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Zuspieler Patrick Steuerwald (M.) trieb sein Team zum 3:0 gegen die Kanadier © imago

Nach dem Einzug in die zweite Runde hat das DVV-Team wieder alle Chancen. Doch bisher zählt nur ein Deutscher zu den Besten.

Triest/Catania - Deutschlands Volleyballer ließen die Feier für den Einzug in Runde zwei (Video) ausfallen, denn schon um 4.30 Uhr begann die nächste Etappe auf dem Weg zur ersten WM-Medaille seit 40 Jahren. Zu früher Morgenstunde klingelte der Wecker für den Flieger von Triest Richtung Sizilien, wo das Team um 10.30 Uhr sicher landete.

In Catania wartet nach zwei Ruhetagen eine lösbare Aufgabe, und nicht nur deshalb ist der Optimismus ins Team der Zitterriesen zurückgekehrt.

"Wir waren alle sehr nervös, aber jetzt haben wir das Schlimmste hinter uns. Es wäre doch belastend gewesen, wenn wir uns so lange vorbereiten und dann nach der ersten Runde als Verlierer nach Hause fahren", sagte Georg Grozer, der mit 19 Punkten den größten Anteil am entscheidenden 3:0-Sieg gegen Kanada hatte.

Der Hauptangreifer hofft jetzt auf eine Leistungsexplosion: "Wir werden uns weiter steigern. Wer weiß, vielleicht werden wir ja Weltmeister..."

Gegen Puerto Rico und Italien

Möglich macht das nach zwei deutschen Vorrunden-Pleiten der umstrittene Modus. In jeder Runde geht es bei null los, und Deutschland hat als Gruppendritter ausgerechnet den vermeintlich leichtesten Dreier-Pool erwischt.

Am Donnerstag (16.55 Uhr im LIVESTREAM) geht es zunächst gegen Puerto Rico, das schon bei der WM 2006 mit 3:1 besiegt wurde. Am Freitag (21.00 Uhr) folgt das Duell gegen Gastgeber Italien, gegen den es kurz vor den Titelkämpfen in einem von zwei Testspielen ein 3:2 gab.

Schon Platz zwei reicht für den Einzug in die dritte Runde, wo auf dem Weg ins Halbfinale ebenfalls keine unschlagbaren Gegner warten.

"In jedem Element etwas Sand im Getriebe"

Selbst der sonst zurückhaltende Sportdirektor Günter Hamel hofft nach der gerade noch abgewendeten historischen Blamage - 1956 war zuletzt eine deutsche Mannschaft ohne Sieg von einer WM nach Hause gefahren - auf eine Überraschung.

[kaltura id="0_1fxzcmh6" class="full_size" title="DVV Team doch noch weiter"]

"Der Modus dieser WM ist absoluter Humbug, aber genau deshalb ist für uns vieles möglich", sagte Hamel. Allerdings müsse sich die Mannschaft jetzt endlich freispielen und eine Leistung wie in den Testspielen zeigen, in denen neben Italien auch Weltmeister Brasilien zweimal besiegt wurde.

"Bisher war in jedem Element etwas Sand im Getriebe. Ob bei unseren Leistungsträgern Georg Grozer und Patrick Steuerwald oder unserer eigentlich größter Starke, im Block", analysierte Hamel: "Immerhin hatte man gegen Kanada das Gefühl, dass wir endlich im Turnier sind."

Zehn Deutsche erstmals bei einer WM

Nach dem blamablen 0:3 zum Auftakt gegen Serbien gab es schon beim 2:3 gegen den ungeschlagenen Gruppensieger Polen eine Steigerung, ehe gegen Kanada trotz des riesigen Drucks der nötige Sieg eingefahren wurde.

"Darauf kann man aufbauen. Man darf nicht vergessen, dass 10 unserer 14 Spieler zum ersten Mal bei einer WM sind", sagte Kapitän Björn Andrae.

In den Statistiken nach der Vorrunde zählt nur Libero Ferdinand Tille zur Weltspitze, doch das soll sich ändern: "Jetzt werden sicher alle lockerer werden. Wir brauchen nicht anzufangen rumzuphantasieren, aber jetzt ist wieder alles möglich."

Wider den Ruf des Testspiel-Weltmeisters

Schließlich geht es auch darum, endlich zu beweisen, dass Deutschland nicht der Testspiel-Weltmeister ist, der im entscheidenden Moment immer versagt.

Hamel: "Diese Meinung über das deutsche Volleyball steckt auch in den Hinterköpfen mancher Spieler drin. Aber wir haben schon mit dem Europaliga-Sieg letztes Jahr bewiesen, dass wir etwas gewinnen können."

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