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Unter Giovanni Guidetti gewannen die DVV-Frauen 2011 EM-Silber in Serbien © imago

Nach dem Quali-Aus 2008 träumen die DVV-Frauen von London. Die Stärke des Teams sieht Guidetti nicht in der individuellen Klasse.

Okayama/München - Der kleine Makel in seinem Lebenslauf ärgert Giovanni Guidetti noch heute.

Die verpasste Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 in Peking ist aber auch so ziemlich das Einzige, was dem Volleyball-Bundestrainer der Frauen seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren misslungen ist.

Mit einem guten Endspurt beim World Cup in Japan kann der Italiener das nun endgültig vergessen machen - und mit seiner Mannschaft das Ticket für die Spiele 2012 in London lösen.

"Wir spielen hier im Grunde dreimal ein Finale, um unseren Traum von Olympia wahr zu machen", sagt Guidetti: "Was kann es Schöneres geben?"

Guidetti ist optimistisch

Mit einer beeindruckenden Serie von sechs Siegen aus acht Begegnungen liegt die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) vor den finalen Duellen mit Tabellenführer Italien (Mi., 7 Uhr), Gastgeber Japan (Do., 10.20 Uhr) und China (Fr., 7 Uhr) in Tokio auf dem vierten Rang (BERICHT: Olympia-Traum geht weiter).

Damit bestehen gute Chancen, eine von drei Olympia-Fahrkarten zu ergattern.

"Das sind sehr starke Gegner, die uns alles abverlangen werden. Aber wenn wir es schaffen, unser bestes Volleyball abzurufen, dann haben wir eine Siegchance", sagt Guidetti.

Teamgeist als große Stärke

Dass diese Möglichkeit besteht, ist vor allem seiner akribischen Arbeit zu verdanken. Professionalität lebt der Coach seinen Spielerinnen vor, Trainingstage mit bis zu sieben Stunden Arbeit sind keine Seltenheit.

"Wenn wir in die Weltspitze wollen, ist das unabdingbar", sagte der 1,78 Meter große Guidetti, der trotz fehlender Größe selbst ganz erfolgreich Volleyball spielte, bereits im Sommer.

Der "Maestro" setzt besonders auf den Mannschaftsgeist: "Wir wissen eben, dass wir nicht wie andere Teams die individuellen Qualitäten haben, um Spiele zu entscheiden, aber dafür haben wir unsere Stärke als Team."

Trainer pritscht am Spielfeldrand mit

Dabei kommuniziert der temperamentvolle Südländer, der seine "Schmetterlinge" im September überraschend bis ins EM-Finale gegen Serbien (2:3) geführt hatte, mit seinen Schützlingen ausschließlich auf Deutsch 462125(DIASHOW: Die DVV-Silbermädels).

Seine Herkunft ist "Gio" dennoch sehr wichtig. Regelmäßig besucht er mit Team und Trainerstab den nächstgelegenen Italiener, um seine Kultur zu pflegen.

Nach wie vor geht auch am Spielfeldrand der Italiener mit ihm durch, nach wie vor pritscht, baggert und springt er bis zum letzten Punkt mit - wenn auch mittlerweile in leicht gemäßigter Form.

Seit 16 Jahren als Trainer tätig

Guidetti kommt aus einer Volleyballer-Familie, sein Vater war ebenfalls als Trainer erfolgreich.

Sein Handwerk lernte der 39-Jährige unter anderem als Co-Trainer der italienischen Nationalmannschaft. Schon 1995, mit nur 22 Jahren, begann Guidetti seine Laufbahn als Chefcoach beim italienischen Zweitligisten Spezzano und stieg zwei Jahre später mit dem Verein in die erste Liga auf.

Den vorläufigen Höhepunkt seiner Trainerkarriere feierte er 2011, als er mit seinem Verein Günes Istanbul die Champions League gewann.

Nun soll mit der Nationalmannschaft der große Olympia-Coup folgen.

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