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Robert Kromm wurde 2004 mit dem SSC Berlin Deutscher Meister © imago

Das DVV-Team will in der dritten WM-Runde "Deutschland wachrütteln". Die nächtliche Aussprache ergibt: "Wir sind zu labil".

Catania - Wecken war um 4.30 Uhr auf Sizilien, um 9.05 Uhr landeten Deutschlands Volleyball-Frühaufsteher am Sonntag zur finalen Etappe der Mission WM-Medaille in Rom.

"Es wäre Wahnsinn, wie Deutschland wachgerüttelt wird, wenn wir hier ins Halbfinale einziehen", sagte Kapitän Björn Andrae.

Das erste deutsche WM-Edelmetall seit 40 Jahren ist nun tatsächlich greifbar nahe: "Natürlich träumt jeder vom Podest. Und der Glaube ist da, dass wir das auch schaffen können."

Es wird kein einfacher Weg, denn in Runde drei müssen das bisherige WM-Überraschungsteam Tschechien (Di, 16.55 Uhr im LIVESTREAM) und Titelverteidiger Brasilien (Mi, 16.55 Uhr im LIVESTREAM) aus dem Weg geräumt werden.

Es braucht "keine Wunder"

Der Optimismus ist bei Geburtstagskind Sebastian Schwarz trotz der bisher mäßigen WM-Bilanz von zwei Siegen und drei Niederlagen groß: "Uns ist bewusst, dass wir mit zwei guten Spielen im Halbfinale stehen. Wir müssen keine Wunder vollbringen."

Andrae fügte hinzu, dass Tschechien "schlagbar" sei und die im letzten WM-Test 3:0 besiegten Brasilianer "nicht mehr die Übermannschaft der letzten Jahre" haben.

Nach der bitteren 1:3-Pleite gegen Italien nach 1:0-Führung im letzten Zweitrundenmatch hatte die Mannschaft die kleine Feier zum 25. Geburtstag von Schwarz zu einer Art Krisengespräch genutzt.

Ein Spiegelbild der bisherigen Auftritte

Es wurde gesungen, Robert Kromm spielte Klavier, dann wurde Bier getrunken und Tacheles geredet. "Jeder hat gesagt, was ihm auf dem Herzen liegt und was wir in der Gruppe besser machen müssen",

berichtete Andrae: "Das Italien-Spiel hat alle noch einmal aufgeweckt. Wir können auch so eine Topmannschaft dominieren, aber wir dürfen uns keine Konzentrationspausen mehr erlauben."

Die Niederlage war ein Spiegelbild der bisherigen deutschen WM-Leistung zwischen Weltklasse und Kreisklasse gewesen.

[kaltura id="0_3dt2hh4g" class="full_size" title="Bittere Schlappe gegen Italien"]

Lozano ohne glückliche Hand

"Wenn wir mal konstant gut spielen, können wir jeden schlagen", sagte Topscorer Grozer: "Aber wenn es schief läuft, dann richtig. Wir sind zu labil."

Auch Cheftrainer Raul Lozano hatte seinen Anteil am unnötigen 1:3, weil er den starken Zuspieler Patrick Steuerwald zu früh ausgewechselt und Angreifer Jochen Schöps zu spät eingewechselt hatte.

Quasi als Ausgleich gab der "kleine General" der Mannschaft entgegen seiner strikten Linie am Samstag eine Stunde zum Meeresbaden in Catania frei. Am Abend lud der nur 1,63 Meter große Argentinier seine Riesen dann zu Pizza und Bier ein.

Andrae warnt die Brasilianer

Gleichzeitig beseitigten die Italiener mit dem 3:1 gegen Puerto Rico die letzten kleinen Zweifel am deutschen Drittrunden-Einzug.

Und Brasilien sorgte mit einer gewollten 0:3-Pleite gegen Bulgarien dafür, in die vermeintlich leichte deutsche Gruppe eingeordnet zu werden.

"Es ist ein Armutszeugnis für den WM-Modus, dass Mannschaften bewusst verlieren können, um sich den leichtesten Weg zu suchen. Mal sehen, ob es eine gute Idee der Brasilianer war", sagte Andrae dazu.

"Eine große Show bieten"

Auch Deutschland ist ein Profiteur des Systems, denn bei keinem anderen Großereignis wäre man mit nur zwei Siegen gegen Kanada (3:0/Vorrunde) und Puerto Rico (3:0/2. Runde) unter die letzten Zwölf gekommen.

"Das ist verrückt, dass wir trotz drei Niederlagen noch dabei sind und etwas reißen können", sagt Andrae.

Am Sonntagabend wird erstmals in der fast 11.000 Zuschauer fassenden Palalottomatica-Halle trainert: "Jetzt sind wir dort angelangt, wo wir hinwollen und können frei aufspielen. Wir können gegen zwei große Gegner eine große Show bieten."

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