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Dennis Seidenberg gewann mit den Boston Bruins 2011 den Stanley Cup © getty

76 Sekunden fehlen den Bruins, um gegen Chicago den Showdown zu erzwingen. Ein später Doppelschlag versetzt Boston den K.o.

Boston - Dennis Seidenberg hat seinen zweiten Stanley-Cup-Triumph nach 2011 verpasst.

Der Eishockey-Nationalspieler verlor mit den Boston Bruins im sechsten Play-off-Finale der NHL gegen die Chicago Blackhawks 2:3 und musste sich in der best-of-seven-Serie mit 2:4 geschlagen geben. Chicago, zuletzt 2010 erfolgreich, krönte sich zum fünften Mal zum NHL-Champion.

Chris Kelly brachte Boston vor 17.565 Zuschauern im TD Garden in Führung (8.), Kapitän Jonathan Toews glich für Chicago aus (25.). Milan Lucic (53.) erzielte das vermeintlich entscheidende 2:1 für die Bruins.

Doch Bryan Bickell (59.) und Dave Bolland (60.) drehten mit einem Doppelschlag innerhalb von 17 Sekunden noch das Spiel. Seidenberg, deutlich verbessert gegenüber den letzten beiden Partien, stand 20:36 Minuten auf dem Eis - erneut kürzer als in den ersten Finalspielen.

Bruins geschockt

"Ich habe so etwas (so ein Comeback, Anm. d. Red.) schon beim Fußball gesehen, in der Champions League, aber nicht beim Eishockey", sagte Chicagos slowakischer Center Michal Handzus: "In so einem K.o.-Spiel zwei Tore in der Schlussminute zu erzielen, auswärts - wow, das ist unglaublich!"

Während Blackhawks-Coach Joel Quenneville über "das beste Gefühl der Welt" jubelte, herrschte bei den Bruins hingegen Frust pur.

"Es ist schrecklich", sagte Verteidiger Johnny Boychuk: "Wir führen mit einem Tor und sind schon bereit, um in Spiel 7 zu gehen. Und dann, plötzlich, ist es vorbei."

Wechselbad der Gefühle

Der Champion von 2011 hatte sich schon auf der Siegerstraße gesehen, musste dann aber die Kehrseite der Medaille kennenlernen.

Denn noch im Playoff-Achtelfinale hatte Boston gegen die Toronto Maple Leafs im entscheidenden siebten Spiel scheinbar aussichtslos zurückgelegen, dann aber ein "Comeback für die Ewigkeit" (NHL-Homepage) gefeiert.

Innerhalb von zehn Minuten holten die Bruins damals einen Drei-Tore-Rückstand auf und triumphierten schließlich in der Verlängerung.

"Das heute gegen Chicago ist das komplette Gegenteil von dem, was gegen Toronto passiert ist", sagte ein sichtlich angeschlagener Boychuk, der später noch von einem "totalen Schock" sprechen sollte.

Auch für Chicago kam die späte Wende mehr als überraschend, Blackhawks-Verteidiger Niklas Hjalmarsson räumte ein, nicht mehr wirklich an den Sieg geglaubt zu haben. "Natürlich habe ich gedacht, dass es hart wäre, noch einen Treffer zu machen - und dann machen wir noch zwei. Das war riesig", freute sich der Schwede.

Conn-Smythe-Trophy für Kane

Als wertvollster Spieler der Play-offs wurde Chicagos Stürmer Patrick Kane mit der Conn-Smythe-Trophy ausgezeichnet. Der 24-Jährige erzielte neun Tore und bereitete zehn weitere Treffer vor.

48 Stunden nach dem 1:3 in Chicago setzten die Bruins die Blackhawks von Beginn an unter Druck und dominierten das erste Drittel deutlich.

Auch Seidenberg, der wieder neben Kapitän Zdeno Chara verteidigte, beteiligte sich an den Offensivaktionen. Den Schlagschuss des 31-Jährigen wehrte Chicagos Goalie Corey Crawford ab (5.).

Licht und Schatten bei Chara

Nach der hochverdienten Führung durch Kelly hatte David Krejci das 2:0 auf dem Schläger, doch der Tscheche schoss nach mustergültigem Zuspiel von Brad Marchand über das leere Tor (13.).

Dem überraschenden Ausgleich ging ein Fehler von Chara voraus. Der Slowake verlor die Scheibe in der neutralen Zone, Toews traf durch die Beine von Bruins-Torwart Tuukka Rask.

Seidenbergs Abwehrpartner verhinderte dann allerdings den Rückstand, als er dem einschussbereiten Patrick Kane den Puck wegspitzelte. Im Schlussdrittel erhöhten wieder die Gastgeber den Druck.

Daniel Paille scheiterte zunächst am glänzend reagierenden Crawford (47.). Dann hatte Lucic mehr Glück: Nach seinem Schuss sprang der Puck vom Pfosten gegen Crawfords Rücken und über die Linie. Kurz vor Schluss triumphierten dennoch die Gäste.

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