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Leon Draisaitl wurde in der vergangenen Saison ins All-Star Team der kanadischen Jugendliga WHL gewählt © getty

Leon Draisaitl wird beim NHL-Draft Geschichte schreiben. Bei SPORT1 spricht der "German Gretzky" auch über sein Lieblingsteam.

Von Denis de Haas

München/Philadelphia - Leon Draisaitl wird Geschichte schreiben.

Nahezu alle Experten sind sich einig: das Supertalent wird im heutigen NHL Draft in Philadelphia zumindest unter den Top Ten landen. Nie zuvor wurde ein deutscher Eishockeyspieler so weit vorn ausgewählt.

Seit 2012 spielte der heute 18-Jährige in Kanada als Center für die renommierte Jugendmannschaft der Prince Albert Raiders und brachte es in 128 Spielen auf 163 Scorerpunkte.

Die Medien in Nordamerika verpassten ihm schon den Beinamen "German Gretzky" nach dem legendären Wayne Gretzky.

Dessen erstes Team waren die Edmonton Oilers, die 2014 nach Florida und Buffalo an Nummer drei zugreifen können. Egal wo er landet, Draisaitl wird eine große Zukunft prophezeit.

Im SPORT1-Interview spricht die deutsche Stürmerhoffnung unter anderem über die Aufregung, Umgang mit dem Hype, den Einfluss des Vaters und sein Lieblingsteam in der NHL (SHOP: Jetzt Eishockey-Artikel kaufen).

SPORT1: Herr Draisaitl, nun ist es so weit. Der Draft steht an. Wie groß ist bei Ihnen die Aufregung?

Leon Draisaitl: Die Aufregung ist auf jeden Fall da. Es ist bis jetzt der wichtigste Tag meines Lebens. Denn es entscheidet sich, wo ich irgendwann spiele. Wenn der Draft losgeht, werde ich bestimmt sehr nervös sein.

SPORT1: Den deutschen Rekord hält Olaf Kölzig, der 1989 an Nummer 19 ausgewählt wurde. Sie gelten als sicherer Top-Ten-Kandidat und könnten ihn damit übertrumpfen. Hat dieser Fakt für Sie eine besondere Bedeutung?

Draisaitl: Ja, natürlich. So etwas passiert ja nicht jeden Tag. Es gab schon einige richtig gute Deutsche, die hohe Draftpicks waren. Von ihnen der höchste Pick zu sein, wäre auf jeden Fall etwas ganz besonderes.

SPORT1: In Nordamerika werden Sie als "German Gretzky" bezeichnet. Wie entstand dieser Hype und wie gehen Sie damit um?

Draisaitl (lacht): Wie das losging, kann ich gar nicht genau sagen. Ich nehme an, es hat mit meinen Leistungen zu tun. Ich mache mir darüber auch keinen Kopf. Ich gehe raus und spiele Eishockey. Die Medien-Geschichten erledige ich auch. Das ist kein Problem für mich. Ich mache aber deswegen nichts anders als sonst.

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SPORT1: Wo würden Sie eigentlich im Draft gerne landen? Christian Ehrhoffs Buffalo Sabres sind als zweites Team an der Reihe?

Draisaitl: Ja, klar. Das wäre nicht schlecht und für mich am Anfang sehr hilfreich. Da ich allerdings überhaupt keinen Einfluss darauf habe, mache ich mir darüber keine Gedanken. Egal welches Team mich nimmt, ich werde mega zufrieden sein. Daran wird sich nichts ändern.

SPORT1: Hatten Sie als Kind oder Jugendlicher ein Lieblingsteam in der NHL?

Draisaitl: Damals waren es die Detroit Red Wings mit Sergei Fedorov und später Pavel Datsyuk. Ihren Stil mag ich auch heute noch und schaue mir sehr gern ihre Spiele an.

SPORT1: Sind Freunde und Familie in Philadelphia dabei?

Draisaitl: Mutter, Vater, Schwester, ihr Freund, mein bester Freund und eine Freundin meiner Mutter sind alle hier und unterstützen mich.

SPORT1: Es ist immer schwer, das über sich selbst zu sagen, aber wo sehen Sie Ihre größten Stärken und Schwächen?

Draisaitl: Ich muss im Sommer auf jeden Fall schneller und stärker werden, das Krafttraining intensivieren. Auch am Defensivspiel arbeite ich weiter. Ich denke, meine körperlichen Vorrausetzungen sind für die NHL ganz gut. Ich bin groß, kräftig und ein guter Spielmacher. Mein Scoring-Touch ist auch nicht schlecht.

SPORT1: Wie wichtig war die WM-Teilnahme 2014 für Ihre Entwicklung?

Draisaitl: Sehr, sehr wichtig! Ich habe das erste Mal gegen Männer gespielt. Es war sehr hilfreich. Ich habe gesehen, welche Geschwindigkeit im Profi-Eishockey steckt und wie es da läuft. Es war eine sehr wertvolle Erfahrung.

SPORT1: Ihr Vater Peter Draisaitl war ein großartiger Profi für Deutschland und im Verein. Inwieweit profitieren Sie von seiner Erfahrung?

Draisaitl: Mein Vater hat einen großen Anteil daran, wo ich jetzt stehe. Ich habe von ihm sehr viel mitbekommen. In Sachen Eishockey ist er meine größte Hilfe und Tag oder Nacht für mich da. Ich kann ihn um 3 Uhr früh anrufen und etwas fragen, dann steht er auf und gibt mir die perfekte Antwort. Ich muss aber auch sagen, dass meine Mutter und Schwester ebenfalls sehr wichtig sind. Für alles, was nichts mit Eishockey zu tun hat, sind sie meine ersten Ansprechpartner. Die beiden haben so viel Zeit in Eishockey-Hallen bei meinen Spielen verbracht. Dafür kann ich ihnen nicht genug danken.

SPORT1: Oftmals findet man Ihren Vater in Datenbanken nicht mehr in erster Linie als Spieler, sondern der erste Eintrag lautet jetzt: "Vater von Leon". Wie findet der Papa das?

Draisaitl: Ehrlich gesagt, habe ich das noch gar nicht gesehen. Er hatte selbst eine mehr als anständige Karriere. Ich denke nicht, dass er in meinem Schatten steht.

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