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Raul Lozano (m.) gewann mit Polen 2006 WM-Silber © getty

Nach der Pleite gegen Brasilien nennt der Bundestrainer die Gründe für das Scheitern und kritisiert das Niveau der Bundesliga.

Rom - Die Enttäuschung über die vertane Chance auf die erste WM-Medaille seit 40 Jahren war groß, doch Deutschlands Volleyballer blickten nach einem gemeinsamen Pizzaessen in Rom schnell wieder nach vorn.

Bundestrainer Raul Lozano mahnte Änderungen in Bundesliga und Verband an, damit der Podestplatz bei Olympia 2012 "nachgeholt" werden kann.

Am Donnerstagmorgen flog das Team jedoch erstmal nach Modena, wo in den Platzierungsspielen der fünfte Rang bei der WM anvisiert wird. Erster Gegner ist am Freitag Olympiasieger USA.

"Das ist zwar momentan nicht der schönste Moment, aber man muss analysieren, welche Entwicklung dieses Team genommen hat. Wir waren Anfang des Jahres 17. der Weltrangliste und sind hier unter den besten Acht", sagte Lozano.

Beste Platzierung seit 36 Jahren

Der Trainer wollte trotz des bitteren 0:3 gegen Titelverteidiger Brasilien erst gar keine Negativstimmung aufkommen lassen: "Das ist das beste WM-Ergebnis, seit Deutschland wiedervereinigt ist. Viele sprechen über uns als Überraschung des Turniers."

Tatsächlich steht schon jetzt die stärkste deutsche WM-Platzierung seit 36 Jahren fest, als die DDR Rang vier belegt hatte.

"Verlieren okay, aber nicht so"

Trotzdem war der Ärger bei den Riesen groß, weil die Medaille diesmal so greifbar wie nie zuvor in den letzten Jahrzehnten gewesen war.

"Man kann gegen Brasilien verlieren, aber nicht so. Wir haben im entscheidenden Moment einfach nicht das gespielt, was wir können", sagte Jochen Schöps.

Schwächste Turnierleistung

Der deutsche Topscorer Georg Grozer war genauso ein Ausfall wie die beiden Spielmacher Simon Tischer und Patrick Steuerwald.

Bei der Berg- und Talfahrt zwischen Weltklasse und Kreisklasse in Italien zeigte das deutsche Team ausgerechnet im wichtigsten Moment seine schwächste Leistung.

[kaltura id="0_2iuwooe1" class="full_size" title="Deutschland unterliegt Brasilien"]

Fehlende Erfahrung auf Topniveau

Chefcoach Lozano sah den Grund dafür in der fehlenden Erfahrung seiner jungen Mannschaft, in der 10 von 14 Akteuren ihre erste WM spielen: "Meine Spieler haben in den vorangegangenen WM-Partien einfach zu viel mentale Energie verbraucht, um gegen Brasilien gewinnen zu können."

Die meisten Nationalspieler seien in der Bundesliga aktiv, wo sich nicht kontinuierlich auf internationalem Topniveau gefordert würden.

"Es gibt viele verschiedene Bereiche, in denen wir uns weiterentwickeln müssen. In der Bundesliga können wir noch vieles besser machen. Von der Promotion her, technisch, taktisch, bei den Trainern. Wie viele Bundesliga-Trainer waren hier bei der WM, um sich zu informieren? Keiner", kritisierte der Argentinier.

Medaile in London ist das Ziel

Auf der Tribüne in Rom saß neben Sportdirektor Günter Hamel nur ein Vertreter des DOSB, mit dem der Verband als gemeinsame Zielvereinbarung eine Medaille für die Hallen-Nationalteams bei Olympia 2012 hat.

"Ich glaube an die Chance. Aber es gibt keine mathematische Formel, nach der man das und das tut und dann automatisch eine Medaille gewinnt. Wir werden trainieren, wir werden weiter wachsen und uns entwickeln", sagte Lozano.

Nicht noch eine Niederlage

Die erste Chance dafür bietet sich bei den WM-Platzierungsspielen, die mit den Gegnern USA, Russland und Bulgarien nicht schlechter als die Halbfinals (Brasilien gegen Italien und Serbien gegen Kuba) besetzt sind.

Libero Ferdinand Tille will den Frust in positive Energie umsetzen: "Wir wollen beide Spiele gewinnen und in jedem Fall Fünfter werden. Ich will nicht mit noch so einer Niederlage von diesem Turnier nach Hause fahren."

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