vergrößernverkleinern
Dennis Seidenberg (l.) gewann 2011 den Stanley-Cup mit den Boston Bruins © getty

Im SPORT1-Interview spricht Bruins-Star Seidenberg über die dramatische Final-Pleite gegen Chicago und zieht einen Vergleich.

Von Rainer Nachtwey

München - 76 Sekunden trennten Dennis Seidenberg und die Boston Bruins im sechsten Spiel der Finalserie um den Stanley Cup gegen die Chicago Blackhawks vor dem entscheidenden Spiel 7.

Der Champion von 2011 ließ sich in den letzten Augenblicken noch eine 2:1-Führung aus der Hand nehmen und musste nach dem 2:3 alle Titelträume begraben (Bericht).

Der deutsche Verteidiger spricht im SPORT1-Interview über seine Gefühlslage nach der dramatischen Niederlage, die Gründe und seine eigene Leistung. Bei ihm werden Erinnerungen an den FC Bayern wach.

SPORT1: Herr Seidenberg, wie haben Sie die letzten zwei Minuten in Spiel 6 erlebt?

Dennis Seidenberg: Wir sind normalerweise immer ganz gut, wenn wir in Führung liegen und die letzten zwei Minuten verteidigen müssen. Deswegen sind wir auch recht selbstbewusst in die letzten zwei Minuten gegangen. Auf einmal scheppert es zum Ausgleich. Das war ziemlich schockierend und hat uns die Luft aus unserem Spiel genommen. Beim nächsten Wechsel hauen sie uns gleich wieder einen rein. Wir sind sehr enttäuscht.

SPORT1: Was ist Ihnen nach dem Treffer zum 2:3 durch den Kopf gegangen?

Seidenberg: Ich habe immer noch keine Ahnung, was da genau passiert ist. Der Schock sitzt tief. Man darf so schnell hintereinander keine zwei Gegentore bekommen.

SPORT1: Waren sie mit dem Kopf schon in Spiel 7?

Seidenberg: Es gab bestimmt den einen oder anderen, der schon an Spiel 7 gedacht hat.

SPORT1: Wie war es, die Pokalübergabe mit ansehen zu müssen?

Seidenberg: Wir waren ziemlich leer und einfach enttäuscht, nach dem was passiert ist. Es war sehr schwer auf dem Eis zu stehen. Wir haben allerdings gegen ein gutes Team verloren.

SPORT1: Haben Sie eine solche Niederlage schon einmal erlebt?

Seidenberg: So extrem noch nicht. Speziell im Stanley-Cup-Finale noch nicht. Wir haben in der ersten Playoff-Runde ein Spiel so ähnlich gedreht (gegen die Toronto Maple Leafs, d. Red.). Auf einmal stehen wir auf der anderen Seite und verlieren.

SPORT1: Ist es vergleichbar mit dem Champions-League-Finale 1999, Manchester United gegen den FC Bayern?

Seidenberg: Das kann man bestimmt vergleichen. Wenn man an dieses Spiel denkt, kommt einem auch das Finale 1999 in Erinnerung. Das ist schlimm.

SPORT1: Ihr Team lag in der Serie mit 2:1 in Führung. Was hat den Ausschlag für die drei Niederlagen in Folge gegeben?

Seidenberg: Das ganze Team hat einfach nicht mehr geklickt wie zuvor. Davor haben alle vier Reihen und alle Verteidigungspaare sehr gut gespielt. Auf einmal hat es dann nicht mehr so geklappt. Chicago hatte zudem oft auch das nötige Glück, ob mit Abprallern oder zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein. Das Glück haben sie sich aber auch erarbeitet.

SPORT1: Zwischenzeitlich haben Sie etwas weniger Eiszeit erhalten und wurden von Zdeno Chara als Verteidigungs-Paar getrennt. Was war der Grund?

Seidenberg: Das war nur im Spiel 5 so, als wir hinten gelegen sind und es zwischen uns nicht so gut gelaufen ist. Da versucht der Trainer alles, um das Zusammenspiel zu verbessern. Es kommt manchmal auch vor, dass es mit einem Partner nicht so läuft. Der Trainer hat alles probiert, um die Mannschaft wieder ins Spielen zu bekommen. Wir haben allerdings einfach nicht genug Tore geschossen.

SPORT1: Waren Sie mit Ihrer Leistung zufrieden?

Seidenberg: Ich glaube schon, ich habe viel Eiszeit gehabt. Auch wenn ich am Ende nicht vier Tore hätte abgeben dürfen. Manchmal kann man das eben nicht kontrollieren.

SPORT1: Wird es eine besondere Motivation für die neue Saison?

Seidenberg: Da habe ich noch nicht dran gedacht. Es ist zu früh, um an die nächste Saison zu denken. Jetzt kommt eine kurze Sommerpause, wo ich die nächsten zwei Wochen abschalten und entspannen kann. Danach beschäftige ich mich mit der neuen Saison. Ich denke schon, dass wir uns wieder motivieren können und in der nächsten Saison wieder anpacken werden.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel