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Das deutsche Team ist bei der EM bislang noch ungeschlagen © imago

Nach drei Siegen haben die DVV-Männer Lust auf mehr und müssen auch vor dem EM-Viertelfinale keine Angst haben.

Gdingen/München - Das "Ferienlager an der Ostsee" verlängert sich um ein paar Tage, und schon hat Vital Heynen ein Luxusproblem.

"Wir müssen unseren Freundinnen und Frauen erklären, dass wir ein paar Tage später nach Hause kommen und erst einmal Wäsche waschen", scherzte der Bundestrainer. Denn seine Volleyballer haben mit drei Siegen in drei Spielen in der "Todesgruppe" in beeindruckender Manier direkt das Viertelfinale bei der EM in Polen und Dänemark (Mi., 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) erreicht.

Heynen: Heimreise kann warten

Und geht es nach Heynen, kann es mit der Rückkehr in die Heimat durchaus noch etwas dauern.

Nun "ist mit diesem Team alles möglich", sagt der Belgier. Heynen ist es vor dem nächsten Gegner nicht bange, egal ob es am Mittwoch in Danzig gegen den Co-Gastgeber Polen oder erneut gegen Gruppengegner Bulgarien geht.

Und vielleicht ist sogar ein Trip nach Kopenhagen drin. Noch einen Sieg ist die deutsche Mannschaft vom Finalwochenende in der dänischen Hauptstadt entfernt, zwei Erfolge fehlen zur ersten EM-Medaille überhaupt.

Trainer vor dem Turnier skeptisch

Zeit zum Träumen hat das Heynen-Team aber noch nicht. "Das ist zu weit weg", meint der Coach, dem der zusätzliche freie Tag sehr gelegen kommt. Der Durchmarsch seiner Mannschaft in die Runde der letzten Acht hatte nicht nur den Trainer überrascht.

"Wir waren bis vor ein paar Tagen noch unglaublich schwach, ich habe keine Ahnung, zu was wir fähig sind", hatte Heynen vor der EM gesagt.

Traumbilanz auch ohne Kapitän Schöps

3:0, 3:2, 3:0 - so sieht die Vorrundenbilanz jetzt aus, hinzu kommen zwei Siege in der unmittelbaren Vorbereitung gegen den Olympiadritten Italien. Dabei musste das Team um den derzeit verletzten Kapitän Jochen Schöps in der Gruppe mit Olympiasieger Russland, dem Olympiavierten Bulgarien und Tschechien schwere Kaliber aus dem Weg räumen.

Ohne den Routinier, dafür mit fünf EM-Debütanten wuchs die Mannschaft über sich hinaus. Besonders die Neuen im Team bereiteten dem Coach schon viel Freude.

Jungstar Christian Fromm zum Beispiel, der in allen drei Spielen konsequent gute Leistungen brachte und sich zum Topscorer aufschwang, auch als gegen Bulgarien gestandene Kräfte wie Diagonalangreifer Georg Grozer schwächelten.

"Du spielst nicht nur gut oder sehr gut, du bist unglaublich gut", lobte Heynen seinen Außenangreifer und umarmte den 23-Jährigen. Dann ist da noch Neuentdeckung Philipp Collin, der erst im Sommer sein Debüt in der Nationalmannschaft bestritt und im polnischen Gdingen dem Gegner schon so kaltschnäuzig wie ein alter Hase die Bälle um die Ohren schlug.

Keine Stars - dafür das Kollektiv

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen, denn Heynen hat es in kürzester Zeit geschafft, eine schlagkräftige Truppe zu formen, in der die Mannschaft der Star ist. Sowieso ist dem Familienvater das Kollektiv wichtig.

Den Erfolg an einzelnen Spielern festzumachen, egal wie viele kritische Punkte sie machen, widerstrebt dem "Volleyball-Verrückten" zutiefst.

Das Vertrauen, das Heynen jedem einzelnen schenkt, zahlen ihm seine Schützlinge nun zurück. Im Viertelfinale wird sich zeigen, wie gereift seine Auswahl schon ist.

Das Team will mehr

Vielleicht ist dann auch der Kapitän wieder an Bord. Schöps trainierte die letzten Tage fleißig mit der Mannschaft, doch die Nachwirkungen der Bauchmuskelverletzung verhinderten bisher einen Einsatz.

Heynen ist in jedem Fall zuversichtlich: "Wer Italien, Russland, Bulgarien und Tschechien in einer Woche schlagen kann, dem ist vieles zuzutrauen." Und Libero Ferdinand Tille, auch so ein Überflieger im Team, freut sich einfach auf die nächste Aufgabe: "Im Viertelfinale in Danzig vor voller Halle gegen Polen zu spielen, macht sicher viel Spaß."

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