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Simon Stickl gewann in St. Johann vor Ex-Alpin-Weltmeister Daron Rhalves © imago

Simon Stickl gewinnt als erster Deutscher einen Ski-Cross-Weltcup. Im Interview spricht er über seine Olympia-Ziele.

Von Matthias Fiedler und Andreas Kloo

München - Ski Cross bedeutet harten Kampf Mann gegen Mann, oder auch Frau gegen Frau auf einer kurvenreichen und welligen Piste. Eine spannende Disziplin, die bislang allerdings ein Schattendasein führte.

Das könnte sich aber nun ändern.

Wenige Wochen vor dem olympischen Debüt der jungen Sportart feierte der Deutsche Ski Verband einen großen Erfolg in der jungen Disziplin.

Der 22-jährige Simon Stickl gewann im österreichischen St. Johann als erster Deutscher überhaupt ein Weltcup-Rennen im Ski Cross und qualifizierte sich damit für die Olympischen Spiele in Vancouver (12. bis 18. Februar).

Vor und während der Fahrt zum nächsten Weltcup-Rennen nach Les Contamines in Frankreich war bei Stickl erst einmal Feiern angesagt. "Im Bus nach Frankreich haben wir die ganze Zeit nur gesungen", berichtet der Bad Wiesseer im Interview der Woche bei Sport1.de.

Außerdem spricht er über seine Medaillenaussichten für Olympia, das Schattendasein seiner Sportart und den Neid auf die alpinen Kollegen.

Sport1.de: Herr Stickl, Sie haben in St. Johann Ihren ersten Weltcup-Sieg eingefahren und sich dadurch direkt für Olympia qualifiziert. Haben Sie das überhaupt schon realisiert?

Simon Stickl: Nein, nicht wirklich. Das ist schon brutal. Damit hatte wohl niemand gerechnet.

Sport1.de: Gefeiert haben Sie aber schon?

Stickl: Ja, das auf jeden Fall. Wir hatten ein Partyzelt aufgebaut und eine Band vor Ort. Die Mannschaftsleistung in diesem Weltcup war ja insgesamt sehr gut ? da gab es allen Grund zum Anstoßen.

Sport1.de: Wie groß war Ihr Respekt vor dem früheren Alpin-Weltmeister Daron Rhalves?

Stickl: Nicht größer als der vor den anderen Fahrern. Was das Skifahren betrifft, ist Daron natürlich das Maß der Dinge. Aber vor Mike Schmid, der mit mir im Finale stand, hatte ich zugegebenermaßen schon mehr Respekt.

Sport1.de: Für den DSV war es der erste Sieg im Ski-Cross-Weltcup überhaupt. Warum ist Deutschland das nicht schon eher gelungen?

Stickl: Diese Disziplin wurde bisher einfach nicht gefördert. Dazu kommt, dass die Sportart erst jetzt olympisch ist. Vorher hat das niemanden wirklich interessiert.

Sport1.de: Deshalb haben Sie auch noch keinen privaten Trainer und müssen viel selbst finanzieren.

Stickl: Richtig. Ob Flüge oder Unterkunft, bisher mussten wir immer alles selbst bezahlen. Seit zwei Jahren haben wir mit Alex Böhme aber einen Bundestrainer und mit Heli Herdt einen Sportlichen Leiter im DSV. Zudem können wir auf die Infrastruktur des DSV zurückgreifen.

Sport1.de: Ist es ohne Trainer nicht manchmal schwer, die richtige Motivation zu finden?

Stickl: Nein. Unser Konditionstrainer Jochen Babock hat uns im Sommer oft genug in den Hintern getreten. Er ist 1976 selbst Olympiasieger im Viererbob geworden. Der weiß, was zu tun ist, um gut zu werden.

Sport1.de: Nun sind Sie mit 22 Jahren der jüngste Sieger im Ski Cross. Dabei ist doch Erfahrung eigentlich das A und O, um in dieser Disziplin erfolgreich zu sein...

Stickl: Das ist wahr. Aber an dem Hang hat einfach alles gepasst - das war unbeschreiblich.

Sport1.de: Bei diesem Erfolg könnten Sie Ihren Schienbeinbruch mit 17 Jahren doch fast schon als Glücksfall bezeichnen.

Stickl: Jetzt im Nachhinein sicherlich. Beschweren kann ich mich im Moment in der Tat nicht.

Sport1.de: Und dabei schien Ihre Laufbahn auf Skiern nach diesem Unfall doch fast schon beendet.

Stickl: Stimmt. Ich bin ja vorher Alpin gefahren und habe davon geträumt, einen Slalom oder einen Weltcup zu gewinnen ? so wie es meinem Großvater am berühmten Ganslernhang in Kitzbühel gelungen war. Immerhin bin ich Deutscher Jugendmeister geworden. Mit dem Schienbeinbruch war dann aber erst mal alles vorbei. Ich wurde aus dem C/D-Kader gestrichen.

Sport1.de: Damit konnten Sie sich offensichtlich nicht zufrieden geben.

Stickl: Das habe ich vor allem einem Ski-Crosser zu verdanken, der mich beim Skizug der Bundeswehr in Mittenwald anstachelte, es doch mal mit dem Ski Cross zu probieren.

Sport1.de: Mit Erfolg wie man sieht. Wäre eine Medaille in Vancouver jetzt nicht das nächste Ziel?

Stickl: Um Himmels Willen. Das wäre sicherlich zu vermessen. Der Sieg in St. Johann war mein erster großer Erfolg überhaupt und bis Olympia ist noch ein Monat Zeit. Und dort will jeder eine Medaille, egal wie die Platzierungen vorher aussahen.

Sport1.de: Vielleicht hilft Ihnen Ihre Unbefangenheit.

Stickl: Eventuell. Mich hat sicherlich keiner auf der Rechnung, außer ich fahre in den nächsten Weltcups weiterhin der Konkurrenz davon. Doch zu verlieren habe ich nichts in Vancouver.

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews

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