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Jennifer Geerties (M.) wechselte 2010 zum DVV-Stützpunkt VC Olympia Berlin © imago

Vor anderthalb Jahren konnte Jennifer Geerties vor Schmerzen nicht schlafen. Nach einer OP begeistert sie nicht nur Guidetti.

Halle/Westfalen - Jennifer Geerties ist erst ganz frisch dabei, doch die letzten Monate bei den "Großen" waren so intensiv, dass der 19-Jährigen ihr Leben vor der Nominierung für die Nationalmannschaft ganz weit weg vorkommt.

"Damals", sagt die Außenangreiferin lächelnd und korrigiert sich sofort: "Quatsch, damals. Das war ja erst vor einem Jahr."

Ein Lächeln auf den Lippen hat Geerties ziemlich oft, schließlich muss es ihr wie ein Wunder vorkommen, dass sie bei der Heim-EM (LIVE auf SPORT1) dabei ist. Im Februar 2012 sah es nämlich ziemlich finster aus.

OP beseitigt die Schmerzen

Ein Bandscheibenvorfall wurde diagnostiziert, eine konservative Behandlung schlug nicht an, das Karriereende drohte.

"Ich habe nachts vielleicht zwei Stunden geschlafen, das war der absolute Horror," erzählt die Studentin. Zu dem Zeitpunkt steckte sie gerade in den letzten Zügen ihres Abiturs: "Ich konnte ja nicht sitzen, und dann musste ich fragen, ob ich die Klausuren im Stehen schreiben darf."

Geerties ging in sich, schrieb eine Pro- und Kontraliste und entschloss sich im Juli 2012 zu einer Operation.

"Am nächsten Morgen bin ich aufgewacht, hatte keine Schmerzen mehr und wusste, ich habe alles richtig gemacht", erzählt sie. Die Erleichterung ist immer noch zu spüren.

Mit zehn Jahren beim Zweitligisten

Schließlich ist Volleyball ihre große Leidenschaft, eine andere Sportart kam nie in Frage: "Ich spiele schon seit der ersten Klasse."

Mit zehn landete Geerties beim Zweitligisten SCU Emlichheim, dort lernte sie die Grundlagen. 2010 ging es ins Internat zum VC Olympia Berlin, dem Bundesstützpunkt Nachwuchs des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV).

Drei Jahre später klopfte Bundestrainer Giovanni Guidetti an. "Mein Co-Trainer hat zu mir gesagt, da gäbe es eine Spielerin, die ist noch nicht fertig, aber die müsse ich mir unbedingt ansehen. Und da ich ihm vertraue, habe ich sie eingeladen", erzählt Guidetti.

"Bloß nicht hinfallen, blamier dich nicht"

Seither hat das `Küken" des Teams ihren Trainer überzeugt. "Ich habe in meiner ganzen Karriere noch nie eine Spielerin gesehen, die in ihrem Alter so ein Ballgefühl hat", schwärmt der Italiener: "Sie wird uns in der Nationalmannschaft noch viel Freude machen."

Und so darf die Außenangreiferin das in sie gesetzte Vertrauen beim Saison-Höhepunkt zurückzahlen. In der Vorrunde wurde sie eingewechselt und riss die erfahrenen Kräfte mit ihrer Unbekümmertheit aus einem Tief - die direkte Qualifikation für das Viertelfinale klappte auch dank Geerties.

"Ich glaube, ich komme locker rüber, so wie ich auftrete. Aber ich war wahnsinnig aufgeregt. Ich habe nur gedacht, bloß nicht hinfallen, mach alles richtig, blamier dich nicht", erzählt sie über ihren ersten großen Moment vor 6500 jubelnden Zuschauern.

Auf jeden Fall nach Berlin

Wie es sich anfühlt, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, weiß die 19-Jährige schon ganz genau. Mit den DVV-Frauen gewann sie die European League.

Das will sie bei der Heim-EM noch einmal erleben: "Ich will auf jeden Fall nach Berlin, und dann ins Finale."

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