vergrößernverkleinern
Zwischen Guidetti und Toksoy funkte es bei den Olympischen Spielen in London 2012 © imago

Der Bundestrainer heiratet demnächst eine Spielerin, gegen die er bei der EM noch antritt. Bei SPORT1 erklärt er den Spagat.

Von Martina Farmbauer

München - Giovanni Guidetti hat noch 40 Minuten Zeit. Dann steht ein Zahnarzttermin an.

"Ich will super fit sein für die EM", sagt der Trainer der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen. "Mit meinem Körper und Kopf - dazu gehören auch die Zähne."

Guidetti bleiben noch zwei Tage, um sich rundum in Form zu bringen, bevor in Deutschland und Zürich die Europameisterschaft (ab Fr., 16.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) steigt.

Danach geht es für ihn gleich weiter mit dem persönlichen Highlight. Guidetti heiratet - Bahar Toksoy, die bei der EM für die Türkei antritt.

Im Gespräch mit SPORT1 spricht Guidetti, 40, über die Trennung von Beruflichem und Privatem , die starke deutsche Vorrundengruppe und einen Oktoberfest-Besuch in voller Montur.

SPORT1: Herr Guidetti, in der türkischen Liga sind Sie Bahars Trainer, bei der Europameisterschaft in Deutschland spielen Sie beide um den Titel, allerdings in unterschiedlichen Mannschaften. Wie nah können Sie sich in dieser Zeit sein?

Guidetti: Es funktioniert sehr gut. Ich bin als deutscher Trainer hier und denke, dass wir uns in zehn Tagen einmal treffen werden, vielleicht. Wir sind Profis, wir wissen, wie wichtig diese EM sowohl für Deutschland als auch für die Türkei ist. Deshalb denken wir nur an Volleyball. Dann nach der EM: die Hochzeit. Und wir haben nichts mehr zu tun. Wir müssen nur noch hingehen und den Tag mit unseren Freunden genießen.

SPORT1: Also werden wir keine Küsschen zwischen Ihnen beiden sehen?

Guidetti: (lacht) Unmöglich ? unmöglich.

SPORT1: Am 8. September spielen Deutschland und die Türkei sogar gegeneinander. Wer profitiert da mehr von dem, was er über den anderen weiß?

Guidetti: Das ist schwer zu sagen. Natürlich wollen die türkischen Spielerinnen nicht gegen mich verlieren. Und natürlich will ich nicht gegen sie verlieren. Ich kenne die türkischen Spielerinnen gut, die türkischen Spielerinnen kennen meine Volleyballphilosophie gut. Die Türkei ist eine gute Mannschaft, Deutschland ist eine gute Mannschaft und beide Teams wissen, wie wichtig dieses Spiel ist. Es kann über den ersten Platz entscheiden.

SPORT1: "Wenn wir verlieren, kriegt sie ein Jahr lang den Schlüssel von der Wohnung nicht", haben Sie gewitzelt. Hat Bahar sich denn schon einen Schlüssel nachmachen lassen? Die Türkei ist stark einzuschätzen.

Guidetti: Ja ja, sie hat schon einen Zweitschlüssel. Ich muss dann wohl das Türschloss auswechseln. Es ist also besser wir gewinnen, dann muss ich gar nicht über dieses Problem nachdenken.

SPORT1: Außer der Türkei sind die Niederlande, gegen die die Spiele meistens sehr speziell sind, und Außenseiter Spanien in Ihrer Vorrundengruppe. Wie schwer schätzen Sie die Gruppe insgesamt ein?

Guidetti: Es ist eine starke Gruppe. Die Türkei ist eine der besten Mannschaften der Welt. Und die Niederlande sind ein Tean mit unglaublich guten Talenten. Spanien ist vom Ranking her nicht die beste Mannschaft, aber auch keine super leichte Mannschaft. Volleyball ist ein sehr schwerer Sport. Wenn Du nicht auf den Boden gehst, wenn Du nicht maximal springst, wenn Du nicht maximal spielst, kann jede Mannschaft schwer sein. Wir haben deshalb Achtung und großen Respekt vor allen Teams bei dieser EM.

SPORT1: Es ist eine Heim-EM, wie groß ist da der Erwartungsdruck? Bei der vergangenen EM in Serbien haben Sie die Silbermedaille gewonnen.

Guidetti: Eine EM ist immer ein unglaublicher Moment für einen Sportler. Wir haben die Chance, die beste Mannschaft in Europa zu werden. Und dieses Mal haben wir sie zum ersten Mal in Deutschland. Sooft haben wir erfahren, was es heißt gegen die Gastgeber zu spielen. Das war immer sehr, sehr schwer, wegen der Zuschauer und allem.

SPORT1: Erst im Finale der EM 2011, das Sie ja in fünf Sätzen gegen den Gastgeber verloren haben, haben Sie erlebt, welchen Beitrag die Zuschauer leisten können...

Guidetti: Absolut. In einem Moment hieß es 2:1 und 18:14 für uns. Serbien hat zwei Punkte gemacht, es stand also immer noch 18:16. Aber nach dem zweiten Punkt war es, als ob Serbien die Weltmeisterschaft gewonnen hätten. 10.000 Zuschauer standen auf und klatschten für die serbische Mannschaft. Die Atmosphäre hat sich total verändert. Noch drei Minuten vorher hatten wir die Goldmedaille fast in der Hand, zwei Minuten später haben die Serbinnen angefangen, daran zu glauben, dass sie gewinnen können.

SPORT1: Wie wollen Sie die Zuschauer in Deutschland so begeistern, wie das die serbische Mannschaft in Serbien gemacht hat?

Guidetti: Das wird in Deutschland nicht so leicht, wir müssen uns die Unterstützung verdienen. Gut spielen, um jeden Ball kämpfen, nie aufgeben - dann bin ich sicher, werden die Zuschauer mit uns kämpfen. Wenn wir eine schlechte Leistung bringen, wird uns niemand helfen.

SPORT1: Nach der Europameisterschaft steht nicht nur Ihre Hochzeit, sondern auch die Wiesn an. Haben Sie denn da auch schon einen Termin für einen Besuch? Angeblich hat Thomas Krone, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, mit Ihnen beim Oktoberfest im vergangenen Jahr den Titelgewinn als Ziel besprochen. Und wenn dies gelingt, Dirndl für die Frauen und eine Lederhose für Sie versprochen...

Guidetti: Ich bin bereit. Denn wenn wir auf das Oktoberfest gehen, bedeutet das, dass wir eine gute EM gespielt haben. Ich freue mich also, noch einmal dorthin zu gehen.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel