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Heike Beier (l.) wechselt nach der WM zu Sankt Petersburg © imago

Durch die starken WM-Auftritte wecken die deutschen Frauen das Interesse ausländischer Klubs. Es droht eine Abwanderungswelle.

Tokio - Von Exoten zu Leistungsträgern: Durch die erfolgreichste WM-Teilnahme seit 16 Jahren sind die Aktien der deutschen Volleyballerinnen noch einmal deutlich gestiegen.

Hatte eine Deutsche bei einem ausländischen Verein vor ein paar Jahren noch einen regelrechten Exoten-Status, so spielt nun bereits das halbe Team in der Fremde - und weitere Wechsel werden folgen.

Bundestrainer Giovanni Guidetti ist von dieser Entwicklung begeistert. "Ich kann das nur unterstützen. Sie spielen dann auf einem höheren Niveau und spielen jedes Jahr Champions League.

Mehr kann sich ein Trainer nicht wünschen", sagt der Italiener.

Wenn sich seine Schmetterlinge auch auf Klubebene mit den besten Gegnern messen, profitiert davon letztlich die deutsche Auswahl. Angelina Grün war lange die einzige Deutsche im Ausland, sieben Jahre spielte sie in Italien.

Italien auf dem absteigenden Ast

Doch die neue Generation hält es eher mit dem Motto "Go East".

Durch die zunehmenden finanziellen Probleme wird das einstige Volleyball-Paradies Italien immer unattraktiver.

Spielten in der vergangenen Saison noch fünf Nationalspielerinnen in Italien, so ist es in dieser Spielzeit nur noch Angreiferin Anne Matthes.

Geld lockt in den Osten

Corina Ssuschke schmettert bereits im zweiten Jahr im tschechischen Prostejov, Margareta Kozuch hat bei Odinzowo nahe Moskau angeheuert.

"Natürlich spielt das Geld eine Rolle. Ich werde nicht jünger und verdiene mein Geld nun mal mit Volleyball", sagt die beste deutsche Punktesammlerin der WM.

Kozuch büffelt bereits fleißig Russisch und schaut sogar Filme in der fremden Sprache.

Auch Schöps und Beier in Russland

Allein wird sie jedenfalls in Russland nicht sein, denn Nationalspieler Jochen Schöps steht ebenfalls in Odinzowo unter Vertrag.

Auch Heike Beier zog es nach Russland. Etwa 650 Kilometer nordwestlich von Odinzowo wird Sankt Petersburg ihr neues Zuhause.

Mäßiges Niveau in der Bundesliga

Der Schritt ins Ausland wird den deutschen Spielerinnen durch die schwache heimische Liga fast schon aufgezwungen, wollen sie einmal Weltklasse sein.

Die Bundesliga ist zu einem großen Teil semiprofessionell und für die richtig guten Ausländer damit unattraktiv.

Als Konsequenz daraus entwickelt sich das Niveau der Liga nur langsam. Somit wird künftig auch für Talente wie Saskia Hippe, Maren Brinker oder Junioren-Weltmeisterin Lenka Dürr der Weg ins Ausland führen.

Abenteuer Aserbaidschan

Auch die bei der WM bisher starke Zuspielerin Kathleen Weiß sah in Deutschland keine Perspektive mehr. Nach Stationen in Amsterdam und Perugia wagt sie ab Ende November das Abenteuer Aserbaidschan.

Für einen Tag war sie bereits in Baku bei ihrem künftigen Klub. "Das Angebot kam ziemlich früh, und ich dachte mir, es ist gut etwas in der Hinterhand zu haben. Dann haben sie aber immer mehr Ausländer verpflichtet und dadurch fiel die Entscheidung leicht", sagt Weiß.

Die 26-Jährige gibt offen zu, dass vor allem das Geld den Ausschlag gegeben hat. Hinzu kommt die kurze Saison von nur fünf Monaten.

Dann soll das Kapitel Baku wieder beendet werden. Oder auch nicht. Denn in dem mit üppigen Ölfeldern gesegneten Staat wird kräftig investiert, um Volleyball als große Sportart zu etablieren.

Auch Türkei "boomt"

Ähnliches begann vor etwa fünf Jahren in der Türkei. Immer mehr Ausländer wurden mit hohen Gehältern gelockt, die Liga wurde zu einer der stärksten des Kontinents. Und natürlich kann man auch am Bospurus nicht auf einen Schmetterling verzichten.

Fenerbahce Istanbul hat vor wenigen Wochen Kapitän und Mittelblockerin Christiane Fürst verpflichtet. Der Klub gilt als bester Verein Europas und als nächster potenzieller Champions-League-Sieger.

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