DVV-Team: Olympia-Feinschliff mit Spaß-Faktor
München - Besser kann es für die deutschen Volleyballer derzeit kaum laufen.
Das Olympia-Ticket ist gebucht, die Stimmung in der Mannschaft gelöst bis heiter, und in der World League läuft es rund. Bundestrainer Vital Heynen hat in seiner kurzen Amtszeit jedenfalls schon viel erreicht.
Da fallen auch die Reisestrapazen, die das Team wegen der Weltliga auf sich nimmt, nicht weiter ins Gewicht.
Einen Tag blieb der Mannschaft um Kapitän Björn Andrae, um die Olympia-Qualifikation zu feiern, dann ging es nach Buenos Aires.
Heynen wechselfreudig
Heynen gönnte allerdings einigen seiner Schlüsselspieler eine Auszeit. So war Punktegarant Georg Grozer in Argentinien ebenso wenig am Start wie Zuspieler Simon Tischer und Außenangreifer Marcus Popp (EXKLUSIV: Georg Grozer im Interview).
Heynen, der fast schon gebetsmühlenartig betont, er habe keine Stammsechs im Kopf, sondern mehr als zwölf gute Spieler, nutzte das zweite Vorrundenturnier, um seine Schützlinge noch besser kennenzulernen.
"Wir spielen hier jedes Mal mit einer anderen Aufstellung", sagte der Coach.
Deutschland bleibt Tabellenführer
Und der Erfolg gibt ihm Recht: Deutschland bleibt auch nach dem zweiten Turnier Spitzenreiter der Gruppe D.
Nach Siegen gegen Portugal und Argentinien beendete die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) den Ausflug zu den Gauchos mit einer knappen Niederlage gegen Bulgarien und hat nun 13 Punkte auf dem Konto ( BERICHT: Dämpfer fürs Heynen-Team).
Spielfreude ist zurück
Besonders stolz ist der Belgier darauf, dass bislang noch keine Mannschaft die Deutschen "richtig weggeputzt" hat: "Wir sind nach zwei Runden auf Platz eins, wer hätte das vor Beginn der Weltliga geglaubt?"
Heynen, der am Abflugtag seinen 43. Geburtstag feierte, gab der Mannschaft die Spielfreude zurück, die sie unter seinem glücklosen Vorgänger Raul Lozano verloren hatte.
Bei jeder Gelegenheit betont der Coach, wie wichtig der Spaß an der Arbeit ist: "Wenn ich keinen Spaß an meinem Job habe, kann ich ihn auch nicht gut machen."
Kapitän Andrae bleibt daheim
Der groß gewachsene "Volleyball-Verrückte" macht aber deutlich mehr, als für gute Stimmung zu sorgen.
Akribisch und konzentriert arbeitet Heynen mit jedem Spieler an seinen Stärken, nimmt seine Schützlinge in die Pflicht, fordert und fördert Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein.
"Ich bin der Begleiter der Mannschaft, ein Guide", so Heynen.
Um Kadernominierungen und Aufstellungen macht der Coach gern ein Geheimnis. Einen Tag vor dem Abflug nach Portugal steht jedoch fest, dass Grozer, Tischer und Popp in die Mannschaft zurückkehren werden.
Dafür musste Heynen Kapitän Andrae, Christian Fromm und Patrick Steuerwald zu Hause lassen.
Erster Final-Einzug in Sicht
Im portugiesischen Guimaraes trifft die DVV-Auswahl am Freitag auf die Gastgeber, am Samstag geht es gegen Lieblingsgegner Argentinien und am Sonntag wieder gegen Bulgarien.
Danach steht noch ein weiteres Vorrundenturnier in der bulgarischen Hauptstadt Sofia (29. Juni bis 1. Juli) an, direkt im Anschluss findet dort auch die Finalrunde statt.
Bislang ist es den deutschen Männern noch nie gelungen, die Endrunde zu erreichen, doch unter Heynen hat das Team gute Aussichten.
Am Finale (4. bis 8. Juli) nehmen die vier Gruppensieger, der beste Gruppenzweite sowie der automatisch qualifizierte Gastgeber Bulgarien teil.
Schöps angriffslustig
Bis zur Abreise nach London am 25. Juli ist es dann nicht mehr lang.
Heynen wird seinem Team noch ein paar Tage Ruhe gönnen, dann geht es zum letzten Lehrgang nach Heidelberg. Bei den Sommerspielen (27. Juli bis 12. August) warten in Weltmeister Brasilien, Titelverteidiger USA und Europameister Serbien richtig harte Brocken.
Egal, findet Diagonalangreifer Jochen Schöps: "Wir fahren nach London, um die anderen zu knacken. Auch wenn es schwer ist."
Harte Brocken in London
Zum Auftakt bekommen es die DVV-Herren mit Schwergewicht Russland zu tun. Das gab der Weltverband FIVB am Dienstag bekannt.
Nach der Partie gegen den Mitfavoriten am 29. Juli folgen für das Heynen-Team die Begegnungen mit Titelverteidiger USA (31. Juli), Europameister Serbien (2. August) und Afrika-Vertreter Tunesien (4. August).
Tischer versprüht Optimismus
Im letzten Spiel wartet dann Weltmeister Brasilien (6. August). Die vier Erstplatzierten der Gruppe B treffen im Viertelfinale auf die ersten Vier der anderen Gruppe mit Polen, Italien, Bulgarien, Argentinien, Australien und Großbritannien.
"Gegen Tunesien müssen wir gewinnen, gegen die USA und Serbien sind die Chancen sicherlich größer als gegen Russland und Brasilien. Wenn wir das Viertelfinale erreichen wollen, müssen wir mindestens eine dieser Top-Nationen schlagen", sagte Günter Hamel, Sportdirektor des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV).
"Die Gruppe ist eh der Hammer, von daher ist die Spielreihenfolge eigentlich egal. Gegen Russland ist ein Sieg sicherlich nicht Pflicht, danach kommen Gegner, die wir schlagen können, wenn wir die Form haben, die wir momentan zeigen", sagte Zuspieler Simon Tischer optimistisch.
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