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Margareta Kozuch spielt seit 2008 bei Asystel Novara in Italien © imago

Die deutschen Volleyballerinnen verlieren bei der EM im kleinen Finale erst die Nerven und dann das Spiel gegen Gastgeber Polen.

Lodz - Deutschlands Volleyballerinnen haben im Tollhaus von Lodz die Nerven verloren und fahren nach einer starken Europameisterschaft als unglücklicher Vierter ohne Medaille nach Hause.

Es flossen Tränen, als das Team von Bundestrainer Giovanni Guidetti das "kleine Finale" vor 13.500 fanatischen Zuschauern gegen Gastgeber Polen mit 0:3 (16:25, 19:25, 23:25) verloren hatte.

Der Traum vom dritten Titel der Geschichte nach 1983 und 1987 hatte sich bereits im Halbfinale mit dem 1:3 gegen Italien zerschlagen, das durch einen souveränen 3:0-Erfolg gegen die Niederlande am Sonntag seinen Titel erfolgreich verteidigte.

Mehr erreicht als erwartet

"Das Benzin war einfach alle. Die Mädels waren von der gigantischen Kulisse beeindruckt", sagte Chefcoach Giovanni Guidetti: "Wir haben bei der EM mehr erreicht als wir erwartet haben und trotzdem sind momentan alle unzufrieden."

Die gebürtige Polin Margareta Kozuch, mit 13 Zählern punktbeste deutsche Spielerin, hatte nach der vergebenen Chance auf die erste Medaille seit sechs Jahren feuchte Augen: "Die Polen sind auf einer Welle geschwommen, die wir nicht brechen konnten. Wir sind alle sehr traurig."

"Gehören zu den Topnationen"

"Natürlich ist das ein sehr bitteres Ende. Aber Deutschlands Volleyball ist endlich anerkannt, wir gehören zu den vier Topnationen in Europa, und alle denken, dass wir bald einen großen Titel holen werden", sagte der extra eingeflogene DVV-Präsident Werner von Moltke.

Das konnte die junge deutsche Mannschaft aber nicht trösten, die nach der vergebenen Großchance auf den ersten Podestplatz seit sechs Jahren einfach nur traurig waren.

Von Normalform weit entfernt

In der Gänsehaut-Atmosphäre der ganz in Rot-Weiß getauchten Atlas-Arena konnten die "Schmetterlinge" in den beiden Finalspielen nicht ihre beste Leistung abrufen.

Zwar hatte Psychologe Christian Fust das Team extra auf das Bronzematch vorbereitet, aber gegen den keineswegs überragenden Gastgeber (1:3 im Halbfinale gegen die Niederlande) zitterten in Angriff und Annahme die Hände.

Speziell die bei der EM zuvor überragende Margareta Kozuch konnte sich im Duell gegen ihr Heimatland nur selten durchsetzen, die deutsche Mauer am Netz war löchrig, und nur die erfahrene Kerstin Tzscherlich erreichte Normalform.

"Mannschaft wird aus Fehlern lernen"

"Wir haben nicht mit der Aggressivität der ersten Runden gespielt. Manche hatten sich zu viel vorgenommen, andere waren wohl schon zufrieden, dass wir die Finalrunde erreicht haben", analysierte Spielführerin Christiane Fürst: "Wir haben bei dieser EM einen kleinen Traum in die Realität umgesetzt, irgendwann wird sich auch der große Traum erfüllen."

Dazu fehlte dem im Durchschnitt 24 Jahre jungen Stammteam, bei dem schon drei U20-Weltmeisterinnen im Kader waren, diesmal noch die Erfahrung. "Diese Mannschaft hat trotzdem Großes geleistet und wird aus ihren Fehlern lernen", meinte Chefoach Guidetti.

Satzgewinn gegen das beste Team der Welt

Im Halbfinale gegen Italien hatten Fürst und Co. erstmals seit Jahren einen Satz gegen "das momentan beste Team der Welt" (Guidetti) gewonnen und nach dem 15:11 im vierten Satz sogar die Chance auf den möglichen Sieg vergeben (Italien eine Nummer zu groß).

Deshalb zollte die überragende italienische Zuspielerin Eleonora Lo Bianco, die im Duell gegen ihren deutschen Gegenpart Kathleen Weiß den Unterschied machte, den "jungen Wilden" auch großen Respekt: "Sie haben eine große Moral und eine große Zukunft."

Vor Weltmeister Russland

Die nächste Podestchance gibt es schon 2010 bei der Weltmeisterschaft in Japan. Immerhin ließ das deutsche Team diesmal schon Weltmeister Russland und den WM-Dritten Serbien hinter sich.

Ein echter Trost war das bei der Busfahrt nach Hause ab 2 Uhr nachts aber nicht.

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