jahres. Jedesmal von Küste zu Küste, von Boston nach Los Angeles, weiter nach Washington, nach Vancouver und nun nach Miami. Was für Spuren hinterlässt so ein Jahr?

Sturm: Es war schon hart. Ein-, zweimal geht es noch, aber wenn du immer nur kurz für ein Team spielst, ist das nicht einfach. Viele vergessen, dass es nicht nur mich, sondern die ganze Familie betrifft. Die Kinder sind in die Schule gekommen, da war schon alles vorbereitet und jetzt kam wieder der Wechsel.

SPORT1: Wurden Sie frühzeitig über den bevorstehenden Wechsel informiert?

Sturm: Es hat sich angedeutet. Nach dem dritten, vierten Spiel, bin ich aus dem Kader genommen worden. Ein Grund wurde mir nicht gesagt. Allerdings bin ich schon so lange im Geschäft, dass ich gewusst habe, dass etwas läuft. Natürlich war ich überrascht, dass es so früh in der Saison war, aber die Canucks wollten unbedingt David Booth haben, und Florida mich.

SPORT1: Müsste die NHL die Spieler mehr schützen und eine Begrenzung für Trades einführen?

Sturm: Ich denke, dass es bei mir schon eine Ausnahme war, so oft getradet zu werden. In der Hinsicht bin ich wahrscheinlich Spitzenreiter. Sicherlich ist das nicht das Leichteste, aber es gibt Schlimmeres. Beim Football zum Beispiel sind die Verträge nicht garantiert. Die Trades gehören nun mal dazu. So läuft das Geschäft. Dennoch hoffe ich natürlich, dass es das für die nächste Zeit erstmal war und ich nun länger für Florida spielen kann.

SPORT1: Momentan herrscht in der NBA der Lockout. Verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung? Vor ein paar Jahren gab es schließlich eine ähnliche Situation in der NHL.

Sturm: Ein bisschen schon. Bisher sind beide Parteien ziemlich stur. Dennoch hoffe ich, dass sie sich bald einigen. Ein Spiel der Heat würde ich mir sehr gerne anschauen.

SPORT1: Der Tarifvertrag zwischen Liga, Spielern und Besitzern läuft auch bei der NHL aus. Was bedeutet der NBA-Lockout für die NHL?

Sturm: Sicherlich beeinflusst das die anstehenden Verhandlungen. Deshalb würde eine Einigung in der NBA sicher weiterhelfen. Aber wirklich ins Detail kann ich nicht gehen.

SPORT1: Zurück zu den Panthers: Fühlen Sie sich gut aufgenommen?

Sturm: Ich bin sehr gut aufgenommen worden, Mitspieler und Trainer sind wirklich super. Natürlich war es hilfreich, dass mit Marcel Goc schon ein deutscher Spieler da war, den ich kenne.

SPORT1: Welche Ziele haben Sie mit ihrer neuen Mannschaft?

Sturm: Unser Ziel sind natürlich die Playoffs, die Florida seit vielen Jahren nicht mehr erreicht hat.

SPORT1: Als Folge kam es bei den Panthers im Sommer zu einem extremen Umbruch, viele neue Spieler stießen hinzu. Wurde dabei die richtige Mischung aus jung und alt gefunden?

Sturm: Auf jeden Fall. Wir haben uns gut verstärkt. Ich wurde verpflichtet, weil ich ein erfahrener Spieler bin und den Jungen weiterhelfen kann. Man merkt, dass sich alte und junge Spieler verstehen.

SPORT1: Sie haben anfangs mit Marcel Goc in einer Reihe gespielt. Er war bei Ihrem ersten Tor für Florida der erste Gratulant. Plant der Trainer mit Ihnen beiden in einer Reihe?

Sturm: Momentan haben wir aber einige Verletzte, darunter auch Marcel. Deswegen weiß ich es nicht. Im Moment bekomme ich viel Eiszeit. Ich kann mich nicht beschweren und versuche, hier in Florida immer mehr Fuß zu fassen und mein Bestes zu geben.

SPORT1: Boston und Vancouver sind Eishockey-verrückte Städte. Da ist es draußen Winter und kalt, in Florida heißt es jetzt Sunshine-State und Glitzerwelt Miami?

Sturm: Es ist schon etwas anderes. Ich gehe jeden Tag mit Flip-Flops und kurzen Hosen ins Eisstadion. Daran muss ich mich schon erst einmal gewöhnen, aber insgesamt ist dieses schöne Wetter natürlich schon angenehm.

SPORT1: Und Fans und Medienandrang? Welche Unterschiede gibt es zwischen Miami und Boston oder Vancouver?

Sturm: Die Fans sind großartig. Es ist immer gut Stimmung. Gegen die großen Gegner ist meist noch mehr los. Von der öffentlichen Aufmerksamkeit und den Medien ist das nicht ganz so wahnsinnig wie in anderen Städten. Man kann sich hier ganz frei bewegen, keiner kennt einen. Das war in Boston oder Vancouver nicht der Fall.

SPORT1: Kommen wir zur Nationalmannschaft. Haben Sie den Deutschland-Cup verfolgt?

Sturm: Nur ein bisschen, aber nicht wirklich ausführlich. Mein Schwager hat mich weitestgehend informiert. Auch mit Bundestrainer Jakob Kölliker habe ich mich vor Kurzem in St. Louis unterhalten.

SPORT1: Ging es in dem Gespräch mit Kölliker auch schon um Ihre Zukunft?

Sturm: Nein, wir haben nur ein paar Minuten gesprochen. Das war nach dem Spiel, bei dem ich meine Zähne verloren habe. Deshalb hatte ich nicht wirklich Zeit.

SPORT1: Würden Sie bei der WM für Deutschland spielen, wenn Florida die Playoffs verpasst?

Sturm: Das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Nach meiner schlimmen Verletzung im letzten Jahr (Kreuzbandriss im April 2010, Anm. d. Red.) wollte ich mir erstmal eine Auszeit nehmen und wieder richtig gesund werden. Ob ich die WM spiele, werde ich wohl kurzfristig entscheiden.

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