SPORT1-Expertin Danja Müsch fühlt, als habe sie selbst das Finale bestritten und huldigt dem Team. Guidetti wird doch noch golden.

Hallo Volleyballfreunde,

ich habe einen Volleyball-Kater. Ich fühle mich so, als hätte ich selber gespielt bei der Volleyball-Europameisterschaft in Berlin.

Dabei musste bzw. durfte ich doch nur zuschauen, was diese unglaublichen Frauen von Bundestrainer Giovanni Guidetti auf dem Feld durchleidet und durchgefightet haben.

Wen dieses Halbfinale gegen Belgien und dann das große Finale gegen Russland nicht mitgerissen hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Mehr Emotionen gibt es beim Volleyball nicht.

Eigentlich war der Traum von Gold im Halbfinale schon zu Ende. 0:2 Satzrückstand und eine stark aufspielende belgische Mannschaft - man konnte gar nicht mehr hingucken. Ich kenne jedenfalls jetzt die Katakomben in der Max-Schmeling-Halle...

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Was für eine Nervenschlacht, nicht nur für die Spielerinnen, sondern auch für alle Zuschauer. Wie die Mädels das noch gewonnen haben? Ich weiß es nicht.

Ich erinnere mich an entsetzte Gesichter der Volleyball-Experten am Spielfeldrand, an den Kommentar unserer Expertin Angelina Hübner, die immer wieder forderte: "Sie müssen mutiger sein, mutiger!"

Und an immer blasser werdende Gesichter der Spielerinnen. Ich befürchte, sie haben auch nicht mehr dran geglaubt, aber sie haben einfach immer weitergemacht.

Und am Ende doch noch für ein Happy End gesorgt - den Einzug ins Finale bei der EM im eigenen Land.

Der Kommentar von Bundestrainer Giovanni Guidetti nach diesem Spiel trifft es: "Diese Mannschaft ist nicht normal!"

Guidetti, der Volleyball-Trappatoni, hat es geschafft, seine Mannschaft perfekt einzustimmen auf dieses Volleyball-Highlight, und er hat uns unglaublich viel Spaß gemacht mit seinen Emotionen am Spielfeldrand.

Jetzt ist er schon auf dem Weg nach Istanbul. Dort gibt es zumindest für Ihn dann doch noch Gold - wenn Guidetti seiner Verlobten Bahar Toksoy, der türkischen Nationalspielerin, am Freitag das Ja-Wort gibt.

Dass es am Ende auf dem Platz "nur" Silber geworden ist - schade, aber egal.

Maggi Kozuch und Co haben eine tolle Leistung geboten, noch mal alles gegeben und nicht nur die Max-Schmeling Halle in Berlin zum Kochen gebracht, sondern auch die vielen Volleyballfans vor dem Bildschirm, die mitgefiebert haben.

Am Ende war Russland einfach besser und vor allem eine Etage höher. Sie sind die verdienten Europameisterinnen.

Unsere Mädels haben trotzdem eines erreicht: Sie haben Volleyball zurück auf die Bildfläche gebracht, sie haben Volleyball-Herzen höher schlagen lassen, und sie haben viele neue Fans für diese Sportart gewonnen.

Dieser Mut, das attraktive Spiel, die Emotionen und nicht zuletzt das sympathische Auftreten der Mannschaft haben nicht nur mich zum Fan werden lassen. Echt ein tolles Team - da können wir uns jetzt schon auf die WM im kommenden Jahr in Italien freuen.

Und was machen wir bis dahin? Erst mal durchatmen, ausruhen und dann? Dann geht?s zum Glück direkt weiter mit dem Volleyball-Wahnsinn.

Die Männer sind ab Freitag dran bei der EM in Polen und Dänemark. Das Netz wird ein bisschen höher gemacht, und dann sollten Sie sich nicht die Hammer-Schläge von Georg Grozer und seinem Team entgehen lassen.

Das Ganze natürlich wieder live auf SPORT1.

Viel Spaß dabei

Eure Danja

Die ehemalige Nationalspielerin Danja Müsch berichtet für SPORT1 als Moderatorin von der Volleyball-EM. Müsch hat 45 Länderspiele für die DVV-Frauen in der Halle bestritten - 1994 wechselte sie von der Halle in den Sand und gewann mit Partnerin Beate Bühler auf Anhieb den Titel bei der Beachvolleyball-EM. Die 42-Jährige nahm an insgesamt drei Olympischen Spielen teil und holte fünfmal die Deutsche Meisterschaft. Zudem wurde sie viermal zur Beachvolleyballerin des Jahres gekürt.

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