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Björn Andrae spielt in Italie für Tonno Callipo Vibo Valentia © imago

Nach dem zerplatzen Medaillen-Traum bei der EM blickt der DVV dennoch positiv in die Zukunft. Finanziell könnte es bergauf gehen.

Izmir - Als Deutschlands Volleyballer nachts um 4.10 Uhr Richtung Heimat abhoben, war zwar nicht die erhoffte erste EM-Medaille, aber viel Hoffnung auf eine glänzende Zukunft im Gepäck.

Der klamme Verband kann trotz des sechsten Platzes von Izmir mit steigenden Einnahmen planen.

Und die jungen Spieler wollen sich am kommenden Wochenende in die mit 20 Millionen Dollar dotierte Weltliga schmettern und den Podestplatz einfach später nachholen.

"Es wäre schön, einmal Weltmeister in der Halle zu werden. Diese Mannschaft hat ein riesiges Potenzial", sagte Angreifer Björn Andrae mit Blick auf die im nächsten Jahr in Italien anstehende WM.

Lozano bittet um Geduld

Zwar verpasste das deutsche Team nach dem ersten Europaliga-Triumph und der WM-Qualifikation den nächsten spektakulären Erfolg in einem grandiosen Sommer, aber das hakten alle als wichtigen Lernprozess für die Mannschaft mit vier U-23-Spielern im Stamm ab.

"Man kann nicht vier Stockwerke auf einmal überspringen, einen Qualitätssprung zu machen, braucht Zeit", sagte Chefcoach Raul Lozano.

Der 53-Jährige zeigt sich optimistisch: "Aber wir sind schon nahe dran an der Weltspitze und ich bin optimistisch, dass ich diese junge Mannschaft noch weiterentwickeln kann."

Bundestrainer will bleiben

Der 1,63 Meter kleine Argentinier, der Polen 2006 sensationell zu WM-Silber geführt hatte, würde seinen nach der WM auslaufenden Vertrag am liebsten gleich bis Olympia 2012 verlängern.

Weil er an die Perspektive des Teams glaubt, in der Talente wie Libero Ferdinand Tille (20) oder Sebastian Schwarz (23) die stärkste Figur bei der EM machten.

"Es ist Sache des Verbandes, auf mich zuzukommen. Aber ich arbeite sehr gern in Deutschland", stellt Lozano klar.

"Alle Ziele übererfüllt"

Zwar wurde durch die einzigen beiden Turnier-Niederlagen gegen die Halbfinalisten Polen und Frankreich schon in der Vorrunde die durchaus mögliche Medaille vergeben, danach folgten aber drei Siege in der Zwischenrunde unter anderem gegen den entthronten Titelverteidiger Spanien.

"Das ist ein sehr versöhnliches Ende. Die Mannschaft ist auf einem sehr guten Weg", sagte Verbands-Generalsekretär Jörg Ziegler, obwohl das Team Platz fünf und damit die direkte Qualifikation für die EM 2011 verpasst hatte.

"Wir haben in diesem Sommer im Verband alle Ziele übererfüllt", resümierte Ziegler.

Hoffnung auf Finanzspritzen

Deshalb kann der Deutsche Volleyball-Verband bei dem Ende Oktober anstehenden Auswertungsgespräch beim DOSB auf eine zusätzliche Finanzspritze hoffen.

Auch bei den Gesprächen mit potenziellen neuen Hauptsponsoren - in diesem Jahr fehlen nach dem Ausstieg des größten Geldgebers fast 300.000 Euro im Etat - sieht Ziegler "positive Signale".

Der Verband braucht etwa 250.000 Euro, um die Teilnahme an der Weltliga im nächsten Jahr abzusichern.

Nur drei freie Tage

Die am kommenden Freitag und Samstag in Riesa gegen Venezuela anstehende Qualifikation für die "Königsklasse" der Nationalteams ist das letzte und vielleicht wichtigste Ziel in einem Sommer voller Höhepunkte.

Deshalb bekamen die Spieler nach der stressigen EM auch nur drei Tage frei und müssen sich bis Montag um 23 Uhr im Spielort Riesa einfinden.

Positives Gefühl vor den Quali-Duellen

"Wir sind ziemlich kaputt, aber fahren nach der EM mit einem guten Gefühl da hin", sagte Kapitän Robert Kromm.

Chefcoach Lozano ist sich sicher, dass er den Kopf der Spieler noch einmal freibekommt: "Die Weltliga-Teilnahme ist sportlich unglaublich wichtig. Nur durch Vergleiche gegen die Weltklasse auf höchstem Niveau können wir den letzten Schritt zur Weltspitze machen."

Und vielleicht schon bei der WM 2010 den diesmal noch verpassten Medaillengewinn nachholen.

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