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Christiane Fürst (l.) gewann mit Foppapedretti Bergamo die Champions League © imago

Das DVV-Team verbessert mit Platz sieben bei der WM seine Olympia-Chancen. Der Titel geht ein weiteres Mal nach Russland.

Tokio - Als die Russinnen nach der erfolgreichen Titelverteidigung mit der Goldmedaille um den Hals durch die Halle hüpften, jubelten ihnen die erschöpften deutschen Schmetterlinge von der Tribüne aus zu.

Wenige Stunden zuvor hatte das Team von Giovanni Guidetti Serbien im Spiel um WM-Platz sieben mit großem Kampfgeist 3:1 (20:25, 25: 21, 25:22, 25:23) besiegt und die Vorfreude auf auf die Olympischen Spiele 2012 geschürt.

"Gewinnen heißt nicht immer, eine Medaille zu holen. Gewinnen heißt auch, in jedem Spiel ans Limit zu gehen. Diese WM war über dem Limit", sagte der geschaffte, aber auch erleichterte Bundestrainer Guidetti:

"Mit diesem jungen Team Platz sieben bei der WM zu erreichen, ist ein toller Erfolg für den deutschen Volleyball."

Fürst ausgezeichnet

Ein zusätzliches Bonbon: Spielführerin Christiane Fürst wurde überraschend wie vor vier Jahren als beste Blockerin ausgezeichnet und erhielt 15.000 Euro Prämie.

Einen tollen Tag in Tokio feierten auch die Russinnen. Gegen Olympiasieger Brasilien holte das Team um Superstar Ljubow Schaschkowa zweimal einen Satzrückstand auf und nutzte im fünften Satz gleich den ersten Matchball.

Bronze sicherte sich völlig überraschend Gastgeber Japan durch ein 3:2 gegen den Olympia-Zweiten USA.

"Als wäre es das Finale"

Das deutsche Team hatte sich nach dem 2:3 gegen die Türkei am Samstag noch einmal zusammengerauft.

Nach dem 0:1 wurde erstmals im Turnier ein Rückstand gedreht, Margareta Kozuch lieferte gegen die Serben mit 29 Punkten ihre beste Leistung der dreiwöchigen Tortur ab.

Guidetti war wieder einmal überrascht von seinen Frauen: "Das Team hat nochmal gespielt, als wäre es das Finale."

Ein Loch vor dem Türkei-Spiel

In elf Spielen ging die Mannschaft nur viermal als Verlierer vom Platz. Drei der Niederlagen kassierte sie dabei gegen Olympiasieger Brasilien, den Olympiazweiten USA und Europameister Italien.

"Wir haben trotzdem einen Schritt nach vorn gemacht, denn wir glauben auch gegen solche Gegner an uns", sagte Guidetti. Das Herz und der Kopf stimmten, jetzt müsse man am Volleyball arbeiten.

Am unglücklichsten war sicherlich das 2:3 gegen die Türkei, das die Mannschaft mit ihrer schlechtesten Turnierleistung selbst verschuldete.

"Sie waren vorher so auf das Ziel Platz acht fokussiert und sind dann ein bisschen in ein Loch gefallen", sagte Sportdirektor Günter Hamel.

Olympia-Chancen verbessert

Hamel dürfte der siebte Rang vor allem mit Blick auf die Weltrangliste gefallen haben.

Nach der WM wird das derzeit noch auf Platz elf notierte deutsche Team einen großen Sprung nach vorn machen und hinter Russland, Italien, Serbien und Polen die Nummer fünf in Europa sein.

Für die letzte Olympia-Qualifikation im Mai 2012 werden die zwei besten europäischen Teams eingeladen, die bis zu diesem Zeitpunkt das London-Ticket noch nicht sicher haben.

"Klare Zielsetzung"

Damit hätte die deutsche Mannschaft mehr als eine Chance, sich für die Sommerspiele in London zu qualifizieren.

"Die Qualifikation ist unsere klare Zielsetzung. In London soll dann Platz sechs herausspringen", sagte Hamel.

Finanziell hat die erfolgreiche WM für den nicht gerade auf Rosen gebetteten Verband kaum Auswirkungen. "Dazu muss der Big Bang her, eine Medaille bei Olympia zum Beispiel", meinte Hamel.

"Vielleicht schafft noch eine den Sprung"

Bis dahin steht Guidetti viel Arbeit bevor, seinen WM-Heldinnen gab er aber bereits einen Freifahrtschein für die kommenden Aufgaben.

"Das Team wird auf jeden Fall bis 2012 zusammenbleiben. Vielleicht schafft noch eine junge Spielerin den Sprung", sagte der Italiener.

Das nächste Jahr ist vollgepackt mit Herausforderungen, bei denen viele Punkte für die Weltrangliste verteilt werden. Die EM in Italien und Serbien, der Grand Prix in China sowie der World Cup in Japan.

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