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Christian Ehrhoff verlor die Finalserie um den Stanley Cup mit Vancouver 2011 © getty

Coach weg, Stars weg, Playoffs (wohl) weg: Die Sabres schreiben die Saison ab, der Verteidiger träumt aber weiter vom Coup.

Von Jan Reinold

Buffalo/München - Nein, die Flucht ergreifen will er nicht, aber das könnte er auch gar nicht so einfach.

Acht Jahre läuft der 40-Milionen-Dollar-Vertrag von Nationalspieler Christian Ehrhoff bei den Buffalo Sabres noch. Das Team steckt tief in der Krise, der Coach wurde nach 16 Jahren gefeuert, Leistungsträger abgegeben.

Ehrhoff läuft seinem Traum vom Triumph in der besten Eishockey-Liga der Welt weit hinterher, aufgeben will er ihn aber nicht.

"Ich möchte um den Stanley Cup mitspielen. Deshalb bin ich auch nach Buffalo gekommen", betont der ehemalige Krefeler im Gespräch mit SPORT1.

Er weiß aber auch: "Wir sind sehr weit hinter den Erwartungen und unseren Möglichkeiten geblieben."

Im SPORT1-Interview spricht der Verteidiger zudem über Buffalos Playoffs-Chancen, Wechselabsichten und den eingeleiteten Umbruch bei den Sabres.

SPORT1: Herr Ehrhoff, am Wochenende hatten Sie sich mit den beiden Siegen gegen Ottawa und New Jersey eigentlich im Kampf um einen Playoff-Platz zurückgemeldet, am Dienstag folgte dann ein 1:4-Rückschlag in Winnipeg. Wie beurteilen Sie die Playoff-Chancen acht Spiele vor Schluss?

Christian Ehrhoff: Winnipeg war ein super wichtiges Spiel für uns, sie sind einer unserer Hauptkonkurrenten um einen Playoff-Platz. Es wird sehr eng werden, vor allem, weil noch einige Teams im Rennen sind. Aber wir spielen noch gegen alle Konkurrenten, deswegen haben wir noch die Chance, es aus eigener Kraft zu schaffen.

SPORT1: Der Rückstand auf Platz acht beträgt aktuell sechs Punkte, dennoch haben die Sabres zum Ende der Transferzeit (3. April) in Jordan Leopold, Robyn Regehr und Kapitän Jason Pominville gleich drei Routiniers abgegeben (Sabres verlieren Kapitän). Liegt der Fokus nicht schon auf einem Neuaufbau und der neuen Saison?

Ehrhoff: Von außen sieht das so aus. Wir haben drei erfahrene Spieler gegen einige junge Spieler und gegen Draftpicks eingetauscht. Der Fokus liegt darauf, ein Team zusammenzustellen, das in den nächsten Jahren erfolgreich sein und auch um den Stanley Cup mitspielen kann. Das ist unserem Management und dem Besitzer (Terry Pegula, d. Red.) sehr wichtig. Aber das heißt nicht, dass sich die Mannschaft aufgegeben hätte. Wir glauben immer noch fest an uns. Wir werden bis zur letzten Sekunde kämpfen.

SPORT1:Sie sind auch mit dem Versprechen nach Buffalo gelockt worden, dass Sie dort um den Stanley Cup spielen können. Jetzt sind drei Leistungsträger weg, wie enttäuscht sind Sie von den Sabres?

Ehrhoff: Deswegen bin ich nicht enttäuscht. Ich bin aber natürlich über den Verlauf der letzten beiden Spielzeiten enttäuscht. Ich hatte schon erwartet, dass wir weiter oben stehen würden. Wir sind sehr weit hinter den Erwartungen und unseren Möglichkeiten geblieben. Es ist dann die logische Folge, dass Management und der Besitzer Veränderungen vornehmen. Das hat das Team ganz alleine zu verantworten.

SPORT1: Letzte Saison war die Lage im Frühjahr ähnlich, am Ende hat es nicht zum Einzug in die Playoffs gereicht. Woran liegt es diesmal?

Ehrhoff: Wir sind einfach schlecht aus den Startlöchern gekommen. Einige Spieler, die im Lockout nicht gespielt haben, sind vielleicht nicht so gut in die Saison gekommen. Dann ist man ruckzuck im Hintertreffen. Letztlich haben wir unser Potenzial nicht abgerufen.

SPORT1: Das Potenzial dürfte durch die Abgänge noch einmal gelitten haben. Wie schwer wiegt der Verlust von Regehr, Leopold und Pominville?

Ehrhoff: Wenn man drei solche Spieler verliert, ist das nicht einfach, sie zu ersetzen, vor allem nicht den Kapitän. Bei Jason (Pominville, d. Red.) kam es für alle doch sehr überraschend, das war schon ein kleiner Schock. Robyn Regehr und Jordan Leopold wären im Sommer Unrestricted Free Agents gewesen. Da war es abzusehen, dass das Team versuchen würde, dafür einen Draftpick oder einen jungen Spieler zu bekommen. Aber zuletzt lief es ja besser, wir erfüllen als Team nun besser das System, alle ziehen an einem Strang und arbeiten hart. Das hat uns am Saisonstart zu oft gefehlt.

SPORT1: Warum ist das erst jetzt so?

Ehrhoff: Ich kann da auch nur spekulieren. Es geht jetzt für einige Spieler um Jobs und Arbeitsplätze, um die Existenz. Aber insgesamt ist es schwierig, das genau zu beantworten.

SPORT1:Welche Rolle spielt der Trainerwechsel von Lindy Ruff, der nach fast 16 Jahren als Coach der Sabres entlassen worden ist, zu Ron Rolston?

Ehrhoff: Lindy Ruff hat auch einen guten Job gemacht. Am Ende sah es aber so aus, dass er bei einigen Spielern, die schon länger mit ihm gearbeitet haben, einfach nicht mehr durchkam. Ron Rolston hat eine klare Linie und macht das den Spielern auch klar.

SPORT1: Rolston ist vorerst Interimstrainer, wie es im Sommer in Buffalo weitergeht ist noch nicht ganz klar. Glauben Sie, dass alles auf den Prüfstand kommt?

Ehrhoff: Ich hoffe, dass wir unser Team verstärken, vielleicht ein paar gute Free Agents oder gute junge Spieler dazu bekommen, die uns auf Anhieb weiterhelfen. Ein großer Umbruch, wie ihn Edmonton seit Jahren macht, wäre für mich persönlich schade, denn ich möchte um den Stanley Cup mitspielen. Deshalb bin ich auch nach Buffalo gekommen.

SPORT1: Sie haben ja bei den Sabres einen Zehn-Jahres-Vertrag unterschrieben. Gibt es bei Ihnen dennoch Überlegungen, das Team zu verlassen?

Ehrhoff: Momentan nicht. Ich möchte Teil der Lösung hier sein, und das möchte das Management auch. Ich denke, dass ich persönlich eine gute, konstante Saison gespielt habe. Ich bin eine der Stützen, auf die gebaut wird. Aber natürlich hoffe ich, dass wir Verstärkungen bekommen, um ein erfolgreiches Team zu bilden.

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