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Pavlo Rozenberg gewann bei der EM 2009 in Turin ebenfalls die Bronzemedaille © getty

Der Slapstick-König von 2009 überrascht mit der Bronzemedaille. Steuer und Subschinski vergießen nach Platz drei Tränen.

Schanghai - Erst grinste die Lachnummer von 2009 über beide Ohren, dann flossen synchron die Freudentränen:

Am bronzenen Montag polierten die Wasserspringer die deutsche Medaillenbilanz bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Shanghai ordentlich auf - und genossen den Erfolg ganz unterschiedlich.

"Wahnsinn", sagte Pavlo Rozenberg und schaute auf die Medaille in seiner Hand, "das ist ein schöner Ausgleich für die letzten Jahre."

Vor zwei Jahren in Rom hatte der Trainings-Weltmeister aus Riesa mit einem Slapstick-Sturz aus drei Metern für Gelächter gesorgt, jetzt beendete er seine internationale Pleitenserie mit dem überraschenden dritten Rang vom Ein-Meter-Brett.

Das "absolute Highlight" kommt noch

Ganz schnell tauchten Christin Steuer und Nora Subschinski nach ihrem letzten Sprung vom Turm wieder auf, dann schossen ihnen die Tränen in die Augen.

"Wir wollten einfach raus und gucken, welche Zahl da steht", erzählte Steuer. Auf der Anzeigetafel leuchtete die Eins. "Da wussten wir, es ist Bronze. Und wir haben angefangen zu heulen."

Mit 316,29 Punkten war den Berlinerinnen vor den letzten Sprüngen der Chinesinnen Wang Hao/Chen Ruolin und der Australierinnen Alexandra Croak/Melissa Wu der dritte Platz nicht mehr zu nehmen. Die Vize-Europameisterinnen waren am Ziel ihrer Träume.

"Olympia in London ist noch einmal ein absolutes Highlight", sagte die 28-jährige Steuer.

"Werden jetzt hart trainieren"

Ihre olympischen Erinnerungen sind nicht die besten: 2004 in Athen schied sie ebenso schon in der Qualifikation aus wie vier Jahre später in Peking.

Ihre fünf Jahre jüngere Partnerin hatte unter den Ringen zwar mehr Erfolg, verpasste als Vierte in Peking und als Sechste in Athen aber zweimal recht knapp das Podest.

"Wir haben gezeigt, dass wir auch nächstes Jahr die Chance auf eine Medaille haben", sagte die 23-jährige Subschinski, "ich hoffe, in London wird es dann nicht Blech wie beim letzen Mal. Dafür werden wir jetzt hart trainieren."

"Es ist auch so Wahnsinn"

Das hatte Rozenberg schon immer, doch in den großen Wettkämpfen versagten dem gebürtigen Ukrainer regelmäßig die Nerven.

"Vielleicht liegt es daran, dass ich bald Geburtstag habe", antwortete er auf die Frage, was diesmal anders war. Am Freitag wird Rozenberg 28, Grund zum Feiern hatte er aber schon am Montag.

Nur die Chinesen Li Shixin und He Min sammelten mehr als die 436,50 Punkte, die der elfmalige deutsche Meister für seine konstant starken Sprünge erhielt.

Bis zum letzten Durchgang hatte Rozenberg sogar auf dem zweiten Rang gelegen, ehe ihn He unter dem Jubel der chinesischen Fans noch abfing.

"Über Silber hätte ich mich noch mehr gefreut", sagte er, fügte aber schnell an: "Es ist auch so Wahnsinn."

"Da spreche ich nicht gerne drüber"

Vor zwei Jahren in Rom war Rozenberg durch einen spektakulären Sturz vom Drei-Meter-Brett bekannt geworden. Im Vorkampf verlor er plötzlich die Balance und purzelte regelrecht ins Becken - im Internet taucht dieses Video als erstes auf, wenn man seinen Namen eingibt.

"Da spreche ich nicht gerne drüber, das ist Vergangenheit", sagte der Bundeswehrsoldat, der seit Dezember 2007 die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Auch bei der EM 2010 patzte er.

Konzentrationsübungen helfen

Dass "Pascha", wie er im deutschen Team genannt wird, endlich seine Pannenserie beendete, lag auch an besonderer Vorbereitung. "Wir haben im Trainingslager ein paar Konzentrationsspiele gemacht", berichtete Lutz Buschkow, Leistungssportdirektor beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV) und Cheftrainer der Springer.

"Jeder musste nach dem Training noch einmal einen besonderen Sprung machen. Da gab's dann eine kleine Wette nach dem Motto: Pascha, wenn du's nicht schaffst, gibt's eine Runde Bier für die Truppe. Es hat offenbar geholfen, die Konzentrationsfähigkeit zu stärken."

Nächste Medaillenchance steht an

Während für Rozenberg trotz des überraschenden Erfolgs die WM bereits zuende ist, soll die Erfolgsserie der deutschen Springer weitergehen 430625(DIASHOW: Das deutsche WM-Aufgebot).

Am Dienstag (Finale 11.05 Uhr MESZ/Eurosport) hat Patrick Hausding, der mit Sascha Klein vom Turm Silber holte, seine zweite Medaille im Blick. Im Synchonspringen vom Drei-Meter-Brett gehört der 22-jährige Berliner mit Stephan Feck zu den Favoriten Favoriten.

"Da sind wir genauso konkurrenzfähig", sagte Hausding.

"Da werden sie schwitzen"

Seinen zehnten WM-Titel hat Rekord-Weltmeister Thomas Lurz am Mittwoch im Visier, wenn er über die olympische Distanz von zehn Kilometern startet.

Die Bedingungen am Jinshan City Beach sind zwar schwierig, doch besser als erwartet. 28,5 Grad Wassertemperatur zeigte das Thermometer am Montagmorgen nach der ersten Trainingsrunde.

"Da werden sie zwar schwitzen, aber das ist erträglich", berichtete sein Bruder Stefan, der Trainer der Langstreckenschwimmer, "es war ja von weit mehr als 30 Grad die Rede."

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