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Mit drei Siegen ist das DVV-Team ins Viertelfinale eingezogen © imago

Der Ex-Bundestrainer nennt SPORT1 Gründe für Deutschlands Erfolge bei der EM und Parallelen zu den Guidetti-Girls.

Von Lars Kretzschmar

München - Drei Spiele, drei Siege - vor dem EM-Viertelfinale gegen Bulgarien (Mi., ab 19.50 Uhr LIVE im TV bei SPORT1) knüpfen die deutschen Volleyballer nahtlos an die beeindruckende Leistung der Guidetti-Girls an.

Sogar die Satzergebnisse auf dem Weg zum Gruppensieg - 3:0, 3:2, 3:0 - sind identisch.

Doch geht es nach Ex-Bundestrainer Stelian Moculescu, ist sogar noch mehr drin als die Silbermedaille, welche die DVV-Frauen bei der Heim-EM erobert hatten.

Heynens Unkenrufen zum Trotz

"Die Europameisterschaft ist so offen wie selten", sagte der jetzige Headcoach des VfB Friedrichshafen zu SPORT1: "Einige Mannschaften sind im Umbruch, andere im Kommen."

Und zu letzteren zählt eindeutig die deutsche - und das nicht überraschend, meint Moculescu: "Unsere Spieler sind alle in sehr guten Ligen aktiv. Sie haben auch in der Weltliga und bei Olympia im letzten Jahr gut gespielt, deshalb ist die Leistung nicht so überraschend. Da ist eine gewisse Kontinuität erkennbar."

Dabei hatte Bundestrainer Vital Heynen noch kurz vor dem Turnier im SPORT1-Interview geunkt: "Wer aus unserer Gruppe ins Halbfinale kommt, ist so gut wie Europameister. Für uns ist das quasi unmöglich."

Auferstanden nach Tiefpunkt

Eine Aussage, die sich zur Titelprognose umkehrt, sollte sein Team am Mittwoch auch das vierte Spiel gewinnen.

Binnen kurzer Zeit haben sich die Deutschen vom Geheimfavoriten zum ernsten Titelanwärter entwickelt, dabei waren sie noch vor zwei Jahren am Tiefpunkt. Drei Niederlagen in der Vorrunde bedeuteten das sang- und klanglose Aus.

Da stellt sich schon die Frage, wer hinter der plötzlichen Leistungsexplosion steht.

Keine Lücken in der Formation

Doch einen Spieler im Kader hervorzuheben, um an ihm den Aufschwung festzumachen, fällt auch Moculescu schwer.

"Mit Georg Grozer haben wir einen gewaltigen Diagonalspieler, auch die beiden Zuspieler Lukas Kampa und Simon Tischer haben internationales Niveau", zählt er auf und ergänzt. "Mit den Außenspielern Denis Kaliberda und Christian Fromm sowie Ferdinand Tille als Libero haben wir eine gute Formation."

Fromm nutze seine Stärken in der Offensive ebenso aus wie Kaliberda, der im Angriff und der Annahme überzeuge. "Besonders diese beiden Debütanten haben sich durch ihre Jahre in Italien sehr gut entwickelt."

Die Stärke im deutschen Volleyball ist also das Kollektiv - genau wie bei den silbernen Schmetterlingen.

Raus aus dem Dornröschenschlaf

So verblüffte Moculescu nur das 3:0 zum Auftkat gegen die Russen, "aber selbst da war nur die Höhe überraschend und nicht der Sieg an sich". Schon in der Weltliga war dem deutschen Team ein Sieg gegen Olympiasieger Russland gelungen.

Die Finalrunde in Kopenhagen ist nun in greifbarer Nähe und damit auch die Chance, für die zweite deutsche EM-Medaille binnen weniger Tage zu sorgen. Der gebürtige Rumäne Moculescu hofft ebenfalls auf das begehrte Edelmetall. Die Farbe sei ihm allerdings egal.

Wichtiger ist dem 63-Jährigen die Nachhaltigkeit der deutschen Erfolge. "Die Auftritte der Frauen waren sensationell. Wenn selbst ich Frauen-Volleyball anschaue, will das was heißen, aber vielleicht schaffen wir es in Deutschland jetzt tatsächlich, aus dem Dornröschenschlaf herauszukommen."

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