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Björn Andrae wechselte im Sommer von Valentia zu Kuzbass Kemerovo © imago

Genau 40 Jahre nach dem Gold-Coup der DDR träumen die Deutschen von einer Medaille. Der Kapitän zieht Vergleiche mit den 70ern.

Catania - Vor genau 40 Jahren gewann die DDR sensationell den einzigen deutschen WM-Titel in der Geschichte des Volleyballs - und jetzt träumen die Nachfolger bei den Titelkämpfen in Italien von einem ähnlichen Coup.

"Klar träumt man von einer internationalen Medaille, am liebsten in Gold. Man spielt ja nicht Nationalmannschaft nur so zum Spaß", sagt Sebastian Schwarz.

Mit dem 3:0 gegen Puerto Rico hatte sein Team vor dem Duell mit Gastgeber Italien (ab 20.55 Uhr im LIVESTREAM) schon mal die Tickets für die dritte Runde in Rom gebucht, wo auf dem möglichen Weg ins Halbfinale ebenfalls schlagbare Gegner warten.

Aufmerksame Beobachter des Höhenflugs sind viele Weltmeister von damals.

"Eigentlich schon verloren"

Am 2. Oktober 1970 hatte die "Kommanda GDR", wie das Team bei den Titelkämpfen in Bulgarien damals genannt wurde, sensationell das "Wunder von Sofia" geschafft.

Beim 3:2-Triumph gegen die Gastgeber wurde damals ein 5:13-Rückstand im letzten Satz umgebogen. Damals galt noch die alte Zählweise, nach der 15 Punkte zum Satzgewinn nötig waren.

"Unser WM-Sieg hat sich durch die Leck-mich-am-Arsch-Stimmung einfach ergeben. Wir hatten ja eigentlich schon verloren", erzählt Wolfgang Weise, einer der Champions von 1970.

Dem heutigen Team mangelt es an Glauben

Das Volleyball-Magazin hatte den Spielmacher des Gold-Teams vor der WM mit dem aktuellen Kapitän Björn Andrae an einen Tisch gebracht.

Neben Unterschieden - Erfolgstrainer Herbert Jenter ließ damals zeitweise 40 Stunden pro Woche trainieren - entdeckten beide einige Gemeinsamkeiten. Vor allem in der Mentalität des "Alles-Geben-Wollens". "Das war 1970 so, und das ist auch heute noch so", sagt Andrae.

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Von der Truppe von damals unterscheide das Team von heute, "dass wir nicht so sehr daran glauben, Weltmeister werden zu können. Wenn wir das schaffen, wären alle von den Socken."

Aus dem Mittelmaß auf Platz 11

Das überhaupt darüber philosophiert wird, spricht für die Rückkehr des deutschen Volleyballs in die Weltspitze nach fast vier Jahrzehnten.

Damals hatte die DDR neben dem WM-Titel 1969 den Weltpokal und 1972 Olympia-Silber in München gewonnen.

In der Vita des Teams von heute steht immerhin schon der Europaliga-Sieg aus dem Vorjahr und der Aufstieg aus dem Mittelmaß auf Platz elf der Weltrangliste.

"Aber namentlich hängt es"

"Unser Weg geht stetig bergauf, auch wenn der große Knall noch nicht gekommen ist", sagt Björn Andrae.

Aber das kann sich ja in Italien ändern. `Natürlich denkt man mal daran, so etwas zu schaffen", sagt Max Günthör mit strahlenden Augen: "Aber dafür muss man realistisch bleiben und von Spiel zu Spiel denken."

Vom DDR-Weltmeisterteam von damals hat er schon "ein paar Mal" ein paar Leute gesehen: "Aber namentlich hängt es."

Vorbild Brasilien

Dem Mann kann geholfen werden. Rudi Schumann wurde 1970 als technisch bester Akteur ausgezeichnet, zu den Stützen zählten neben Weise außerdem Angreifer Arno Schulz oder Kapitän Siegfried Schneider.

Vor allem aber funktionierte die Mannschaft von damals als echte Gemeinschaft. Genau das könnte auch bei dieser WM das Erfolgsrezept werden.

"Die Brasilianer sind individuell nicht die Stärksten, aber als Team", sagt Andrae über den Titelverteidiger, den das deutsche Team im letzten WM-Test 3:0 besiegt hatte: "Du brauchst ein kompaktes Team, dann kannst du alle schlagen."

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