Wasserballer trauern historischer Chance nach
München/Eindhoven - Als am Morgen danach ein Fernsehteam das Mannschaftshotel besuchte, wurde Hagen Stamm noch einmal richtig bewusst, dass seine Wasserballer mehr als nur ein EM-Viertelfinale verloren hatten.
"Wir haben eine historische Chance liegen gelassen", sagte der Bundestrainer 18 Stunden nach dem enttäuschenden 4:9 in Eindhoven gegen Weltmeister Italien: "Mit zwei Spielen um Medaillen hätten wir mehr Möglichkeiten gehabt, auf uns aufmerksam zu machen."
Nur kurz aus der Nische
So gelang der Sprung aus der Randsportnische nur kurz. Und Stamm blieb kurz vor dem Ende der langjährigen Zusammenarbeit die Auszeichnung mit Edelmetall verwehrt.
"Es war wahrscheinlich nicht nur meine letzte Chance", sagte Hagen Stamm, der nach den Olympischen Spielen in London sein Amt niederlegt. Auch sein Schwiegersohn Marc Politze hört voraussichtlich auf, dann bleibt nur noch Filius Marko übrig.
Stamm senior fiel es auch mit einer Nacht Abstand schwer, die Enttäuschung abzulegen.
Bestes Resultat seit 1995?
"Es war noch nie so leicht", sagte der 51-Jährige, der in seiner zwölfjährigen Amtszeit als Bundestrainer bei keinem großen Turnier den Sprung unter die besten Vier schaffte und mehrmals nur ganz knapp scheiterte. "Vielleicht hatten einige im Hinterkopf, dass Platz fünf oder sechs auch toll ist", mutmaßte er, "aber ich finde es nicht toll, Fünfter zu werden."
Diese Platzierung kann die Auswahl des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) mit einem Sieg am Samstag gegen Griechenland erreichen.
Es wäre das beste EM-Resultat seit Bronze 1995. "Das würde ein sehr erfolgreiches Turnier noch abrunden", sagte Stamm dann doch, und die Enttäuschung wich langsam dem Stolz auf unerwartete Siege gegen Spanien (16:10) und vor allem gegen den entthronten Titelverteidiger Kroatien (10:9).
Vier Olympia-Tickets zu vergeben
Nach dem EM-Ende richtet sich der Fokus auf Olympia. Beim Qualifikationsturnier in Edmonton/Kanada (1. bis 8. April) werden die letzten vier London-Tickets vergeben.
Mit seiner insgesamt sechsten Teilnahme an Olympischen Spielen - drei als Spieler, drei als Trainer - könnte Stamm nicht nur einen würdigen Abschied feiern. Der Berliner würde auch seinem Nachfolger Planungssicherheit hinterlassen.
Weil die DSV-Auswahl bereits automatisch die WM 2013 und die EM 2014 erreicht hat, bliebe bei erfolgreicher Olympia-Qualifikation die finanzielle Grundlage erhalten.
"Bereits die halbe Miete"
Die derzeit elf Bundeswehrplätze könnten sogar noch mehr werden, weil andere Mannschaftssportarten die Spiele in London bereits verpasst haben. "Dass wir bei der nächsten WM und EM dabei sind, ist bereits die halbe Miete", sagte Teammanager Michael Zellmer.
Der ehemalige Nationaltorhüter will seine Arbeit, die er Anfang 2009 als erster hauptamtlicher Manager begann, auch ohne Stamm fortsetzen.
Mit dem DSV soll es in Kürze Gespräche über eine Vertragsverlängerung geben.
Wahrscheinlich kommt auf den 34-Jährigen in Zukunft mehr Arbeit zu. "Hagen hat sehr viel Lobbyarbeit gemacht", sagte Zellmer, "sehr viel außerhalb des Trainings." Wasserball aus der Nische herauszuholen, hat aber auch er nicht geschafft.
Diskutieren Sie in der Community!
Zurück zur Startseite