vergrößernverkleinern
Christian Ehrhoff (l.) stand 2011 mit den Vancouver Canucks in der Finalserie © getty

Der Wechsel nach Buffalo macht sich für den Nationalspieler noch nicht bezahlt. Die mitfavorisierte Truppe steht im Niemandsland.

München - An den weltberühmten Niagarafällen war Christian Ehrhoff natürlich schon.

Man könnte spöttisch anmerken, dass dort sein Traum vom Stanley-Cup-Triumph zunächst einmal den Bach runtergegangen ist (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

40 Millionen Dollar über zehn Jahre ließen sich die Buffalo Sabres im Sommer die Dienste des deutschen Nationalspielers kosten. Am Eriesee ist man dank des steinreichen Klubbesitzers Terry Pegula wieder flüssig.

Sportlich läuft's allerdings trotz des furiosen 6:0 gegen Dennis Seidenbergs Boston Bruins (Bericht) weniger gut, den Sabres schwimmen in der NHL langsam die Felle davon. Das rettende Ufer? Momentan nicht in Sicht.

"Natürlich ist es bislang nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich hatte erwartet, dass wir weiter oben mitspielen würden", sagte Ehrhoff: "Wir sind über den bisherigen Saisonverlauf enttäuscht. Wir haben uns ein Loch gegraben, aus dem wir versuchen müssen, wieder rauszukommen. Das ist eine harte Aufgabe."

Buffalo mit großem Rückstand

Nach etwas mehr als der Hälfte der regulären Saison liegen die immer wieder von Verletzungen geplagten Sabres in der Eastern Conference nur auf dem zwölften Rang, der Rückstand auf den letzten Playoff-Platz beträgt bereits neun Punkte.

Dennoch will Ehrhoff, der im Vorjahr mit Vancouver erst in der Finalserie scheiterte, den Traum vom Stanley-Cup-Triumph auch in dieser Saison noch nicht begraben.

"Das Ziel steht natürlich noch. Im Moment ist das in weiter Ferne, aber selbst in dieser Saison ist noch alles drin", sagt der frühere Krefelder DEL-Profi: Die Qualität ist auf jeden Fall im Kader vorhanden, um die Playoffs zu erreichen. Und wenn wir die erreichen, dann ist alles möglich."

Fight wirft ihn zurück

Wie der Rest des Teams blieb auch der 29-jährige Ehrhoff bislang hinter den Erwartungen zurück. Krachen ließ er es in dieser Saison dennoch schon - pünktlich zum Jahresausklang im Auswärtsspiel bei den Washington Capitals.

Nach der Box-Einlage mit Washingtons Troy Brouwer einen Tag vor Silvester fiel Ehrhoff zwar mit einem Rippenbruch wochenlang aus, aber "ich glaube, die Verletzung ist vor dem Kampf passiert", sagt Ehrhoff:

"Für mich war das natürlich schlecht, das war schlechtes Timing, weil es gerade zu der Zeit der super-schlechten Serie von zwölf Auswärtsniederlagen passiert ist."

Schlechtes Timing

Die ausgeglichene Schlägerei dürfte ihm aber Respekt im Team eingebracht haben, die Sabres erwarten hin und wieder derartiges Säbelrasseln von ihrem Führungsspieler. Aber Ehrhoff kann auch anders.

"Als ich verletzt war, hat das Team leider diese Serie der Auswärtsniederlagen hingelegt. Da war die Stimmung schon am Tiefpunkt", erklärt der Familienvater.

"Einen Tag vor meinem Comeback habe ich versucht, dem Team Selbstbewusstsein zu geben. Da habe ich den ein oder anderen Witz gerissen, damit die Jungs ein bisschen lockerer werden."

Wechsel nicht bereut

Zu solchen Psychotricks musste er bei den Canucks eher selten greifen. Dennoch trauert er dem nicht ganz freiwilligen Abschied aus der Olympiastadt am Pazifik nicht nach.

Das Leben im eher beschaulichen Buffalo an der kanadisch-amerikanischen Grenze sei mit Vancouver nicht zu vergleichen, habe aber einen riesigen Vorteil. "Der Reisestress ist minimal", erklärt Ehrhoff.

Denn ein Großteil der NHL-Teams ist im Osten der USA und Kanadas beheimatet, der Wiege der NHL.

Hecht hilft bei Eingewöhnung

Die so gewonnene Zeit widmet Ehrhoff vor allem seiner Frau Farina und den Töchtern Lena und Milla.

Abseits des Trainings und der Spiele verbringe er kaum Zeit mit seinen Teamkollegen, beim Einleben in der neuen Heimat sei ihm aber Mitspieler Jochen Hecht, der bereits seit 2002 für die Sabres spielt, eine "gute Hilfe" gewesen.

Ehrhoff bleibt optimistisch

Um seinen Traum vom Stanley-Cup-Triumph zu verwirklichen, vertraut Ehrhoff aber eher auf Teambesitzer Pegula.

Der Öl-Milliardär versprach den Fans bei der Übernahme des zweimaligen Vizemeisters im Februar 2011 den Titel. Laut Ehrhoff sind das nicht nur leere Versprechungen, und deshalb mache er sich auch trotz der momentan Schwierigkeiten "nicht so große Sorgen".

Und wenn's dieses Jahr nicht klappt, bleiben Ehrhoff ja auch noch neun weitere Jahre in Buffalo.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel