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Seit 1970 holte kein deutsches Herren-Team mehr eine WM-Medaille © imago

Erst Tschechien, dann der Pontifex. Mit einem Sieg gegen das Nachbarland soll der Traum von einer WM-Medaille am Leben bleiben.

Rom - Zeit für eine Audienz bei Benedikt XVI. blieb nicht, und so wollen sich Deutschlands Volleyball-Riesen in Rom auch ohne päpstlichen Beistand ihren Traum von der ersten Medaille seit 40 Jahren erfüllen.

Vor dem Drittrundenspiel am Dienstag gegen Tschechien (Di, 16.55 Uhr im LIVESTREAM) schwor sich das Team beim Training in der riesigen Palalottomatica-Halle auf den ganz großen Triumph ein.

Am Mittwoch geht es bereits gegen den Titelverteidiger Brasilien (Mi, 16.55 Uhr im LIVESTREAM) weiter.

"Das ist eine große Chance für diese unerfahrene Mannschaft. Auch wenn wir sehr starke Gegner haben, wollen wir für das Halbfinale in Rom bleiben. Das ist unser Traum", sagte Bundestrainer Raul Lozano, der vor der WM noch Platz sechs als Maximalziel ausgegeben hatte.

"Sieg ist Pflicht"

Auch Werner von Moltke hofft auf den ganz großen Wurf.

"Uns fehlt bislang das Salz in der Suppe - das sind die ganz großen sportlichen Erfolge. Aber diesmal können wir es schaffen", sagte der Verbandschef, der sich dieser Tage wieder um einen Sponsor für das "nackte" Trikot des Nationalteams bemüht.

"Gegen Brasilien haben wir den letzten Test gewonnen, auch wenn das kein Maßstab für die WM ist. Gegen Tschechien ist ein Sieg Pflicht."

Leicht gesagt, schwer getan. Zwar hatte man den Ex-Weltmeister in den letzten Duellen immer gut im Griff, aber bei der WM schwimmt Tschechien bisher auf einer Welle des Erfolgs.

Tichacek als Erfolgsgarant

Nach der Auftakt-Niederlage gegen Frankreich wurden unter anderem der WM-Dritte Bulgarien und Olympiasieger USA bezwungen.

Garant des Erfolges ist der laut WM-Statistik derzeit weltbeste Zuspieler Lukas Tichacek, der in Deutschland beim Champion VfB Friedrichshafen sein Geld verdient.

"Sie spielen superschnell, sind das Überraschungsteam der WM. Man sollte nicht den Fehler machen, auf frühere Vergleiche zurückzublicken. Aber wenn wir richtig gut spielen, können wir sie schlagen", sagt Blockspezialist Max Günthör.

[kaltura id="0_3dt2hh4g" class="full_size" title="Deutschland unterliegt Italien"]

Er will schließlich irgendwann noch vom außerhalb der Stadt gelegenen Teamhotel zum Sightseeing rund um den Petersdom fahren: "Rom ist eine Superstadt, hier wollen wir bis zum Ende bleiben."

Obwohl die WM-Bilanz mit zwei Siegen und drei Niederlagen bisher eher durchwachsen ist, scheint das Selbstbewusstsein beim deutschen Team intakt.

Brasilien ist angeschlagen

"Immer, wenn es bei dieser WM um alles oder nichts ging, haben wir gewonnen und dem Druck standgehalten", sagt Deutschlands Topscorer Georg Grozer: "Und jetzt geht es in jedem Spiel um alles oder nichts."

Egal, wie das Spiel gegen Tschechien ausgeht, durch das System mit den Dreierpools wird die Entscheidung über den möglichen Halbfinal-Einzug in jedem Fall erst im Gruppenfinale gegen Brasilien fallen.

Der Weltmeister scheint angeschlagen, kassierte schon zwei Niederlagen und hat nicht nur wegen der 0:3-Pleite im letzten Test in Heidelberg größten Respekt vor Deutschland.

Brasiliens Trainer skeptisch

"Das wird ganz schwierig. Deutschland ist sehr ausgeglichen und hat uns zuletzt Probleme bereitet", sagt Trainer Bernardinho.

Eine Prämie für die erste deutsche Medaille seit dem WM-Titel der DDR 1970 kann der chronisch klamme Deutsche Volleyball-Verband (DVV) übrigens nicht zahlen.

"Bei Bayern München ist die sportliche Situation momentan schlechter als bei uns, dafür haben die mehr Geld", sagt von Moltke mit einem Augenzwinkern.

Aber vielleicht würde ja der Papst im Falle eines Medaillengewinns die deutschen Volleyballer doch noch empfangen.

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