vergrößernverkleinern
Björn Andrae war 2004, 2005 und 2006 Deutschlands Volleyballer des Jahres © getty

Das deutsche Team geht als Geheimfavorit in die WM, Andrae macht eine Kampfansage. Der Auftaktgegner Serbien hat es in sich.

Triest - Deutschlands Volleyball-Amateure gehen als Geheimfavorit in die WM in Italien und träumen von der ersten Medaille seit 40 Jahren.

"Träumen kann man ja. Das kostet nichts", sagt Bundestrainer Raul Lozano. Der Mann, der schon bei der WM 2006 mit Polen sensationell Vizeweltmeister wurde, gibt vor dem ersten Vorrundenspiel am Samstag (ab 20.55 Uhr im LIVESTREAM) gegen Serbien aber offiziell Platz sechs als Ziel aus.

So oder so - Lozano hat vom Verband ohnehin eine Jobgarantie bis Olympia 2012 in London.

Am Donnerstagnachmittag landete die deutsche Mannschaft bei 26 Grad und Sonnenschein bestens gelaunt in Triest, bezog Quartier und war begeistert von der wunderschönen 200.000-Einwohnerstadt an der Adria.

"Wir sind unberechenbar"

Die Euphorie ist nach dem historischen 3:0 bei der Generalprobe gegen Weltmeister Brasilien groß, aber abheben wird keiner.

"Die WM ist eine ganz andere Sache. Es bildet sich niemand ein, dass das ein Spaziergang wird", sagt Kapitän Björn Andrae und schiebt eine Kampfansage hinterher: "Weltmeister werden wollen alle. Wir sind unberechenbar für den Gegner."

Die Ausgeglichenheit der 14 Spieler ist der große Trumpf der jungen deutschen Mannschaft, in die auch Hauptangreifer Georg Grozer nach seinem "Vaterschaftsurlaub" zurückgekehrt ist. Am Montag brachte er seine zweite Tochter Loreen mit auf die Welt, jetzt will der glückliche Papa angreifen: "Wir können an einem guten Tag jedes Team der Welt schlagen."

Medaillenprämie nicht machbar

Spätestens seit den zwei Erfolgen in drei Tests gegen Brasilien weiß das auch die internationale Konkurrenz. Unterschätzen wird das aufstrebende deutsche Team, das nach Platz neun bei der WM 2006 und Olympia 2008 sowie Rang fünf bei der EM 2009 weiter nach oben will, wohl niemand mehr.

"Unsere Bemühungen im Volleyball fruchten endlich. Die Mannschaft funktioniert sensationell, obwohl die Spieler alles reine Amateure sind", sagt Verbandschef Werner von Moltke.

Für ihren Auftritt in Italien bekommen die in den Vereinen teils hochbezahlten Stars keinen Cent, eine Medaillenprämie ist nicht machbar und genau wie bei der EM 2009 hat der Verband nicht einmal einen Hauptponsor gefunden.

Podestplatz könnte vieles ändern

Auch für Geschäftsführer Jörg Ziegler ist das "eine sehr ärgerliche Situation: Aber für einen großen

Sponsor bräuchten wir mehr Fernsehpräsenz und die gibt es wohl nur nach einem ganz großen Erfolg." Die WM-Spiele werden in Deutschland von SPORT1.de im Internet live übertragen.

Bei den Olympischen Spielen in zwei Jahren ist in den Zielvereinbarungen beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eine Medaille fest eingeplant. (Hübner hofft auf doppeltes Happy-End)

Der erste WM-Podestplatz seit dem Titelgewinn der DDR 1970 könnte jedoch schon jetzt vieles im deutschen Volleyball ändern.

Lozano ist "ganz ruhig"

Doch Chefcoach Lozano will erstmal nur an die Vorrunde denken, wo mit dem Weltranglistenvierten Serbien und Europameister Polen am Wochenende schwere Gegner warten.

Der Sieg gegen Außenseiter Kanada am Montag ist fest eingeplant, um als Dritter zumindest den Sprung in die zweite Runde zu schaffen.

"Das sind harte Gegner, aber die Mannschaft ist bereit. Ich bin ganz ruhig", sagte Chefcoach Lozano nach den ersten Trainingseinheiten in Triest. Er bläut der Mannschaft ein, dass man nur von Spiel zu Spiel denken darf. (Lozano-Team mit den Besten wieder auf Augenhöhe)

Der Weg in die Finalspiele nach Rom ist nämlich weit und führt über drei Vorrundenphasen. Nicht nur Björn Andrae geht jedoch optimistisch in die Medaillenjagd: "Wir sind gut fit. Für uns ist alles möglich."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel