Vor dem EM-Halbfinale gegen Belgien spricht Kathleen Weiß mit SPORT1 über das Erfolgsrezept der DVV-Frauen und den Druck.

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Von Katja Wölffing

Halle/Westfalen/München - Da waren es nur noch zwei: Die Nationalmannschaft der Frauen kommt ihrem ultimativen Ziel immer näher.

Nach dem souveränen 3:0-Erfolg im Viertelfinale über Kroatien (Bericht) geht es am Freitag in Berlin gegen Belgien (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) um den Einzug in das Finale der Heim-Europameisterschaft.

Eine Schlüsselfigur in dem herausragenden Kollektiv, das eine regelrechte Volleyball-Euphorie ausgelöst hat, ist die erfahrene Italien-Legionärin Kathleen Weiß.

Die Zuspielerin hat schon weit mehr als 200 Länderspiele auf dem Buckel und war schon beim Vize-Titel 2011 dabei, jetzt soll Europas Krone erobert werden.

Im Interview mit SPORT1.fm spricht die 29-Jährige unter anderem über den Sieg gegen Kroatien, Halbfinalgegner Belgien, die Stimmung in Halle und den Erfolgsdruck in der Heimat.

SPORT1: Frau Weiß, zunächst einmal Glückwunsch zum Einzug ins EM-Halbfinale. Wir erwischen Sie gerade am Bahnhof auf dem Weg nach Berlin. Ursprünglich war doch geplant, schon in der Nacht mit dem Bus der Fußball-Nationalmannschaft aufzubrechen.

Kathleen Weiß: Ja, das stimmt. Es gab viele Überlegungen, wie wir am schnellsten nach Berlin kommen. Letztendlich wurde entschieden, dass wir doch im Hotel schlafen, um uns ein wenig ausruhen zu können. Mit dem Zug fahren wir, weil wir der Staugefahr aus dem Weg gehen wollten.

SPORT1: War denn am Abend wenigstens noch etwas Zeit, um ein bisschen zu feiern?

Weiß: Eigentlich nicht. Wir haben in der Halle den Sieg genossen, danach mussten wir schon unsere Sachen packen. Beim Essen saßen wir noch kurz zusammen. Es ging dann recht schnell ins Bett.

SPORT1: Das 3:0 gegen Kroatien hört sich sehr deutlich an, war aber eigentlich knapper.

Weiß: Das kann man sagen, zumal die ersten beiden Sätze 25:23 ausgingen. Den zweiten hätten wir aber auch früher entscheiden müssen. Wir hatten sechs Satzbälle und haben gewartet, bis sie 23 Punkte hatten. Das hätten wir auch unkomplizierter gestalten können.

SPORT1: Sie hatten das Spiel bis dahin souverän unter Kontrolle, vergaben dann aber gleich fünf Satzbälle in Folge. Wie kann so etwas eigentlich passieren?

Weiß: Ich denke, es ist ganz normal, hin und wieder zwei, drei Punkte zu verlieren. Wir sind uns alle einig, dass wir es beim nächsten Mal früher entscheiden. Viel wichtiger ist: Wenn es wirklich drauf ankommt, machen wir den Punkt.

SPORT1: Auch Bundestrainer Giovanni Guidetti hat hervorgehoben, dass Sie sich als Mannschaft unter Druck stark präsentiert haben. Zeichnet es dieses Team aus, sich von Spiel zu Spiel und im richtigen Moment steigern zu können?

Weiß: Auf jeden Fall! Wir hatten im ersten Spiel mit Spanien auch einen nicht ganz so starken Gegner. Dadurch haben wir uns in das Turnier hineingefunden. So war es leichter, auch spielerisch immer einen Schritt nach vorn zu machen.

SPORT1: Sie sprechen es selbst an. Es ist in Deutschland natürlich auch eine besondere Situation, den EM-Titel gewinnen zu wollen. Die Fußball-Frauen kamen bei der WM 2011 damit überhaupt nicht klar. Wieso packen Sie das bisher so gut?

Weiß: Ich denke, das liegt an der mentalen Einstellung. Wir sehen das positiv. Wenn du vor 9000 Zuschauern spielst, die bei jedem Punkt mitgehen, pusht dich das noch viel mehr. Wir sind sowieso ein sehr emotionales Team und leben von der Emotion. In Halle war es wirklich super, da haben wir die Unterstützung auf dem Feld gespürt.

SPORT1: Trainer Guidetti war sogar etwas traurig, Halle zu verlassen. Was erhoffen Sie sich von der Halle und den Fans in Berlin?

Weiß: Hoffentlich wird es genauso wie in Halle. Wir haben von der Max-Schmeling-Halle nur gutes gehört. Die Recycling Volleys spielen dort, die Männer-Nationalmannschaft hatte dort ihre Olympia-Qualifikation. Ich denke, es wird da weitergehen, wo wir in Halle aufgehört haben.

SPORT1: Wir müssen natürlich auch über Halbfinalgegner Belgien sprechen. Der Bundestrainer hat schon gewarnt. Wie schätzen Sie Belgien ein?

Weiß: Sie haben sich in diesem Sommer erheblich gesteigert. Sie haben gute Einzelspieler, sind aber auch als Team zusammengewachsen. Nichtsdestotrotz denke ich, dass wir eine gute Chance haben, wenn wir unsere Leistung bringen.

SPORT1: Im Finale könnte dann Weltmeister Russland warten. Ist das in der Mannschaft schon ein Thema?

Weiß: In der Theorie wissen wir, dass im anderen Halbfinale Serbien gegen Russland spielt, aber wir beschäftigen uns damit noch nicht. Alles was zählt, ist Belgien. Darauf bereiten wir uns vor. Dann sehen wir weiter.

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