Nach dem verlorenen EM-Finale kullern bei den Deutschen die Tränen. Durch die Fans merken sie schnell, was sie erreicht haben.

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Von der Volleyball-EM berichtet Lars Becker

Berlin - Im ersten Moment flossen die Tränen, als der Goldtraum geplatzt war.

Die Menschen in der überfüllten Max-Schmeling-Halle wollten jedoch nicht aufhören, die deutschen Volleyballerinnen zu feiern.

Und irgendwann war die größte Trauer nach dem mit 1:3 (23:25, 25:23, 23:25, 14:25) verlorenen Endspiel (Bericht) der Heim-EM gegen den Weltmeister Russland verflogen.

"Danke, liebe Fans"

Erst enthüllten die "Europameisterinnen der Herzen" ein großes Plakat mit der Aufschrift "Danke, liebe Fans", dann startete trotz aller Enttäuschung eine Party bis tief in die Nacht.

"Ich bin stolz, dass ich Trainer dieser Mannschaft sein darf", sagte Volleyball-Trapattoni Giovanni Guidetti nach der zweiten deutschen EM-Silbermedaille in Serie:

"Wir haben viel mehr erreicht, als wir vor der EM erwartet haben. Zwar nicht die erhoffte Goldmedaille, aber wir haben die Herzen der Menschen in Deutschland für Volleyball begeistert."

Das war nicht nur in der Halle spürbar, wo am Tag nach dem Besuch des neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach unter anderem Wimbledonfinalistin Sabine Lisicki und das Männer-Nationalteam die Daumen gedrückt hatten.

Eine Million TV-Zuschauer

Auch im erst kurz vor der EM gestarteten Fanclub, der schon über 7.500 Likes hat, waren die Reaktionen überwältigend.

"Danke Mädels für ein Hammerturnier!!! DIE Siegerinnen der Herzen seid Ihr!!!!", hieß ein Kommentar.

Bei den Live-Übertragungen von SPORT1 schauten teilweise über eine Million Menschen zu - ein absoluter Rekordwert für die Randsportart abseits von Olympischen Spielen.

"Wir haben so viel geschafft"

"Wir haben eine große Euphorie in Deutschland für Volleyball entfacht, die bleibt", sagte Angreiferin Heike Beier nach dem Ende des Volleyball-Märchens:

"Im ersten Moment waren wir natürlich alle sehr traurig. Wir wollten nach fünf Siegen auch diese Goldmedaille. Deshalb sind natürlich auch Tränen geflossen, doch schnell war klar: Wir haben so viel geschafft und freuen uns über Silber!"

Zumal sich das deutsche Mannschaft nach einem hochklassigen Finale keine Vorwürfe machen konnte. "Die Russinnen waren einfach zu hoch", stellte Blockspezialistin Anja Brandt fest.

2:1 für Russland der Knackpunkt

Am Ende gab dann doch die körperliche Überlegenheit des nunmehr 18-maligen Europameisters den Ausschlag, auch wenn die "Schmetterlinge" einmal mehr "wie die Löwen" (Corina Ssuschke-Voigt) gekämpft hatten.

Knackpunkt des über zwei Stunden langen Spiels war einer von vielen Blockpunkten der Russinnen zur 2:1-Satzführung.

Danach war der deutsche Akku einfach nur noch leer.

Die Power der überragenden Angreiferinnen Natalja Obmotschajewa (28 Punkte) und Tatjana Koschelewa (19) - sie wurde am Ende auch zur MVP gewählt - war einfach zu groß.

Kozuch beste Aufschlägerin

Die beste deutsche Punktesammlerin Margareta Kozuch (18) wurde zur besten Aufschlägerin der EM gekürt, Christiane Fürst als beste Blockerin ausgezeichnet.

Und es blieb neben Silber und der Begeisterung noch die Freude auf die nahe Zukunft:

"Volleyball-Trapattoni" Giovanni Guidetti wird am 20. September in Istanbul die türkische Nationalspielerin Bahar Toksoy heiraten.

Und mit dem Final-Einzug hat sich das deutsche Team auch das Ticket für die WM 2014 in Italien und die EM 2015 gesichert.

Dann können die Schmetterlinge neue Volleyball-Märchen schreiben - vielleicht dann ja mit einem Happyend.

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