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Der NHL droht nach 1994/1995 und 2004/2005 der dritte Lockout ihrer Geschichte © imago

Liga und Spieler brechen die Tarifverhandlungen ab. Die Fronten sind verhärtet, der Albtraum von 2004 droht sich zu wiederholen.

Von Raphael Weber

München - Leere Hallen und ausgesperrte Spieler, Stille statt Spektakel ? den NHL-Fans droht nach dem Debakel von 2004 erneut die real gewordene Horrorvision: der Lockout.

Der schlimmste Fall scheint kaum noch abwendbar, nachdem die Verhandlungen zwischen Liga und Spielergewerkschaft abgebrochen wurden.

Nicht einmal ein neuer Verhandlungstermin wurde angesetzt.

Dabei drängt die Zeit: Am 15. September läuft der aktuelle Tarifvertrag aus, dann werden die Teambesitzer wie angekündigt reagieren und ihre Spieler aussperren ? der Super-GAU für die Fans.

Verhandlungen abgebrochen

Nach tagelangen Verhandlungen haben beide Seiten einen Stillstand erreicht, können sich in zentralen wirtschaftlichen Fragen nicht einigen. Liga und Gewerkschaft sind sich nicht einmal einig, wer die Verhandlungen abgebrochen hat, wie "ESPN" berichtet.

Donald Fehr, der Geschäftsführer der Spieler-Vertretung NHLPA, schiebt den Teameignern den Schwarzen Peter zu. Diese hätten beschlossen, die Verhandlungen zu vertagen.

Diesen Vorwurf ließ die Liga nicht auf sich sitzen, "Das ist eine unfaire und falsche Darstellung", stellt NHL-Comissioner Gary Bettman klar.

Liga fordert deutliche Abstriche beim Gehalt

Abgebrochen wurden die Verhandlungen nach der Reaktion der NHLPA auf das letzte Angebot der Liga, in welchem die Klubbosse den Spielern Zugeständnisse gemacht haben sollen. Wie umfassend dieses tatsächliche waren, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Im Kern blieb es aber bei der Forderung der Liga: Die Spieler sollen beim Einkommen Abstriche machen, und zwar deutliche.

Statt 57 soll der Anteil der Spielergehälter am Gesamteinkommen nur noch 46 Prozent ausmachen - trotz Rekordeinnahmen von 3,3 Milliarden Dollar in der vergangenen Saison. Zu Beginn hatte die Liga nur 43 Prozent angeboten.

Der Vorwurf der Gewerkschaft: Die Liga will sparen, aber auf Kosten der Spieler.

Gegenangebot abgeschmettert

Als Gegenangebot schlug die Spielergewerkschaft vor, drei Jahre lang auf einen Teil der Gewinnbeteiligung zu verzichten (zwischen 465 und 800 Millionen Dollar über die drei Jahre).

Auch im vierten Jahr würden die Profis unter 57 Prozent bleiben, wenn die Klubbosse ihre Einnahmen mit finanziell angeschlagenen Vereinen teilen würden. Das lehnte die Liga aber nun ohne weitere Gesprächsbereitschaft ab.

Die Einkommens-Teilung nannte Bettman gar ein "Ablenkungsmanöver". Er erklärt, die Spieler hatten sich im Grunde nicht bewegt und die wirtschaftlichen Kernfragen gar nicht diskutieren wollen.

Gewerkschaftsboss Fehr sieht im Angebot der NHLPA dagegen ein großes Entgegenkommen der Spieler, um eine Einigung zu erzielen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Dass die Liga am 11. Oktober tatsächlich regulär den Spielbetrieb aufnimmt, daran glaubt eigentlich keiner der Beteiligten mehr.

Die Liga habe klargemacht, erklärt NHLPA-Boss Fehr, dass sie nicht bereit sei, weiter zu verhandeln, wenn die Spieler die Gehaltskürzung nicht akzeptieren. Anderen Vorschlägen habe die Liga von vornherein eine Absage erteit.

NHL-Commissioner Bettman schob seinerseits der Gewerkschaft die Schuld zu und erklärt, diese würde "mauern" und wolle nicht entgegenkommen. Er unterstellt: "Es scheint keine Eile zu geben, eine Einigung zu erzielen."

Bettman zitiert mehrere Spieleragenten, die ihm erklärt hätten, die Gewerkschaft sehe gar nicht den 15. September als Deadline, sondern den 11. Oktober ? den Saisonstart.

Trotzdem ist der NHL-Boss sicher, dass die Gewerkschaft einknicken wird: "Sobald der 14. September überschritten ist, verändert sich die Dynamik. Der Schaden für das Produkt wird die Dynamik der Verhandlungen verändern."

Nur Verlierer im Lockout

Auch wenn noch nicht sicher ist, dass der Lockout kommt: Die NHL schlittert auf den Abgrund zu, und die Sanduhr läuft ab. Großer Verlierer wären wie bei jedem Lockout die, die keine Schuld tragen: die Fans.

Neben den Besitzern, die ohne Spiele auch keine Einnahmen haben, wird auch den Spielern die Aussperrung wehtun, ist sich Teddy Purcell von den Tampa Bay Lightning sicher.

"Es ist schlecht für alle ? ältere Spieler, die nur noch ein paar Jahre übrig haben und Jüngere wie mich, die gerade erst dabei sind, sich einen Namen in der Liga zu machen", stellte Purcell bei "CBC" klar: "Als Spieler willst du den Schritt nach vorne machen. Ein verlorenes Jahr verhindert das."

2004 komplette Saison ausgefallen

Sollte wie 2004 erneut die gesamte Saison ausfallen und die NHL einen massiven Image-Schaden erleiden, wäre erneut mit einer Flucht der Spieler in andere Ligen zu rechnen.

Vor acht Jahren kehrten fast 400 Spieler der NHL den Rücken und heuerten bei anderen Teams an, die meisten von ihnen in Europa, auch in der DEL.

Noch haben die Verantwortlichen aber alle Möglichkeiten, die Saison zu retten. Fragt sich nur, wer zuerst über seinen Schatten springt.

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