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Margareta Kozuch (r.) war bei der EM 2009 in Polen punktbeste Akteurin des Turniers © imago

Die DVV-Frauen feiern nach dem Sieg gegen Holland ihre beste WM seit 1994. Die Topscorerin lässt ihren Gefühlen freien Lauf.

Nagoya - Giovanni Guidetti fiel Christiane Fürst stürmisch um den Hals, bei Margareta Kozuch kullerten die Freundentränen und Kerstin Tzscherlich forderte tanzend ihr Siegerbier:

Die deutschen Schmetterlinge haben bei der Volleyball-WM Platz acht bereits sicher, und dürfen sich damit über die erfolgreichste deutsche WM-Teilnahme seit 16 Jahren freuen.

Im letzten Spiel der Zwischenrunde wurde Erzrivale Niederlande im japanischen Nagoya teilweise vorgeführt.

"Es ist unglaublich. Seit vier Jahren träume ich von diesem Moment, seit acht Wochen habe ich nicht mehr richtig geschlafen. Es ist eine Ehre für mich, dieses Team zu trainieren", sagte der sichtlich ergriffene Guidetti nach dem 3:1 (25:12, 25:14, 19:25, 27:25) gegen den Vize-Europameister.

Allein die Italien-Schlappe ärgert

Die mit 25 Punkten überragende Angreiferin Kozuch konnte ihr Glück kaum fassen.

"Es war so viel Emotion, so viel Druck in diesem Spiel. Jetzt fällt alles ab", sagte die 24-Jährige und wischte sich die Tränen aus den Augen: "Jetzt spielen wir ohne Druck und haben es verdient, hier noch mehr Spiele zu gewinnen."

Ärgerlich dürfte im Nachhinein allein das unnötige 1:3 gegen Italien sein. Hätte das Guidetti-Team, das bei einer 1:0-Führung im zweiten Durchgang fünf Satzbälle vergab, den Europameister besiegt, stünde es wahrscheinlich im Halbfinale.

Im Shinkansen nach Tokio

Derlei Gedankenspiele waren der Mannschaft jedoch völlig egal. Schließlich hat sie die von Präsident Werner von Moltke vorgegebene Zielsetzung Platz acht souverän erfüllt.

Nach dem Match belohnten sich die Spielerinnen mit einer kleinen Feier in einer Pizzeria und schmiedeten bereits Pläne für den weiteren Turnierverlauf.

Am Donnerstagmorgen ging es mit dem 300 km/h schnellen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen zur Finalrunde nach Tokio.

Zweimal Blech für die DDR

Am Samstag trifft die unerfahrene Mannschaft mit neun WM-Debütantinnen dort in der Runde um die Plätze fünf bis acht zunächst auf die Türkei.

Zuletzt hatte eine deutsche Frauen-Auswahl 1994 Platz fünf belegt. Am erfolgreichsten waren die DDR-Teams 1974 und 1986, die als jeweils Vierte das Edelmetall nur knapp verpassten.

Gegen die Niederlande hätte zwar auch eine Niederlage mit maximal zehn Punkten Differenz gereicht, doch Fürst und Co. wollten sich auf keine Rechenspielchen einlassen.

Service-Opfer Grothues

Von Beginn an gingen die DVV-Frauen konzentriert zu Werke und übernahmen Mitte des ersten Satzes endgültig das Kommando.

Beim Stand von 14:12 übernahm Maren Brinker den Aufschlag und servierte bis zum Satzgewinn durch.

Auch im zweiten Durchgang hielt die unglaubliche deutsche Serie. Nach insgesamt 23 Punkten in Serie stand es 11:0. Taktikfuchs Guidetti ließ Brinker und später Kathleen Weiß immer wieder auf die in der Annahme schwache Maret Grothues servieren.

Fürst verwandelt den Matchball

"Die Niederlande hatte einen sehr schlechten Start, aber meine Spielerinnen haben selbst bei so vielen Punkten in Folge immer konzentriert weitergespielt. Das war der Schlüssel", sagte Guidetti.

Im dritten Durchgang spielten die Niederlande jedoch deutlich besser und gewannen den Satz, das Spiel drohte zu kippen.

Im vierten Satz lag Deutschland bereits 17:22 zurück, kämpfte sich jedoch bravourös zurück. Ein krachender Block von Spielführerin Fürst beendete beim zweiten Matchball das verbissene Duell und schickte die Niederlande in die Runde um die Plätze neun bis zwölf.

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