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Patrick Hausding (vorne) gewann bei Europameisterschaften sechs Goldmedaillen © getty

Die Europameister gewinnen vom Turm ihre erste WM-Medaille. Die Aussichten auf Edelmetall - der Druck ist weg.

Shanghai - Als Patrick Hausding nach dem Silber-Sprung vom Turm wieder auftauchte, musste er sich kurz bei seinem Partner Sascha Klein versichern.

"Ich habe ihn gefragt: Hast du ein Ass gemacht? Er hat geantwortet: Ja. Da wusste ich, wir haben eine Medaille", sagte der Doppel-Europameister, der in Shanghai endlich sein erstes WM-Edelmetall gewann.

Der Berliner strahlte über das ganze Gesicht, als ihm IOC-Präsident Jacques Rogge wenig später die Silbermedaille um den Hals hängte.

Für den 22-Jährigen schloss sich ein Kreis, vor drei Jahren war er ebenfalls in China zu Olympia-Silber gesprungen.

Von Platz fünf auf zwei

"Jetzt sind wir nach drei Jahren Durststrecke endlich wieder oben angekommen", sagte Hausding, der in der Zwischenzeit zwar in Europa fast alles abgeräumt, gegen die Weltelite aber meist den Kürzeren gezogen hatte.

Im Synchronsprung-Finale von Shanghai bewiesen der Berliner und sein drei Jahre älterer Partner aus Riesa wieder Nervenstärke. Nach einem Fehler im dritten Durchgang fiel das Duo auf den fünften Platz zurück, dann arbeitete es sich aber kontinuierlich vor, ehe am Ende alles optimal gelang. 430625(DIASHOW: Das deutsche WM-Aufgebot)

"Der letzte war unser bester Sprung", befand Hausding, gab aber zu: "Es war ein mentales Hin und Her, es war schon wild."

Olympia 2012 gesichert

Lediglich an die deutlich überlegenen Chinesen Qiu Bo und Huo Liang (480,03) kamen die beiden Deutschen, die als Einzige in der Weltspitze auf einen viereinhalbfachen Salto verzichteten, mit ihren 443,01 Punkten nicht heran.

Bronze ging an die Ukrainer Alexander Gorschkowosow/Alexander Bondar (435,36).

Mit ihrer ersten WM-Medaille machten Hausding und Klein nicht nur ihr Pech von Rom wett, als sie vor zwei Jahren knapp Bronze verpassten, sondern sicherten sich auch einen Startplatz für Olympia 2012.

Medaillen im Blick

Nach dem silbernen Auftakt war DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow erleichtert. "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Wenn das erste Ass gleich sticht, bringt das eine super Stimmung ins Team", sagte der Cheftrainer der Springer, die weitere Erfolge im Visier haben. (BERICHT: Angst bei jedem Happen)

"Jetzt habe ich in den anderen Wettkämpfen keinen Druck mehr", sagte Hausding, der im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett mit Stephan Feck ebenfalls aufs Treppchen will:

"Da sind wir genauso konkurrenzfähig und können eine Medaille gewinnen."

Zudem springt der sechsmalige Europameister noch allein vom Drei-Meter-Brett. Klein rechnet sich vom Turm gute Chancen aus: "Wenn ich da die Sprünge auch so bringe, ist eine Medaille drin."

Medaille knapp verpasst

Bereits am Samstag waren die EM-Dritten Katja Dieckow und Uschi Freitag Edelmetall näher als erwartet gekommen (BERICHT: Dieckow und Freitag wecken DSV-Hoffnungen). Vom Drei-Meter-Brett sprang das Synchron-Duo auf Rang fünf - und ärgerte sich trotz des Erfolges kurz.

"Dass wir so nah an Bronze herankommen, hätte ich nicht gedacht", sagte Dieckow, "wir dachten, eine Medaille wäre völlig utopisch."

Mit 299,40 Punkten verfehlten die beiden das Podest nur um 7,50 Zähler. (NEWS: Das deutsche WM-Aufgebot)

Nur ein klitzekleiner Fehler

Am Ende überwog dennoch die Freude. "Es ist für uns beide das beste WM-Ergebnis, besser, als wir es erträumt hatten", sagte Dieckow, "wir sind bis auf einen klitzekleinen Fehler super durchgekommen."

Eigentlich hatte die 13-malige deutsche Meisterin aus Halle/Saale mit ihrer Aachener Partnerin "nur mit dem sechsten Platz geliebäugelt, jetzt war es doch ganz schön knapp".

Punzel rutscht aus

Den Tränen nahe war Tina Punzel. Die jüngste deutsche WM-Teilnehmerin war bei ihrem Debüt buchstäblich ausgerutscht.

"Ich weiß auch nicht, was passiert ist. Ich stand zu weit vorne", sagte die 15-Jährige, der vom Ein-Meter-Brett der zweite Sprung völlig misslang. Die Dresdnerin rutschte mit dem Fuß vom Brett und klatschte mit dem Rücken aufs Wasser.

WM ist wie eine Lehre

"Sie hat fast geheult", berichtete Buschkow: "Ich habe ihr gesagt: Ein guter Sportler steckt das weg." Punzel nahm sich die Worte zu Herzen, vergaß den völlig verpatzten Eineinhalbfach-Auerbachsalto und legte noch drei gute Sprünge hin.

Es reichte nur zu Platz 33 in der Qualifikation, aber auch zu einer wichtigen Erkenntnis. "Für junge Sportler ist die erste WM wie eine Lehre", sagte Buschkow: "Da lernt man, dass man weiterkämpfen muss."

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