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Fürst (l.) schaut dem Ball hinterher. Mit Katy Radzuweit stand der DVV-Block stabiler © imago

Die DVV-Frauen sind gegen den Goldanwärter chancenlos. "Wir hatten Angst", meint der Bundestrainer, ist aber "nicht traurig".

Nagoya - Bundestrainer Giovanni Guidetti vergrub das Gesicht tief in den Händen, seine Spielerinnen

hockten mit leerem Blick auf der Bank: Die deutschen Volleyballerinnen haben die Sensation gegen Brasilien und damit auch die erste WM-Medaille der Geschichte klar verfehlt.

Sie haben uns eine Lektion in Sachen Volleyball erteilt. Wir haben einfach zu viel Respekt gehabt", sagte Kapitän Christiane Fürst nach dem glatten 0:3 (16:25, 13:25, 21:25).

Nach nur 73 Minuten war das Halbfinale verspielt und der Medaillentraum geplatzt. Guidetti ärgerte vor allem, wie wenig Gegenwehr sein Team über weite Strecken leistete.

Brasilien "in einer anderen Liga"

"Wir hatten Angst, und dann hat man gegen Brasilien keine Chance. Sie haben in einer anderen Liga gespielt", meinte der Italiener.

Im letzten Spiel der Zwischenrunde muss am Mittwoch ausgerechnet gegen den Erzrivalen Niederlande ein Sieg her, um Platz acht und damit die erfolgreichste WM-Teilnahme seit 1994 zu erreichen.

Damals wurde Deutschland überraschend Fünfter. "Das ist unser Endspiel. Wenn wir das schaffen, ist das wie ein WM-Titel", sagte Guidetti.

"Wir können das schnell abhaken"

Allerdings werden beim Gedanken an das kleine Nachbarland böse Erinnerungen an die WM vor vier Jahren wach. In der Zwischenrunde verlor Deutschland gegen die Niederlande trotz eines Matchballs 2:3. Am Ende der Runde fehlten drei Punkte zum vierten Platz in der Gruppe.

Doch in diesem Jahr steht eine deutlich verbesserte deutsche Mannschaft auf dem Court, die selbst herbe Niederlagen wie die gegen Brasilien schnell verarbeiten kann.

"Wir können das schnell abhaken, das ist vielleicht der große Unterschied zum damaligen Team", sagte Zuspielerin Kathleen Weiß.

Ssuschke mit acht Punkten top

Gegen die ballsicheren Brasilianerinnen erwischte auch die bisher stark spielende Regisseurin einen schlechten Tag.

In den ersten beiden Sätzen schaute das gesamte Team mehr oder weniger zu, wie Brasilien einen Punkt nach dem anderen verbuchte. Dabei dominierten die Schmetterkünstler vom Zuckerhut ohne wirklich zu brillieren.

Die schwache Punktausbeute der DVV-Frauen stand spiegelbildlich für ihre Leistung. Gerade mal acht Zähler reichten Corinna Ssuschke, um Top-Scorerin des Guidetti-Teams zu werden.

Mehr Stabilität mit Radzuweit/Matthes

Margareta Kozuch fand überhaupt kein Mittel gegen den brasilianischen Block und verbuchte mit nur sechs Punkten ihre schlechteste Ausbeute des Turniers.

Bei Brasilien erzielte allein Natalia 20 Punkte. Erst im dritten Durchgang glaubte die unerfahrene deutsche Mannschaft mehr an sich und zog prompt mit 12:8 davon.

Mit Kathy Radzuweit statt Fürst im Mittelblock und Anne Matthes im Außenangriff hatte das Team mehr Stabilität und Durchschlagskraft.

Guidetti: "Ich bin nicht traurig"

Am Ende setzte sich jedoch die Klasse Brasiliens durch, als die Südamerikanerinnen von 17:18 auf 21:18 davonzogen und den Vorsprung nicht mehr hergaben.

Zumindest kann sich die deutsche Mannschaft damit trösten, laut Guidetti gegen den kommenden Weltmeister gespielt zu haben.

"Brasilien wird das leicht gewinnen. Vielleicht haben sie gegen Russland kleine Probleme", sagte der Italiener, der vor der WM noch von Platz vier geträumt hatte: "Dazu hätte aber alles passen müssen. Ich bin nicht traurig."

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