Vor dem EM-Auftakt gegen Russland schwärmt Ben Ibata in seiner SPORT1-Kolumne von Grozers Ur-Gewalt und der Waffe Schöps.

Hallo Volleyballfreunde,

heute ist es endlich soweit! Die Europameisterschaft der Männer beginnt - und ich kann den ersten Aufschlag der deutschen Nationalmannschaft (ab 16.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) kaum erwarten. Die Damen haben eine atemberaubende Leistung gezeigt und mit einer wunderbaren Silbermedaille ordentlich vorgelegt.

Auf geht?s Jungs, macht es den Mädels nach!

Für mich ist Deutschland einer der Geheimfavoriten auf den EM-Sieg. Ich bin mir bewusst, dass das gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Mannschaftsumbaus eine eher gewagte These ist.

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Aber wenn zwei Bedingungen erfüllt werden, haben unsere Jungs eine gute Chance mit einer Medaille heimzukehren.

Die erste Bedingung ist, dass Vital Heynen seine 14 Auserwählten physisch und insbesondere psychisch perfekt auf das Turnier vorbereitet. Das klingt trivial, ist aber für diese junge und zum Teil EM-unerfahrene Mannschaft (5 Neulinge) keine Selbstverständlichkeit.

Die zweite Bedingung ist, dass Deutschland während der ersten Turnierphase in Polen eine ganz große Heldentat vollbringt. Sie müssen einen der beiden haushohen Favoriten - Russland oder Polen - im Viertelfinale schlagen. Unsere Herren haben zuletzt bewiesen, dass sie an einem guten Tag jeden Gegner schlagen können.

Den Beweis dafür liefert die abgelaufene World-League-Saison. Trotz der aktuell fortschreitenden Verjüngungskur im Hinblick auf Olympia 2016 in Rio hat die deutsche Mannschaft im Sommer einige beeindruckende Leistungen in einer starken Gruppe mit Russland, Italien, Serbien und Kuba gezeigt.

Das deutsche Spiel war neben der bekannten Athletik und Stärke am Netz von einer großen taktischen Disziplin geprägt. Damit wurden konsequent die Schwächen der Gegner ausgenutzt. Lediglich eine überraschend deutliche Niederlage gegen den Iran im Hexenkessel von Teheran machte den Traum einer Teilnahme an die Finalrunde zunichte.

Die entscheidende Frage im Kader ist, ob die Hauptangreifer rechtzeitig fit werden. Jochen Schöps ist in Topform einfach eine Waffe. Ich durfte mich selbst oft genug über seine variablen Angriffe und seine Unempfindlichkeit für Trash-Talk ärgern.

Mit einer Seelenruhe und einer fast meditativen Mimik schlägt er einem die Bälle um die Ohren. Allerdings macht ihn aktuell eine Bauchmuskelverletzung zu schaffen - und ich hoffe sehr, dass er im Laufe des Turniers eingreifen kann.

Der andere Diagonalangreifer ist Georg Grozer - der mit Abstand spektakulärste Spieler im deutschen Team.

Sein Armzug birgt derartige Urgewalten, dass seine Aufschläge regelmäßig zu Assen werden und seine Angriffe den gegnerischen Block häufig schlicht ignorieren. Da könnte ich auch stundenlang von seinen "Cruise-Missiles" erzählen. Aber auch er hatte zuletzt mit Verletzungen zu kämpfen.

Und die Zeit drängt: Bereits zum EM-Auftakt wartet der amtierende Olympiasieger Russland. In diesem Spiel wird sich entscheiden, ob Deutschland eine Chance auf den Gruppensieg bekommt.

Der Gruppensieger ist direkt für das Viertelfinale qualifiziert. Die Plätze 2 und 3 qualifizieren für die Playoff-Runde bei der weitere 4 Plätze für das Viertelfinale ausgespielt werden.

Nach dem Auftakt müssen unsere Herren gegen Bulgarien und Tschechien (LIVE im TV auf SPORT1) ran. Beide Gegner haben ein enormes Offensivpotenzial, das bei den Bulgaren in einem gewissen Tsvetan Sokolov gipfelt. In Bayern würden wir dazu sagen: "Ja mei, huift nix!", da muss in mindestens einer der beiden Partien ein Sieg her.

Jetzt heißt es aber zunächst alle verfügbaren Daumen im ersten Highlight gegen Russland drücken!

Euer Ben

Ben Ibata begann seine Volleyball-Karriere 1994 bei Arago Sete in Frankreich und wechselte im Jahr 2000 zum TSV Unterhaching in die 1. Bundesliga. Dort zählte er in den folgenden sieben Spielzeiten zu den besten Mittelblockern Deutschlands. Der 39-Jährige ist seit 2001 Geschäftsführer der Managementberatungsfirma Llawson in München. Für SPORT1 begleitet er die Europameisterschaft der Männer als Co-Kommentator und in seiner Kolumne.

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