Bei SPORT1 spricht Deutschlands Hauptangreiferin Kozuch über die Heim-EM, Polens Lockrufe und ihre Sehnsucht nach Brasilien.

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Von Martina Farmbauer

München - Margareta Kozuch hat sich einst von ihrem Vater eine Weltkarte gewünscht, mit Pins, damit sie markieren kann, wo sie schon überall war.

Es gibt nur wenige Lücken auf dieser Karte, die deutsche Hauptangreiferin hat schon in vielen großen Ligen gespielt. Und wenn Kozuch, 26, nicht gerade in Sachen Volleyball unterwegs ist, lebt sie ihr Fernweh privat aus.

Doch nun macht die Weltenbummlerin einen Zwischenstopp, für eines der wichtigsten Turniere ihres Sports, die Europameisterschaft. Die steigt auch noch in Deutschland - ihr "eigenes Land". Aber so einfach ist das natürlich nicht.

Im SPORT1-Interview der Woche spricht Deutschlands Volleyballerin der Jahre 2010, 2011 und 2012 über ihre deutsche Heimat und polnische Wurzeln, die Bedeutung der Heim-EM (ab Fr., 16.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) und ihren Traum von Brasilien.

SPORT1: Frau Kozuch, es ist nicht unbedingt selbstverständlich, dass Sie für Deutschland spielen. Der damalige polnische Trainer Andrzej Niemczyk hätte Sie vor einigen Jahren auch gerne für sein Team gehabt. Sie haben sich allerdings gegen einen Wechsel entschieden. Welche Bedeutung hat da nun eine EM in Deutschland?

Margareta Kozuch: Es wird mit Sicherheit ein aufregendes Turnier. Und ich hoffe, dass wir den Schwung der Atmosphäre, der Menschen, der Fans auf unser Spielfeld mitnehmen - und diesen Heimvorteil nutzen.

SPORT1: Und für Sie persönlich?

Kozuch: Die damalige Entscheidung hat keinen Einfluss auf heute. Ich bin in Deutschland aufgewachsen und habe hier angefangen, Volleyball zu spielen. Ich fühle mich in der Mannschaft wohl und wollte das einfach nicht aufgeben. Man fühlt sich immer geehrt, im eigenen Land zu spielen.

SPORT1: Sie haben aber auch in Polen für Trefl Sopot gespielt, zusammen mit Ihrer Nationalmannschaftskollegin Corina Ssuschke-Voigt, und sind dort sogar Meister geworden?

Kozuch: Ich habe auch in Italien und Russland gespielt. Aber es war etwas Besonderes für mich, da es auch in der Stadt war, in der ich meine Wurzeln habe. Es war schön für mich, dort zu spielen, weil ich eine Verbindung spüre. Auch in diesem Winter kann es sehr gut sein, dass ich wieder in Polen spiele. Es ist es interessant, wie die Menschen mich dort sehen. Die wissen nicht so richtig, bin ich Polin oder bin ich Deutsche. Ich sage immer: "Ich bin Europäerin."

SPORT1: Aus welchem Grund haben Sie seit dem Jahr 2007 nicht mehr in Deutschland gespielt?

Kozuch: Ich hatte das Gefühl, dass ich mich sportlich im Ausland besser entwickeln kann als in Deutschland. Ich bin direkt nach Italien gegangen. Das war und ist eine der stärksten Ligen der Welt. Mittlerweile hat sich das wegen der finanziellen Lage in Italien ein bisschen verlagert. Ich habe noch nie in Brasilien gespielt, deshalb kann ich das nicht so gut einschätzen.

SPORT1: Brasilien - wäre das ein Land außerhalb Europas, das interessant sein könnte?

Kozuch: Für mich ja. Ich würde mir wünschen, einmal in Brasilien zu spielen. Ich glaube, dass der Volleyball dort einen hohen Status hat, dass dort sehr hart gearbeitet wird, dass dort viele gute Spielerinnen sind, gegen die man sich erst mal durchsetzen muss. Daran wächst man natürlich. Das ist auch genau der Grund, warum ich aus Deutschland weggegangen bin. Ich wollte mich über Lebenserfahrung, aber auch über Volleyballerfahrung weiterentwickeln - und das war für mich der richtige Weg.

SPORT1: Dann dürfte es unwahrscheinlich sein, dass Sie zu einem deutschen Verein wechseln. Was müsste passieren, damit es dazu kommt?

Kozuch: In Zukunft könnte ich es mir vorstellen. Es gibt auch viele gute deutsche Spielerinnen, die seit Jahren in der deutschen Liga spielen und sich durchsetzen.

SPORT1: Bei der EM in Deutschland sind Sie nun Führungsspielerin und bekanntestes Gesicht des Teams, weil Angelina Hübner aus persönlichen Gründen abgesagt hat. Spüren Sie einen besonderen Druck?

Kozuch: Der Druck ist immer da. Bei Spielerinnen, die schon länger dabei sind, von denen auch viel gefordert wird, gehört es mit dazu, dass man unter Druck steht. Wichtig ist, dass man da daran nicht zu Grunde geht.

SPORT1: 2009 und 2011 waren Sie ja jeweils beste Punktesammlerin. Was sind Ihre eigenen Ziele für dieses Turnier?

Kozuch: Solche Ziele setze ich mir nicht. Ich hoffe, der Mannschaft das zu geben, was sie gerade braucht. Und dass ich es schaffe, mich durchzusetzen und auch entschlossen Punkte zu machen - das ist meine Aufgabe. Mein Ziel ist es gut zu spielen, damit wir unser gemeinsames, großes Ziel erreichen können.

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