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Hallen-Ass Björn Andrae kam mit Marcus Popp bei der Beach-DM bis ins Finale © imago

Bei der EM greifen die Männer nach Edelmetall. Die jüngsten DVV-Triumphe haben System und gründen auch in der Geldnot.

Izmir - Erster Europaliga-Sieg, WM-Titel am Strand und im Nachwuchsbereich an der Weltspitze - selbst DOSB-Präsident Thomas Bach ist nach dem erfolgreichsten Sommer der Geschichte auf das deutsche Volleyball-Wunder aufmerksam geworden.

"Ich bin sehr zufrieden mit den Volleyball-Teams", sagte Bach jüngst in Berlin, wo die Männer die vorletzte Hürde auf dem Weg zur mit 20 Millionen Dollar dotierten Weltliga nahmen. "Ich habe die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, auch die Lösung mit den Bundestrainern aus dem Ausland."

Der Italiener Giovanni Guidetti qualifizierte sich mit dem Frauen-Nationalteam souverän für die WM 2010, zudem stellte seine Mannschaft auf Platz drei der Weltserie das beste Ergebnis der Geschichte ein.

"Am liebsten bis ins Finale"

Der Argentinier Raul Lozano triumphierte mit den Männern erstmals in der Europaliga, führte sie zur WM 2010 und hat bei der gerade laufenden Europameisterschaft im türkischen Izmir die erste Medaille der Geschichte im Visier.

Der Niederländer Han Abbing schließlich führte die deutschen U-20-Juniorinnen sensationell zum ersten WM-Titel. "Wir haben den Traum, Weltmeister zu werden", hatte Abbing vor der WM gesagt - und sein Team erfüllte die Vorgabe.

Solche forschen Töne, die auch Lozano ("Wir wollen bei der EM am liebsten acht Spiele bis ins Finale machen") formuliert, sind neu im deutschen Volleyball.

Auch im Sand triumphieren deutsche Junioren

Die Kombination aus den neuen Ideen aus dem Ausland und dem deutschen System bildet die Grundlage des Erfolgs. Das U-20-Weltmeisterteam spielte vor seinem Triumph als VC Olympia Berlin zwei Jahre in der Bundesliga.

"Das ist die ideale Ausbildung. Die Bundesliga ist für uns das Mittel, nicht das Ziel", sagt Abbing.

Das Stützpunktsystem greift auch im Beachvolleyball, wo es durch die U-19-Weltmeister Christine Aulenbrock/Victoria Bieneck oder die U23-Europameister Alexander Walkenhorst/Stefan Windscheif und Britta Büthe/Julia Großner erneut spektakuläre Erfolge gab.

Von Moltke hofft auf zwei Olympiamedaillen

Und so merkwürdig es klingt, auch die allgemein grassierende Geldnot im Verband und in den Vereinen ist ein Grund für den Aufschwung - dadurch kommen junge Spieler(innen) viel eher in der Bundesliga zum Einsatz.

"Wir sind arme Schweine", sagt Verbandschef Werner von Moltke dazu: "Aber unsere Richtung nach Olympia 2012 stimmt. Wir wollen in London mindestens zwei Medaillen."

Das scheint durchaus realistisch, schließlich konnte in diesem unglaublichen Sommer auch der erste deutsche Weltmeistertitel am Strand durch Julius Brink und Jonas Reckermann verbucht werden. Die beiden haben übrigens in den letzten paar Monaten fast 275.000 Dollar allein an Preisgeld verdient.

Im Rennen um die Million

Das Männer-Nationalteam in der Halle will nächstes Jahr erstmals seit 2003 wieder in der Weltliga spielen, wo es als Siegprämie eine Million Dollar gibt.

Positive Anzeichen, aber auf den großen Durchbruch an der Finanzfront wartet Werner von Moltke nach dem Verlust des einstigen Hauptsponsors noch.

"Wir haben bislang keinen Sponsor, der uns sagt: Hier habt ihr eine halbe Million, macht was draus. Irgendwann muss doch auch mal jemandem in der Wirtschaft auffallen, was im deutschen Volleyball passiert."

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