Gegen die Türkei geht es für die DVV-Frauen um den Gruppensieg. Guidetti möchte aber am liebsten im Hotel bleiben.

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Halle/Westfalen - Die Türkei ist der bislang schwerste Gegner der DVV-Frauen bei der Heim-EM.

Und für Bundestrainer Giovanni Guidetti birgt es eine ganz besondere Brisanz: Kurz vor EM-Beginn gab er seine Verlobung mit der türkischen Nationalspielerin Bahar Toksoy bekannt. Die 25-Jährige und ihr zwölf Zentimeter kleinerer Trainer geben sich nach der EM am 20. September, seinem 40. Geburtstag, das Ja-Wort.

Deshalb ist Guidetti wohl nervöser als sonst für einem Match:

"Vielleicht bleibe ich besser im Hotel" witzelte er nach dem knappen 3:2-Sieg gegen die Niederlande am Samstag (Bericht) ins SPORT1-Mikro.

Duell um Gruppensieg

Zeit für romantische Momente bleibt in Halle ohnehin nicht. Das verliebte Paar begegnet sich nur auf dem Spielfeld, ganz professionell. Guidettis ganze Leidenschaft und Konzentration gilt der eigenen Mannschaft.

Für das Duell mit der Türkei (ab 18 Uhr LIVE auf SPORT1) ist das auch bitter nötig.

Mit einem Sieg würden sich Guidettis Damen den direkten Einzug ins Viertelfinale am Mittwoch sichern. Bei einer Niederlage muss das Team in die Playoffs am Dienstag.

Beste Liga der Welt

Doch im Frauen-Volleyball ist die Türkei eine wahre Großmacht.

Der Italiener betreut in der nationalmannschaftsfreien Zeit Champions-League-Sieger Vakifbank Istanbul und weiß deshalb bestens Bescheid über den Gegner. "

Die Bundesliga ist in den letzten Jahren immer besser geworden, zwei Klubs regelmäßig in der Champions League ist wirklich gut, aber die Türkei hat einfach viel mehr Geld, dass in den Volleyball gesteckt wird", sagt der 39-Jährige über den Vergleich der deutschen Eliteklasse mit der "besten Liga der Welt".

Akribischer Arbeiter Guidetti

Manche würden mit ihrem Schicksal hadern, verzweifeln oder aufgeben - doch nicht so Guidetti. Seitdem der quirlige Coach die deutschen Volleyballerinnen 2006 übernommen hat, hat sich das Team um Spielführerin Margareta Kozuch stetig entwickelt. Einzig die zweimal verpasste Olympia-Qualifikation verdirbt die gute Bilanz.

Bei der EM in Deutschland und der Schweiz tritt seine Mannschaft als Vize-Europameister an, nun soll der große Wurf gelingen.

Darauf arbeitet Guidetti seit Jahren hin. Dass überhaupt die Titelchance besteht, ist vor allem seiner akribischen Arbeit zu verdanken. Professionalität lebt der Trainer seinen Spielerinnen vor, Trainingstage mit bis zu sieben Stunden Arbeit sind keine Seltenheit.

Auch Spaßfaktor wichtig

"Wenn wir in die Weltspitze wollen, ist das unabdingbar", sagt Guidetti. Dabei setzt der "Maestro", der trotz seiner nur 1,78 m Körpergröße selbst ganz erfolgreich Volleyball spielte, auf den Mannschaftsgeist: "Wir wissen eben, dass wir nicht wie andere Teams die individuellen Qualitäten haben, um Spiele zu entscheiden, aber dafür haben wir unsere Stärke als Team."

Gerade bei der Heim-EM vor Tausenden von Fans, die zuweilen ein ohrenbetäubendes Spektakel veranstalten, setzt der Bundestrainer auch auf den Spaßfaktor. So sorgt "Gio" bei aller Ernsthaftigkeit im Training für den einen oder anderen Lacher und versucht, seinen Schützlingen den Druck ein wenig zu erleichtern.

Aus gutem Grund: "Das mit der Anspannung wird hier zu Hause nicht besser", verriet Mittelblockerin Corina Suschke-Voigt nach den Siegen in den ersten beiden Begegnungen mit Spanien und den Niederlanden im westfälischen Halle, bei denen ihr Team mehrfach an der eigenen Nervosität zu scheitern drohte.

"Die Mädels sollen hier auch Spaß haben, die tolle Atmosphäre genießen", betont der Trainer daher nach jedem Spiel fast gebetsmühlenartig.

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