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Kann mit den Leistungen seines Teams nicht zufrieden sein: Raul Lozano (Mitte) © getty

Dank französischer Schützenhilfe erreicht Deutschland doch noch die EM-Zwischenrunde. Die Freude hält sich jedoch in Grenzen.

Izmir - Als der Einzug in die EM-Zwischenrunde dank französischer Schützenhilfe doch noch geklappt hatte, hielt sich der Jubel der deutschen Volleyballer in ihrem Hotel in Izmir in Grenzen.

Weit weg von der anvisierten ersten Medaille droht weiter das schwächste EM-Ergebnis der Geschichte.

"Alle haben auf Wolke sieben geschwebt, und jetzt sind wir runtergeholt worden", beschrieb Björn Andrae die schwache Vorrundenleistung und atmete nach der Zitterpartie vor dem Fernseher auf: "Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn wir hier ausgeschieden wären."

Dank Frankreich in der Zwischenrunde

Nach einem zuvor grandiosen Sommer mit Europaliga-Sieg und erfolgreicher WM-Qualifikation war die deutsche Mannschaft als Mitfavorit angereist.

Nach dem unnötigen 1:3 (25:21, 14:25, 20:25, 23:25) gegen Frankreich mussten die Spieler an ihrem sonntäglichen Ruhetag um einen Platz in Runde zwei bangen.

Erst das 3:0 von Frankreich gegen die Türkei bescherte Gruppenplatz drei und verhinderte trotz der frustrierenden Vorrunden-Bilanz von einem Sieg und zwei Niederlagen (außerdem 1:3 gegen Polen und 3:2 gegen die Türkei) die vorzeitige Heimreise.

"Die Medaille ist wohl weg"

"Jetzt bleibt uns als Wiedergutmachung für die schwache Leistung nur, dass wir die nächsten drei Spiele gewinnen. Aber die Medaille ist wohl weg", sagte Zuspieler Patrick Steuerwald.

Deutschland nimmt 0:4 Punkte mit in die am Dienstag beginnende Zwischenrunde, wo Griechenland, Europameister Spanien und die Slowakei die Gegner sein werden.

Theoretisch ist noch das erste Edelmetall der EM-Geschichte möglich, aber auch das schlechteste Resultat der Historie.

Wenn deutsche Teams bei den kontinentalen Titelkämpfen dabei waren, hatte es bislang mindestens einen neunten Platz gegeben. Nach dem Einzug in die Zwischenrunde ist im schlechtesten Fall Platz zwölf möglich.

"Sind zufrieden mit Lozano"

Verbands-Sportchef Günter Hamel stellte sich dennoch demonstrativ hinter Bundestrainer Raul Lozano, der das Ziel Edelmetall ausgegeben hatte.

"Wir sind absolut zufrieden mit ihm. Er hat unter schwierigen Bedingungen in diesem Sommer das Optimum rausgeholt", sagte Hamel.

Bei der Ursachensuche für den schwachen Auftritt kam Björn Andrae der Wahrheit wohl am nächsten: "Alle haben sich selbst zu viel Druck aufgebaut und nicht so frech wie sonst gespielt."

Viele Spieler wirkten müde, es gab einfach zu viele Schwankungen im deutschen Spiel wie beispielsweise gegen Frankreich, als nach einem überragenden ersten Satz der totale Einbruch folgte.

Mehr Spiele gegen Weltklasse

"Wir haben das ganze Jahr gut gegen schlechtere Gegner gespielt, aber es ist viel schwerer, gut gegen gute Gegner zu spielen. Da fehlen vielen meiner Spieler einfach die Erfahrungen bei Olympia, WM oder EM", sagte Lozano.

Seiner Meinung nach liegt das Problem "in dieser tollen Mannschaft aber nicht im Kopf". Vielmehr seien Technik und Taktik zu verbessern, und dafür müssten mehr Spiele gegen die Weltklasse her.

Weltliga wichtiger als EM

So gesehen sei die nach der EM in Riesa gegen Venezuela anstehende Qualifikation für die mit 20 Millionen Dollar dotierte Weltliga 2010 viel wichtiger als die Spiele in Izmir.

"Natürlich sind wir über das bisherige EM-Resultat alles andere als glücklich, weil es die positive Gesamtstimmung im deutschen Volleyball trübt", sagte Hamel.

"Aber wir haben die unser Hauptziel WM 2010 erreicht." Bei der EM sei nun Platz fünf und damit die direkte Qualifikation für die Titelkämpfe 2011 das Ziel - Schadensbegrenzung also.

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