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Brasilien kam bei jeder Weltmeisterschaft seit 1982 unter die ersten fünf © getty

Die Südamerikaner schlagen Außenseiter Kuba deutlich mit 3:0. Deutschlands Erfolg vor der WM erweist sich als Muster ohne Wert.

Modena - Als Brasilien seinen Titel-Hattrick perfekt machte, waren Deutschlands Volleyballer trotz der besten WM-Platzierung seit 36 Jahren längst enttäuscht daheim angekommen.

Nur Ferdinand Tille war als bester Libero der Titelkämpfe Zeuge, wie Brasilien mit einem 3:0 (25:22, 25:14, 25:22) im Finale gegen Kuba den Platz an der Sonne verteidigte.

Im letzten WM-Test hatten die am Ende trotz der schwachen WM-Bilanz von drei Siegen und sechs Niederlagen achtplatzierten deutschen Riesen noch mit 3:0 gegen den alten und neuen Champion triumphiert.

Bronze gewann Serbien nach einem 3:1 gegen Gastgeber Italien.

Lozano unzufrieden

"Brasilien ist ein verdienter Weltmeister. Wir sind wie ein 100-m-Läufer, der zwar seinen Rekord geschlagen hat, aber es reicht einfach noch nicht fürs Finale", sagte Bundestrainer Raul Lozano.

"Das Resultat ist für Deutschland sehr gut. Aber mit der Performance am Ende der WM bin ich überhaupt nicht glücklich", stellte der Argentinier nach dem verlorenen Spiel um Platz sieben klar.

Nachdem mit dem 0:3 gegen den späteren Champion Brasilien der mögliche Halbfinal-Einzug und die erste Medaille seit dem Titelgewinn der DDR 1970 verpasst worden war, folgten in Modena zwei bittere 0:3-Pleiten nach schwachen Auftritten gegen Olympiasieger USA und die Bulgaren.

"Hatten nichts zuzusetzen"

"Wir hatten am Ende einfach nichts mehr zuzusetzen. Weder mental noch körperlich", sagte Zuspieler Simon Tischer treffend.

Und der bei der WM als einziger deutscher Spieler wirklich überzeugende Abwehrspezialist Tille meinte: "Bester Libero der Welt hört sich natürlich super an. Aber als Mannschaft sind wir jetzt im ersten Moment schon alle sehr enttäuscht. Dabei werden wir in ein, zwei Wochen sicher zumindest über die Platzierung stolz sein."

Modus bringt Platz acht

1974 war zuletzt die DDR mit Rang vier in Mexiko-Stadt als letzte deutsche Mannschaft besser gewesen, doch den achten Platz von Italien hatte das Team vor allem dem seltsamen WM-Modus zu verdanken.

Nur gegen die Außenseiter Kanada, Puerto Rico und Tschechien gab es 3:0-Siege, gegen die großen Mannschaften - darunter mit Brasilien, Serbien und Italien drei WM-Halbfinalisten - setzte es durchweg Niederlagen.

"Wir haben gegen die Mannschaften gewonnen, gegen die wir immer gewonnen haben und gegen die verloren, gegen die wir immer verloren haben", sagte Angreifer Robert Kromm.

Konstanz fehlte

Dabei hatte der 3:0-Triumph im letzten Test vor der WM in Heidelberg gegen Brasilien Hoffnungen auf mehr gemacht.

"Es wird halt erst beim Höhepunkt abgerechnet, und da haben einige ihre Topform nicht gebracht", sagte Verbandschef Werner von Moltke: "Der achte Platz ist okay, aber es wäre hier mehr drin gewesen."

Im Gegensatz zu den Topteams fehlte vor allem die Konstanz auf höchstem Niveau.

Reifeprüfung bei Olympia

Und auch die Erfahrung im Spiel gegen Weltklasseteams - für 10 von 14 deutschen Spielern, die in der Mehrheit in der international nur mittelmäßigen Bundesliga spielen, war es die erste WM. Ex-Nationalspieler Marcus Popp meinte dazu als Zuschauer auf der Tribüne: "Das ist so, als müsste ein Hauptschüler das Abitur schreiben."

Die Reifeprüfung kommt für das junge deutsche Team spätestens bei Olympia 2012 in London, denn dort hat der DVV in den Zielvereinbarungen mit dem DOSB definitiv eine Medaille in der Halle eingeplant.

"Diese junge Mannschaft wird weiter reifen und hat eine Chance auf die Medaille", glaubt Lozano. Dann muss man allerdings nicht vor sondern während des Höhepunkts gegen Brasilien gewinnen.

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